Das jameda-Interview: 7 Fragen an Herrn Dr. med. dent. M.Sc. Carsten Guse

Herr Dr. Guse praktiziert als Zahnarzt in Roth. (© Guse)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. dent. M.Sc. Carsten Guse interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Zahnarzt.

jameda: Herr Dr. Guse, was hat Sie motiviert, Zahnarzt zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Dr. Guse: Es ist schon über 40 Jahre her, ich war Schüler im Internat in Kassel. Ein guter Klassenkamerad, dessen Vater Zahnarzt war, weckte in mir den Wunsch, den Beruf des Zahnarztes zu erlernen. Sein Vater war nämlich Zahnarzt und froh darüber: Man ist selbständig und Freiberufler und man hat auch die Chance, seine handwerklichen Fähigkeiten einzusetzen und das in Kombination mit einem akademischen Beruf.

Bis dahin war der Gedanke, Zahnarzt zu werden, für mich genauso weit entfernt wie das Goldschürfen am Yukon. Als Schüler und junger Erwachsener war ich bei einem Zahnarzt älteren Semesters gewesen, der, ich will es mal so ausdrücken, recht „sportlich“ zur Sache ging. Jedenfalls, dieser Zahnarzt hatte noch die ganz alten Behandlungsstühle, in denen man nur aufrecht sitzend „behandelt“ werden konnte.

Der Bohrerantrieb, welch ein Fortschritt, war zwar schon elektrisch, und nicht durch Muskelkraft und Wippe angetrieben. Aber der Bohrer selbst wurde von einem über mehrere Rollen umgelenkten Antriebsriemen angetrieben! Der Witz an der Sache: Dieser Freund, der so vom Zahnarztberuf schwärmte, ist dann nicht Zahnarzt geworden, sondern Rechtsanwalt.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht ihn so besonders?

Dr. Guse: Die Implantologie ist für mich ein sehr interessantes Thema, weil ich da meine sehr guten handwerklichen Fähigkeiten, die ich zweifellos habe, einsetzen kann. Ich bin ein ziemlicher Bastler. Zuhause kann ich alles in Ordnung bringen, auch hier in der Praxis. Vieles geht doch immer wieder kaputt. Ich meine schon, dass mein Verständnis für Technik, Elektronik und Mechanik stark ausgeprägt ist. Mein handwerkliches Geschick und mein fachliches Können sind gerade in der Implantologie nötig und nützlich. Sie befähigen mich, auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein und dabei noch Spaß zu haben. Und was Spaß macht, bringt Erfolg.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Dr. Guse: Gerade bei der großen Konkurrenzsituation in Roth mit seinen 18 Zahnärzten muss man auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Die technische Ausstattung der Praxis muss auf dem neuesten Stand sein, um alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können.

Nicht nur die Fortbildungen als solche verschlingen viel Geld, auch das Anschaffen neuer und teurer Geräte ist nötig, wenn man den Anschluss nicht verlieren will.

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Dr. Guse: Ich glaube von mir sagen zu dürfen, dass ich einen sehr empathischen Umgang mit meinen Patienten habe. Ich sympathisiere mit Ihnen, weil ich sie mag. Ich meine die Intuition zu haben, sie zu verstehen, auch ohne dass sie sich groß ausdrücken müssen. Aber ich kann auch zuhören. Bei meiner Arbeit denke ich in erster Linie an das gesundheitliche (und finanzielle) Wohl meiner Patienten. Daran, was für sie in der gerade aktuellen Situation, aber auch für die Zukunft den größten Mehrwert bringt. Es wäre gelogen, dächte und handelte ich nur so. Nein, natürlich denke ich auch an mich, meine Familie und Angestellten; sie müssen auch von etwas leben. Aber das steht erst weiter hinten an. Sind meine Patienten gut versorgt, bin ich es schließlich auch, langfristig gesehen.

