Artikel 31/08/2015

Veneers: Wie läuft die Behandlung ab?

Dr. med. dent. Martin Desmyttere MSc, MSc Zahnarzt
Dr. med. dent. Martin Desmyttere MSc, MSc
Zahnarzt
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Hollywood-Stars waren die ersten, die schiefe Zähne mit Veneers begradigen ließen. Aber längst sind die weißen Keramikschalen auch in deutschen Zahnarztpraxen angekommen. Doch wie teuer sind Veneers? Hat der Patient bei der Behandlung Schmerzen? Und wie lange hält der Keramik im Mund? Das wollte jameda von Dr. Desmyttere wissen, der seit 30 Jahren Veneers einsetzt.

jameda: Wie viel Veneers kosten, ist schwer zu sagen. Die meisten Patienten müssen mit einigen hundert bis mehreren tausend Euro rechnen. Warum sind die Kosten unterschiedlich hoch?
Dr. Desmyttere: Veneers gibt es nicht von der Stange, man kann sie nicht im Internet bestellen wie ein Paar Socken. Denn sie müssen für jeden Zahn individuell hergestellt werden. Und jeder Zahn ist einzigartig: Manche sind dunkler, andere heller, manche sind schief oder etwas nach vorn oder hinten verlagert. Die Kosten hängen aber nicht nur von der Anzahl der Veneers und der Behandlungsmethode ab, die das jeweilige Gebiss erfordert, sondern auch von der Qualität der Behandlung. Je mehr Zeit sich der Arzt für Vorgespräche, Planung, Vorbehandlungen und Modellanpassungen nimmt, desto besser ist das Behandlungsergebnis – und desto höher sind natürlich auch die Kosten.

jameda: Woran erkennen Patienten, ob die Qualität der Behandlung stimmt?
Dr. Desmyttere: Gute Qualität erkennt man daran, dass die Veneers perfekt sitzen und keine Ränder zu sehen sind, die Behandlung individuell abgestimmt ist und das Ergebnis natürlich wirkt.

jameda: Sind Veneers immer die richtige Lösung, wenn Patienten mit ihrer Zahnform oder -farbe nicht zufrieden sind?
Dr. Desmyttere: Wenn die Zähne gerade sind und nur die Farbe zu wünschen übrig lässt, ist das Bleaching oft eine Alternative. Sind die Zähne dagegen sehr schief, ist evtl. zuerst eine kieferorthopädische Behandlung notwendig. Manchmal muss auch erst eine Wurzelkanal- oder Zahnfleischbehandlung vorgenommen werden, denn gesunde Zähne und harmonisches Zahnfleisch sind Voraussetzungen für den Einsatz von Veneers. In jedem Fall sollte die Behandlung individuell auf die Mundsituation des Patienten abgestimmt sein, um gute Ergebnisse zu erzielen.

jameda: Nun zum Ablauf der Behandlung: Was kommt auf die Patienten zu?
Dr. Desmyttere: Zuerst findet ein Gespräch statt: Der Zahnarzt muss herausfinden, was genau den Patienten stört und welche Veränderung er sich wünscht. Dann erklärt er, welche Maßnahmen möglich sind und lässt ein Gipsmodell (Wax-up) und eine Kunststoffschiene (Mock-up) anfertigen. Jetzt sieht der Patient genau, wie sein Gebiss mit Veneers aussehen wird und kann weitere Änderungswünsche äußern. Nachdem ein Abdruck gemacht wurde, erhält der Patient schließlich ein Provisorium, das punktuell an den Zähnen befestigt wird. Nun kann er seine neuen Zähne einige Tage testen. Während er das Provisorium trägt, sollte er nichts Hartes essen. Anders beim Langzeitprovisorium, das für Patienten angefertigt wird, bei denen weitere Eingriffe wie Zahnfleisch- oder Wurzelbehandlungen anstehen.

