Warum bilden sich Weisheitszähne? Welche Indikationen sprechen für eine OP?

Dr. Mannl

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© gangliu10 - iStockWenn Wiesheitszähne durchbrechen sind Schmerzen keine Seltenheit - jetzt sollten die Zähne entfernt werden (© gangliu10 - iStock)Weisheitszähne sind die Zähne, die ab dem 16. Lebensjahr und damit als letzte durchbrechen. Entsprechend ihrer Lokalisation werden sie alternativ auch als „Achter“ bezeichnet.

Wieso bilden sich Weisheitszähne?

Da sich Essgewohnheiten und Nahrung innerhalb der letzten Jahrtausende bis hinein ins 21. Jahrhundert verändert haben, passt sich die für die Nahrungsaufnahme benötigte Anatomie unseres Kauapparates entsprechend an.

Die Tendenz geht hin zum vollständigen Abbau aller Weisheitszahnanlagen, da unsere Essgewohnheiten nicht mehr als sieben Zähne pro Quadranten erfordern. Diese Entwicklung ist daran zu beobachten, dass bei vielen Menschen kein Vierer-Set an Weisheitszähne mehr angelegt ist, manche haben überhaupt keine Weisheitszähne mehr.

Noch bis ins späte 20. Jahrhundert wurden aufgrund der Theorie, durchbrechende Weisheitszähne seien unter anderem für Zahnverschachtelungen in der Front verantwortlich, routinemäßig sämtliche Achter gezogen. Heutzutage ist diese Theorie überholt und man agiert zurückhaltender.

Wann sollten Weisheitszähne entfernt werden?

Nur wenn der Durchbruch starke Beschwerden bereitet oder wenn sich die Weisheitszähne entzünden und zur Perikoronitis führen, einer massiven Entzündung der Zahnfleischtasche, sollten sie entfernt werden.

Auch bei fortgeschrittenem Kariesbefall tendiert man dazu, die Weisheitszähne zu entfernen, anstatt sie großflächig zu restaurieren oder gar eine Wurzelkanalbehandlung durchzuführen.

Folgende Indikationen werden von zahnärztlich-wissenschaftlichen Fachgesellschaften angegeben[1]:

  • akute oder chronische Infektionen (Dentitio difficilis)
  • kariöse Zerstörung mit Beteiligung des Zahnnervs
  • Weisheitszahn als relevante Schmerzursache
  • pathologische Strukturen im Zusammenhang mit Zahnfollikeln
  • Resorption an benachbarten Zähnen
  • Zähne, die bei kieferorthopädischer oder rekonstruktiver Chirurgie stören
  • Zähne im Bruchspalt, die die Frakturbehandlung erschweren

Obwohl Zahnentfernungen in den meisten Fällen unkomplizierte Routineeingriffe sind, stellt jeder operative Eingriff ein - wenn auch meist geringes - Risiko für sensible anatomische Strukturen dar. Dabei handelt es sich im Oberkiefer um die Nasennebenhöhlen und im Unterkiefer insbesondere um den Zungen- und Unterkiefernerv. Bei umfangreichen Eingriffen und gleichzeitig geringer Knochensubstanz besteht darüber hinaus das Risiko, dass der Knochen bricht.

Der günstigste und naheliegendste Zeitpunkt, die Weisheitszähne zu entfernen, ist das Jugendalter, da das Wurzelwachstum hier noch nicht komplett abgeschlossen ist und der oft unvollständige Durchbruch Probleme mit sich bringt.

Können Weisheitszähne einen Vorteil mit sich bringen?

In manchen Fällen wiederum können Weisheitszähne aus kieferorthopädischer Sicht willkommene Reservisten darstellen. Wird die Entfernung des ersten oder zweiten großen Backenzahnes aufgrund einer massiven Karies, anderer Hartsubstanzdefekte oder Traumata in Erwägung gezogen, kann die entstehende Zahnlücke dadurch geschlossen werden, dass der verbleibende Zahn mithilfe einer festen Zahnspange nach vorne bewegt werden.

Quellen:

N. Schwenzer, M Ehrenfeld: Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde - Zahnärztliche Chirurgie. 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, 2009 Stuttgart

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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