Wurzelspitzenresektion: Wann wird sie notwendig und wie verläuft die OP

Dr. Ludwig

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© gangliu10 - iStockWann ist es sinnvoll, eine Wurzelspitzenresektion durchzuführen? (© gangliu10 - iStock)Eine der häufigsten Ursachen für Zahnschmerzen sind Entzündungen im Zahninnern. Ihr geht meist eine Karies voraus, die sich ausbreitet und entzündlichen Bakterien den Weg ins Weichgewebe – die Pulpa – des Zahnes öffnet. Es befindet sich in der Mitte des Zahns und verläuft weiter nach unten in die Zahnwurzeln.

Hier liegen feinste Blutgefäße und Nerven, die den Zahn und sein Gewebe mit dem restlichen Stoffwechsel verbinden. Schwillt dieses Gewebe entzündungsbedingt an, kann es sich im Zahn kaum ausbreiten und drückt deswegen sehr schmerzhaft auf die Zahnnerven.

Diese Entzündung muss in jedem Fall behandelt werden, da die bakterielle Infektion ansonsten auf den Kiefer und den ganzen Organismus überzugreifen droht. Sitzt sie bereits tief im Zahngewebe oder Zahnmark, ist die Wurzelbehandlung oder Wurzelkanalbehandlung die letzte Möglichkeit, um den Zahn noch zu erhalten. In einigen Fällen ist das nur noch mit einer Wurzelspitzenresektion möglich.


Was ist eine Wurzelspitzenresektion?

Hat die Infektion von der Zahnwurzel aus bereits das umliegende Gewebe erfasst, wird sie bei einem kleineren chirurgischen Eingriff zusammen mit dem infizierten Umgebungsgewebe entfernt.  Zahnärzte führen die Wurzelspitzenresektion im Gegensatz zur Wurzelkanalbehandlung nicht von oben über den Zahn durch, sondern öffnen dafür Zahnfleisch und Kiefer unter örtlicher Betäubung bis zur Zahnwurzel.

Dieser Eingriff wird auch erforderlich, wenn trotz der sehr guten Erfolgsrate einer Wurzelbehandlung immer wieder Entzündungen aufflammen. Etwa beim Verdacht auf eine Zyste oder bei einem komplizierten Verlauf der Wurzelkanäle. Damit erweitert die Wurzelspitzenresektion die Möglichkeiten zum Zahnerhalt heute deutlich – noch vor einigen Jahren wurden betroffene Zähne immer gezogen und machten danach Zahnersatz erforderlich. Gerade bei Front- oder Seitenzähnen bedeutet die Wurzelspitzenresektion deswegen einen klaren Fortschritt für die Patienten.


Wie läuft die Behandlung ab?

Die Wurzelspitzenresektion ist eine etwas umfangreichere Therapie als die Wurzelkanalbehandlung. Als erstes durchtrennen Behandler dabei Zahnfleisch und Knochenhaut, bevor sie ein kleines Stück Kieferknochen abtragen, um an die entzündete Zahnwurzel zu gelangen. Anschließend kürzen sie die Wurzel um wenige Millimeter und entfernen damit die feinen unteren Verästelungen der Zahnwurzeln.

Es folgt der wichtigste Behandlungsschritt: die Desinfizierung des offenen Wurzelkanals. Sorgfältig verschließt der Behandler ihn mit einer Füllung, bevor er das Zahnfleisch wieder vernäht. Gewebe und Knochen verheilen dann in der nächsten Zeit von selbst. Der ganze chirurgische Eingriff ist nach rund einer halben Stunde abgeschlossen.


Gibt es Risiken bei einer Wurzelspitzenresektion?

Eine Wurzelspitzenresektion senkt die Wahrscheinlichkeit weiterer Entzündungen an betroffenen Zähnen erheblich und bietet damit eine sehr gute Perspektive zum Zahnerhalt. Trotz der guten Aussichten ist Geduld geboten: Der Patient hat möglicherweise einige Tage lang Schmerzen an der operierten Stelle. Das gehört zu den üblichen Risiken eines operativen Eingriffs. Genauso wie Schwellungen oder die Möglichkeit einer Wundinfektion.

