Artikel 23/05/2019

Das jameda-Interview: 9 Fragen an Herrn Dr. med. dent. Uwe Steinhaus

Dr. med. dent. Uwe Steinhaus Zahnarzt
Dr. med. dent. Uwe Steinhaus
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Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. dent. Uwe Steinhaus interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Zahnarzt.

jameda: Herr Dr. Steinhaus, was hat Sie motiviert, Zahnarzt zu werden?

Herr Dr. Steinhaus: Als Sohn eines Tischlermeisters bemerkte ich recht früh meine manuellen Fähigkeiten. Diese wollte ich im Beruf des Zahntechnikers einsetzen. Also absolvierte ich diese Ausbildung und arbeitete noch 2 Jahre als Geselle. Durch meine Zeit im Rettungsdienst merkte ich, dass ich meine manuellen Fertigkeiten mit der persönlichen Nähe zum Menschen verbinden wollte. Ich wollte zum Wohle von Patienten tätig werden und das konnte ich als Zahnarzt am besten kombinieren. So kann ich das ‘Handwerk’ mit dem Erhalt oder der Rückgabe von Gesundheit täglich bei den unterschiedlichsten Menschen erleben. Daraus ziehe ich meine Leidenschaft.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Herr Dr. Steinhaus: Jeden Tag gibt es Menschen, deren Schmerzen ich erfolgreich heilen oder deren Problem ich lösen kann. Durch modernste Diagnostik und Therapien gelingt das heute oftmals besser und schneller als in der Vergangenheit. Die Dankbarkeit der Patienten gibt mir viel innere Freude und Stärke.

Die Herausforderung ist, dass es manchmal trotz modernster Diagnostik nicht sofort gelingt, die Ursache eines Problems exakt zu bestimmen. Hier gilt es, sich gemeinsam mit dem Patienten auf den Weg zu machen und ihm genau zuzuhören.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Herr Dr. Steinhaus: Gerade Angstpatienten haben häufig ein für sie traumatisches Ereignis erlebt. Daraus entsteht eine Zahnarztphobie mit der Erwartung und dem Vorurteil, dass jeder Zahnarztbesuch gleichermaßen wieder traumatisch für sie enden wird. Wenn der Zahnschmerz so stark wird, dass der Gang zum Zahnarzt nicht mehr verzögert werden kann, sind viele Patienten nach vertrauensbildenden Gesprächen überrascht und dankbar, dass moderne Zahnheilkunde nicht schmerzhaft sein muss.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?

Herr Dr. Steinhaus: Am Anfang einfacher wie auch komplexer Therapien steht die Aufklärung - über die Alternativen, die Dauer der Behandlung, die Kosten, die Prognosen und die Ziele. Besonders bei den langwierigen Therapien ist es für den Patienten wichtig, dass er den Weg zum Ziel versteht, um ihn mitgehen zu wollen. Nur gemeinsam in Auslotung der Patientenwünsche und -bedürfnisse können wir den Patienten immer wieder motivieren, indem wir ihn wahrnehmen und die Teilabschnitte verständlich darstellen.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Dr. Steinhaus: Der Therapieplan ist ja mit dem Patienten zusammen entwickelt und befürwortet worden. Dies ist ein wichtiger Aspekt, weil der Patient sich somit auch mit in der Verantwortung sieht. Wenn es Probleme mit der Umsetzung gibt, ist das ganze Team auf’s Neue gefordert, um die Ursachen dafür zu finden. Das können bestimmte spontan geänderte Lebensumstände sein oder schleichende Prozesse, sodass sich die Eigeninitiative des Patienten reduziert. Wenn wir den emotionalen Zugang finden, gelingt es meistens den Patienten neu zu motivieren.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Dr. Steinhaus: Durch meine Fortbildungs- und Referententätigkeit  sowie durch meine Praxistätigkeit lerne ich viele Kollegen kennen. Manche zeigen sich überaus sympathisch und emphatisch dem Patienten gegenüber. Aber leider fehlte ihnen die fachliche Komponente oder das manuelle Geschick. Andere waren zwar fachlich erstklassig aufgestellt, ihnen fehlte aber jegliche menschliche Komponente. Und dann gab es auch Kollegen, die beides beherrschten. Und auch ich versuche jeden Tag mich darauf zu besinnen, beide Seiten so gut es geht abzudecken. Daher heißt mein Credo: „konstant lernen und wachsen“. Das gilt für mich mein Leben lang.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapien oder Geräte, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Herr Dr. Steinhaus: Bei Patienten mit Zahnfleischrückgang kann ich mittels der Pinhole Surgical Technique die Bedeckung der freiliegenden Zahnhälse erreichen, ohne dass es chirurgische Schnitte oder Nähte gibt.

Erwachsene Patienten mit schiefen Zähnen haben häufig Einschränkungen der Lebensfreude. Mit dem Six-Month-Smiles-Verfahren können die schiefen Zähne in durchschnittlich sechs Monaten nahezu unsichtbar harmonisch gerichtet werden.

Mit dem CEREC-Verfahren sind wir in der Lage, die Partienten in einer Behandlungssitzung mit ästhetischen vollkeramischen Füllungen und Kronen zu versorgen.

Der Einsatz der Plasmatherapie bringt hochaktiven Sauerstoff auf frisch operierte Wunden, Aphthen und Herpes und sorgt für schnellere Wundheilung und reduzierte Schmerzen.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Steinhaus: Besonders im Gedächtnis bleiben mir solche Momente wie letzte Woche: Nach einer Therapie ihrer schiefen Zähne erscheint die Patientin zur letzten Sitzung zur Abnahme ihrer durchsichtigen Brackets. Sie erhält nach der abschließenden Politur einen Spiegel und sieht sich das erste Mal mit geraden Zähnen ohne Brackets. Tränenüberströmt und dankbar vor Glück fällt sie uns um den Hals und bringt kaum Worte heraus: ‘Danke! Danke! Das hätte ich nie vorher erwartet, dass es so toll wird. Danke!’.

Das sind sehr emotionale Momente, auch für das gesamte Team. Wieder wissen wir, wofür wir arbeiten und sind zutiefst zufrieden.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Steinhaus: Die ganzheitliche Betrachtung des Körpers und der Gesundheit zeigt, dass durch Minimierung von Bakterien im Mund eine Serie von Volkskrankheiten reduziert werden kann. So sind in Deutschland z. B. über 65 % der Bevölkerung von Parodontitisbakterien betroffen. Diese Erreger beeinträchtigen das Immunsystem. Sie können zu Schlaganfällen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, neben den bekannten Folgen des Zahnverlustes.

Eine regelmäßige Prophylaxe durch eine Professionelle Zahnreinigung kann diese Risiken immens senken. Es liegt in der Verantwortung des Zahnarztes, seine Patienten über diese Zusammenhänge aufzuklären und in der Verantwortung des Patienten, sich entsprechend vorbeugend behandeln zu lassen.

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