Artikel 14/08/2015

Das jameda-Interview: 10 Fragen an Dr. med. Roman Fenkl

Dr. med. Roman Fenkl Plastischer & Ästhetischer Chirurg, Sportmediziner
Dr. med. Roman Fenkl
Plastischer & Ästhetischer Chirurg, Sportmediziner
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Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Dr. med. Roman Fenkl interessante Fragen zu Vorurteilen, denen er begegnet und seinen Wünschen an das Gesundheitssystem.

jameda: Herr Dr. Fenkl, was hat sie motiviert, Plastischer & Ästhetischer Chirurg zu werden?
Herr Dr. Fenkl: Mein Interesse für die Medizin begann etwa mit dem 10. Lebensjahr. Mit 13 las ich die Biografie eines US-Nasenchirurgen, die mich nachhaltig beeindruckte und meinen Entschluss für diesen Beruf allmählich reifen ließ. Als Teenager habe ich mich dann sehr für Ästhetik interessiert. Über die Fotografie fand ich den Einstieg: Ich bat junge Frauen aus meinem Bekanntenkreis, mir Modell zu stehen und habe entsprechende Foto-Termine mit ihnen organisiert. Kleinere Foto-Ausstellungen folgten. Leider konnte ich nicht, wie heute möglich, direkt nach dem Studium meine plastisch-chirurgische Weiterbildung beginnen. Die damalige, veraltete Weiterbildungsordnung zwang mich, den Weg über den Facharzt für Chirurgie zu gehen.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Herr Dr. Fenkl: Mein Job ist im Alltag sehr anstrengend und fordernd, weil ich mich auf jeden Patienten und seine Wünsche und Erwartungen intensiv und individuell einstellen muss. Das möchte ich auch. Dies gibt mir die Chance, Behandlungszielen möglichst nahe zu kommen, die meine Patienten anstreben. Darin sehe ich meine Herausforderung. Die meiste Freude bereiten mir die Ergebnisse, vor allem aber die strahlenden Augen, die ich bei meinen Patienten nach der Behandlung sehr oft sehe. Das gibt mir alle Kraft für den nicht immer leichten Alltag meines Berufes.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Herr Dr. Fenkl: Jeder Patient hat schon mal im Fernsehen die vielen „ästhetischen Kunstprodukte“ mit Riesenbrüsten und schlauchbootartig aufgespritzten Lippen gesehen. Oder einen Arzt, der bei der Fettabsaugung wie ein Wilder im Körper seiner Patientin „herumbohrt“. Das schafft Behandlungs-Ängste, entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Die Realität meines Berufes ist, dass meine Patienten die Praxis verlassen, ohne dass die Umwelt die Behandlungsergebnisse bewusst wahrnimmt. Ziel ist, dass meine Patienten nach Behandlung „irgendwie gut“ oder „erholt“ aussehen, auf keinen Fall künstlich.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?
Herr Dr. Fenkl: Der größte Fehler ist es, ein „sofortiges, optimales Ergebnis“ zu erwarten. Der Körper eines Menschen ist keine Autokarosserie, bei der man alte Kotflügel ab- und neue anschraubt und das Ergebnis sofort feststeht. Ein behandelter Körper muss sich entwickeln, das braucht Zeit. Es ist grundfalsch, an eine scheinbar „misslungene“ OP gleich wieder eine neue anzuschließen (außer in dringenden Notfällen). Das heilende Gewebe ist aggressiv und wird die übereilte Korrektur schief gehen lassen. Mein Rat: Immer mindestens 1 Jahr nach OP warten, dann neu zu beurteilen und gezielt zu handeln, wenn noch erforderlich.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Fenkl: Das passiert leider oft. Ohne aktive Mitarbeit der Patienten ist ein optimales OP-Ergebnis nicht erreichbar. Patienten unterschätzen oft die Erfahrung eines Plastischen Chirurgen und glauben, dass er deren Fehlverhalten nicht bemerkt. Ich versuche dann zu erklären, dass sie selbst für ihr Ergebnis verantwortlich sind. Arzt und Patient sind in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie Partner auf Augenhöhe, mit dem gleichem Ziel. Wenn einer ausschert, ist das Beste nicht mehr erreichbar. Ich dokumentiere meine Beobachtungen sehr genau und lasse mir in solchen Fällen weniger optimale Behandlungsergebnisse dann auch nicht vorwerfen.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Fenkl: Eine Vergütung einführen für die Erhebung einer gründlichen ärztlichen Anamnese und ärztliche Beratung. All das leisten Ärzte heute „umsonst“, es sind aber Grundvoraussetzungen für eine optimale Behandlung, die eben aus Kostengründen vernachlässigt werden, immer zu Lasten des Patienten. Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) stammt noch aus dem Jahr 1982 und kann medizinischen Fortschritt und moderne OP-Techniken ebenso wie die Preisentwicklung auf dem Gesundheitsmarkt überhaupt nicht mehr wiedergeben. Das schafft täglich riesige Schwierigkeiten, die viel unnötige Kraft und Energie kosten.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Fenkl: Den Patienten zuzuhören. Ihre Geschichte (Anamnese) zu kennen. Ihre Wünsche zu verstehen. Gerade in der Ästhetischen Chirurgie versuchen Ärzte oft, ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Tatsächlich sollten sie ihr Können aber an die Wünsche und Erwartungen ihrer Patienten anpassen, sofern dies Sinn macht und nicht übertrieben ist. Beispiel: Brustvergrößerung, bei der Ärzte immer wieder viel zu große Implantate einsetzen, die ihre Patientinnen gar nicht wünschen.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?
Herr Dr. Fenkl: Ja, die gibt es reichlich. Ich mache nicht alle Modetrends mit, Zukunft muss sinnvoll sein. Gerade die Gesichtsmodellierungen mit modernen Hyaluronsäuren schaffen es, quasi an einem Nachmittag ein Gesicht um Jahre jünger erscheinen zu lassen - fast komplett schmerzfrei und meist ohne jegliche Ausfallzeiten. Das ist wirkliche medizinische Zukunft. Auch die Modellierung von überproportionierten Kniegelenken und Waden bei Frauen bietet hervorragende Möglichkeiten, Beine wieder ästhetisch schlank werden zu lassen. Oder die Brustvergrößerung, ohne dass Implantate als fremd wahrgenommen werden können und die Brustvergrößerung oder Wiederaufbau nach Krebs mit Eigenfett.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Herr Dr. Fenkl: Ja, viele. Am tiefsten bewegt hat mich eine 55-jährige Frau, Mutter einer ehemaligen Patientin, die mit einem wie aus heiterem Himmel aufgetretenen, riesigen Krebs innerhalb der Nase zu mir kam. Der Chefarzt einer HNO-Klinik hatte ihr angekündigt, dass er ihr die komplette Nase abnehmen muss. Das war kurz vor meinem Sommerurlaub. Ich dachte den gesamten Sommerurlaub täglich nach, wie ich dieser Frau helfen könnte und fand am Ende einen trickreichen, unkonventionellen Weg, die Nase zu retten. Ich operierte die arme Patientin, schaffte es in einem 6-stündigen Eingriff, den Krebs sicher und vollständig zu entfernen und die Betroffene behielt ihre komplette Nase, mit leichteren, gut tolerierbaren äußeren Veränderungen.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Herr Dr. Fenkl: Viele meiner ästhetischen Patientinnen kommen nach ihrer Menopause, weil sie „innerhalb eines Jahres um 10 Jahre gealtert“ sind. Aus unbegründeten und wissenschaftlich widerlegten Ängsten verzichten sie auf eine postmenopausale Hormonersatztherapie (HET). Die braucht man auch nicht, wenn man, wie vor ca. 200 Jahren üblich, nicht älter als ca. 70 Jahre alt werden möchte. Will man jedoch auch im Alter Lebensqualität behalten, dann sollte man sich für Hormone entscheiden. Brustkrebs bekommt man davon nicht, sollte aber in regelmäßiger, frauenärztlicher Kontrolle bleiben, denn wenn ein Krebs auftritt, könnte er durch die Hormone zwar nicht ausgelöst, aber im Wachstum gefördert werden. Alter ohne Lebensqualität macht keinen Spaß. Darum bitte die HET nicht auslassen!

Zur Person

Könnte ich mich noch einmal für einen Beruf entscheiden, würde ich heute wieder denselben wählen. Ich „lebe“ die Plastische und Ästhetische Chirurgie, nicht immer zur Freude meiner Familie. Mir ist absolute Perfektion bei meiner Arbeit sehr wichtig. Ich will zufrieden sein mit allem, was ich tue. Dann erst fühle ich mich gut und wohl.

Zur Praxis

Wir sind ein Team. Zuverlässigkeit, optimale Hygiene und entgegenkommende, individuelle Betreuung unserer Patienten sind die Grundpfeiler unserer Praxis. Wir lehnen Massenmedizin ab. Wir sehen den Menschen in unseren Patienten. Persönliche, optimale Betreuung ist für uns die tägliche Herausforderung.

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