Daneben verbleiben ein paar zahnmedizinische Risiken. Bei sehr eng stehenden Zähnen kann der Eingriff Nachbarzähne beschädigen. Mitunter sind auch die Zahnnerven betroffen und erzeugen ein lokales Taubheitsgefühl. Eine hundertprozentige Erfolgsgarantie dafür, dass Entzündungen nach der Wurzelspitzenresektion dauerhaft ausbleiben, gibt es nicht. In sehr wenigen Fällen muss der Zahn dann doch noch gezogen und ersetzt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


18.03.2019 - 22:59 Uhr

Vielen Dank Herr Dr. Ludwig für ihre Antwort! Der...

von Elke

... Zahn ist wurzelbehandelt und hat eine Füllung, keine Krone. Er hatte vor Jahren (schon nach WZB) am Gaumen eine Fistel, welche aber nach AB nicht wieder auftrat. In Abständen tritt dort ein leichter bis (selten) mittlerer Schmerz und etwas Rötung seitlich der Nase auf. Auf dem Röntgen ist ein Schatten um die Wurzel. Mein Hauszahnarzt rät wegen Lage und der wahrscheinl. Eröffnung der Kieferhöhle von einer Resektion ab, er will ihn schon lange ziehen. Er mag allgemein keine "toten" Zähne, drängt mich aber zu nichts... Ich wäre eher für den Versuch einer Revision und Desinfektion mit eventl. Jodoformpaste, aber sowohl mein ZA als auch eine Endontologin beurteilen die jetzige Wurzelfüllung als sehr gut gemacht. Die Endontologin wäre jedoch für eine Resektion der Wurzel. Sie meint, beim Ziehen würde die Kieferhöhle ja auch eröffnet. Jetzt weiß ich nicht... ich habe sowieso schon ein Problem mit dem Trigeminus, wegen einer früheren Zahnbehandlung... Ich kann leider nicht zu Ihnen persönlich kommen, denn ich wohne zu weit weg. Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ludwig

Antwort vom Autor am 08.04.2019
Dr. med. dent. Volker Ludwig

Sehr geehrte Patientin, es ist sehr schwer Ihren Fall zu beurteilen, ohne Sie persönlich zu sehen! Die DGET bietet auf ihrer Internetseite eine Behandlersuche an. Da können Sie sehen, wer der nächste Spezialist in Ihrer Nähe ist. Wir hoffen Ihnen damit weitergeholfen zu haben! Vielen Dank Ihnen und Alles Gute. Zahnarztpraxis Dr. Ludwig und Kollegen

05.03.2019 - 13:39 Uhr

Habe dazu Fragen ... Ist solche Behandlung an...

von Elke

... Zähnen des Oberkiefers (26) gefährlicher, komplizierter, weniger erfolgreich? Wird von innen (Gaumen) operiert? Danke für eventuelle Antwort.

Dr. Ludwig

Antwort vom Autor am 13.03.2019
Dr. med. dent. Volker Ludwig

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient, - Wurzelspitzenresektionen (WSR) machen dann Sinn, wenn ein wurzelkanalbehandelter Zahn ein Problem an der Wurzelspitze hat, das nicht oder wahrscheinlich nicht gut über den Kanal korrigiert werden kann. Das wäre zum Beispiel bei einer echten Zyste, einer überstopften Wurzelfüllung oder bei Bakterien an der Wurzelaußenfläche der Fall. Grob gesagt wird bei der WSR ein Knochenfenster geschaffen, über das die Wurzelspitze entfernt werden kann. Der Wurzelkanal muss danach über dieses Fenster wieder von unten verschlossen werden, um eine dichte Füllung zu ermöglichen. Je weiter hinten sich der Zahn im Mund befindet, desto schwieriger erreicht man seine Wurzeln. Der Erfolg hängt dabei maßgeblich von den Fähigkeiten des Operateurs ab. Bei einem Zahn 26 kann es sein, dass sich die Kieferhöhle zwischen den Wurzeln befindet. Wenn alle Wurzeln des Zahnes reseziert werden sollen, muss eventuell auch an der Gaumenseite eröffnet werden. In den meisten Fällen liegt das Problem allerdings bei einer undichten Füllung oder einer schlechten Reinigung des Kanalsystems. In diesen Fällen kann man die WSR durch eine Revision der Wurzelfüllung vermeiden, bzw. muss man sie eigentlich vermeiden, da das Problem nicht die Wurzelspitze an sich ist. Bei Bedarf können Sie gerne bei uns einen persönlichen Termin vereinbaren, unter 0911 791920 um Ihnen genauere Informationen zu geben. Mit freundlichen Grüßen Zahnarztpraxis Dr. Ludwig und Kollegen


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