jameda: Um klassische Veneers anzubringen, muss der Zahnschmelz etwas abgetragen werden. Schadet das den Zähnen?
Dr. Desmyttere: Veneers haben sich seit Jahrzehnten bewährt und schaden den Zähnen genauso wenig wie gute Keramikinlays oder -kronen. Wenn sie gut gemacht sind, haben die Patienten nur Vorteile. Risiken bestehen nur, wenn es an der Qualität mangelt.

jameda: Ist die Behandlung schmerzhaft? 
Dr. Desmyttere: Wie bei jedem anderen zahnärztlichen Eingriff erhält der Patient eine lokale Betäubung, deshalb ist der Einsatz von Veneers nicht schmerzhaft. Am Zahnfleisch können nach dem Eingriff leichte Wundschmerzen auftreten, die aber nach einigen Stunden abklingen.

jameda: Wie lange dauert es, bis der Patient schließlich mit fertigen Verblendschalen nach Hause gehen kann? 
Dr. Desmyttere: Sind weitere Eingriffe wie Zahnfleisch- oder Wurzelbehandlungen notwendig, kann sich die Prozedur über einige Wochen hinziehen. Bei kieferorthopädischen Maßnahmen kann es auch länger dauern. Wenn die Zähne gesund sind und es keine Komplikationen gibt, erhält der Patient zehn bis 14 Tage nach dem ersten Beratungsgespräch seine individuell angefertigten Veneers.

jameda: Verändern Veneers nicht nur das Lächeln, sondern das ganze Gesicht?
Dr. Desmyttere: Einmal kam ein 31-jähriger Patient zu mir, der über schiefe Zähne klagte. Nachdem er zehn Veneers bekommen hatte, stürmte seine Freundin in die Praxis und beschwerte sich, dass ihr Freund nicht mehr derselbe sei. Sie mochte das „Unperfekte“ an ihm. Er war aber sehr zufrieden und trägt die Veneers jetzt seit zehn Jahren. Um zu vermeiden, dass dem Patienten seine neuen Zähne nicht gefallen, erhält er Modelle, die er ausgiebig testen kann. Veränderungen werden solange vorgenommen, bis ihm die Veneers zusagen. Sicher verändern die neuen Zähne das Lächeln eines Patienten, aber das Gesicht bleibt weitestgehend dasselbe.

jameda: Bei Non-Prep-Veneers müssen die Zähne nicht beschliffen werden. Der Zahnarzt klebt sie direkt auf die Zähne. Betäubung und Provisorium entfallen. Was sind die Nachteile von Non-Prep-Veneers?
Dr. Desmyttere: Non-Prep-Veneers sind zwar eine Alternative, aber leider oft nicht schön und stabil genug. Da sie vergleichsweise dick sind, sehen Patienten damit aus, als hätten sie ein Pferdegebiss im Mund. Ich nutze Non-Prep-Veneers gelegentlich in Kombination mit herkömmlichen Veneers, beispielsweise an Zähnen, die nach hinten verlagert sind und durch Non-Prep-Veneers gut korrigiert werden können.

jameda: Wie lange halten Veneers? Was können Patienten tun, um die Lebensdauer ihrer Verblendschalen zu erhöhen?
Dr. Desmyttere: Gute Veneers halten ewig. Damit können Patienten alle essen, auch rohe Karotten oder andere harte Lebensmittel. Studien haben gezeigt, dass der Klebstoff, mit dem die Veneers befestigt werden, dieselbe Reißfestigkeit wie Schmelz und Dentin hat. Dennoch sollten besonders Patienten mit Zahnersatz auf eine gute Mundhygiene achten, um zu verhindern, dass Bakterien in die minimalen Spalten und Fugen eindringen, die selbst beim präzisen Einsatz der Veneers zurückbleiben. Seine Zähne regelmäßig zu putzen, zur Kontrolle zu gehen und eine professionelle Zahnreinigung vornehmen zu lassen, ist deshalb besonders wichtig. Außerdem sollten Patienten jeden Tag Zahnseide verwenden. Ohne Zahnseide gibt es keine Mundhygiene!

jameda: Vielen Dank für das Gespräch!

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