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Dr. Guse: Ich finde, dass wir in unserer Praxis nur liebe und freundliche Patienten haben. Mir kommt jetzt kein Patient in den Sinn, der uns was Böses wollte oder uns Schwierigkeiten machen will. Ich denke, das gelingt unseren Mitarbeiterinnen, meiner Frau und mir, weil wir uns gegenüber unseren Patienten fair und partnerschaftlich verhalten. Wir haben immer ein offenes Ohr und auch meistens Zeit für ein kurzes persönliches Gespräch. Und wenn es mal Probleme oder Unstimmigkeiten gibt, sind wir immer bemüht, wirklich helfen zu wollen. Das kommt gut an und deswegen kommen auch nur positive Reaktionen zurück.

 

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Dr. Guse: Ganz spontan fällt mir ein Erlebnis ein, es ist schon ein paar Jahre her: Ein Patient kam direkt von seiner Nachtschicht zu uns in die Praxis. Er war sehr müde, was man ihm schon ansah. Ihm sollte ein Zahn gezogen werden. Ich gab ihm eine Spritze, ging kurz raus zu einem anderen Patienten. Zurück im Zimmer stellte ich amüsiert fest, der Patient war eingeschlafen. "Schlafende soll man nicht wecken", dachte ich kurz und fing an, den Zahn zu entfernen. Schlafend und zufrieden schnarchend „überstand“ er den Eingriff.  Als ich den Patienten zum Schluss doch noch sanft weckte, fragte er überrascht: „Was, Sie sind schon fertig? Ich hab überhaupt nichts mitbekommen.“

Impressionen aus der Praxis Dr. Guse. (© Guse)
jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Dr. Guse: Das ist ein großes und weites Thema und es gibt nicht nur den einen Gesundheitstipp. Aber wenn ich ganz spontan etwas sagen soll, dann dies:

Achten Sie in erster Linie zuerst auf sich, dass Sie sich nicht vernachlässigen. Sagen Sie auch einmal "Nein", wenn Sie sich durch hohe eigene Ansprüche, viel Arbeit oder fordernde Mitmenschen seelisch oder körperlich „ausgelaugt“ fühlen, weil zu viel von Ihnen erwartet wird. Das heißt aber nicht, Sie sollen jetzt egoistisch und nur auf Ihren Vorteil bedacht sein.

Sich zu achten und zu lieben bedeutet, achtsam zu sein für sich und andere, die man liebt. Erst dann hat man auch die Kraft, die nötig ist, um für andere da zu sein. Sich zu lieben und zu achten, verlangt, sich gesund zu ernähren, sich zu bewegen, Vorsorgeuntersuchungen zu machen, das Immunsystem zu stabilisieren, alles zu tun, damit man sich selbst wohl fühlt!

Zur Person

Mein Name ist Dr. Carsten Guse, ich bin 60 Jahre alt. Das Studium der Zahnmedizin, ich war überglücklich, als ich die Zulassung dafür erhielt, habe ich 1983 in Erlangen, einer schönen Studentenstadt mit vielen Kneipen und studentischem Getümmel, gerade am Wochenende, begonnen. 1988, frisch approbiert und promoviert, habe ich die verpflichtende zweijährige Assistenzzeit absolviert. Die ist Voraussetzung dafür, eine eigene Praxis zu führen. 1991 habe ich von meinem Vorgänger eine alteingesessene Praxis in Roth übernommen. Im Sommer 2021, am 1. Juli genau, bin ich 30 Jahre „Praxis Dr. Carsten Guse – Zahnarztpraxis am Schloss Ratibor“.

Zur Praxis

Das Studium der Zahnmedizin habe ich 1983 in Erlangen, einer schönen Studentenstadt mit vielen Kneipen und studentischem Getümmel, begonnen. 

Unsere Praxis besteht seit 30 Jahren im Haus von Heini Müller, dem ehemaligen Club-Fußballer aus den 60er und 70er Jahren.

Es ist eine kleine Praxis. Wir haben zwei Behandlungszimmer und auch nur zwei Helferinnen. Zusammen mit meiner Frau und mir, sind wir hier zu viert beschäftigt. Durch die geringe Beschäftigungszahl ist es bei uns ruhig, ohne Hektik und Stress. Untereinander pflegen wir ein freundliches, fast familiäres Verhältnis, wodurch unser Praxisklima bemerkenswert harmonisch und ruhig ist. Unsere Patienten schätzen diese ungezwungen nette und beruhigende Arbeitsatmosphäre, die wir weiterhin so beibehalten werden!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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