
jameda:
Lieber Herr Prof. Mühlbauer, hier einige konkrete Fragen, die von den jameda Usern an uns herangetragen wurden.
Wir freuen uns über Ihre Antworten.
Ab welchem Alter ist man eigentlich „reif“ für eine
Brust-OP?
Prof. Mühlbauer:
Normalerweise sollte der weibliche Körper und die Brust ausgereift sein. In Mittel- und Nordeuropa ist dies meist ab 18 Jahren der Fall. Südeuropäer und Afrikaner reifen schneller. Im Zweifel kann man die Wachstumszonen am Handgelenk röntgen.
In seltenen Fällen habe ich schon Mädchen im Alter von 8 oder 11 Jahren operieren müssen, weil die Brust plötzlich, sozusagen explosionsartig, zu gigantischer Größe gewachsen war bei sonst noch kindlichem Körperbau. Ursachen waren Hormonstörungen der Hirnanhangsdrüse oder Überempfindlichkeit des knospenden Brustdrüsengewebes auf Sexualhormone in der Vorpubertät. Dies waren medizinisch notwendige Heilbehandlungen. Die kleinen Patientinnen wurden vom Kinderarzt zur Operation überwiesen.
jameda:
Ist es sinnvoll eine Brust-OP vor einer Schwangerschaft vorzunehmen?
Prof. Mühlbauer:
Wenn eine Schwangerschaft in absehbarer Zeit geplant ist, sollte man die Brustoperation aufschieben, da das Ergebnis durch Schwangerschaft und Stillperiode leiden kann. Bei unklarem Kinderwunsch muß man individuell entscheiden.
jameda:
Kann man mit Brustimplantaten überhaupt „stillen“?
Prof. Mühlbauer:
Brustimplantate werden hinter den Brustdrüsenkörper oder sogar unter den großen Brustmuskel eingesetzt, da beeinträchtigen sie das Stillen nicht.
jameda:
Wie lange dauert es, bis man nach einer Nasen-OP wieder ganz normal an die Arbeit gehen kann?
Prof. Mühlbauer:
Am auffälligsten nach einer äußeren Nasenkorrektur sind die „blauen Feilchen“, wenn man am Knochen arbeiten mußte. Es dauert 8 – 10 Tage bis sie sich zurückgebildet haben. Sicherheitshalber empfehle ich immer eine Arbeitspause von 2 Wochen. Die äußere Schiene nehme ich in der Regel nach 7 – 10 Tagen ab. Die Nase ist dann noch leicht geschwollen für einige Zeit, aber das ist nur für gute Bekannte erkennbar. Erstaunlicherweise hat man schon am Tag nach der Op. keine Schmerzen mehr. Viele meiner Patienten arbeiten schon nach einigen Tagen zu Hause, am Computer oder im Büro ohne „Parteiverkehr“.
jameda:
Was ist der Unterschied zwischen plastischer und ästhetischer Chirurgie?
Prof. Mühlbauer:
Die Plastische Chirurgie wird heute nach einem 4-Säulen-Modell gelehrt, erlernt und praktiziert:
Die Ästhetische Chirurgie, die Rekonstruktive Chirurgie, die Verbrennungschirurgie und die Handchirurgie. Die Übergänge zwischen diesen Aufgabenbereichen sind fließend. Auch ein Brandverletzter oder ein Unfallgeschädigter möchte nach den lebensrettenden Wiederherstellungsmaßnahmen am Ende wieder möglichst normal aussehen. Dazu gehört eine Menge ästhetisch-chirurgisches Planen und Umsetzten. Ohne gründliche Ausbildung in den rekonstruktiven Bereichen der Plastischen Chirurgie wird man kein guter Ästhetischer Chirurg. Nur wer auch jenseits der Hautoberfläche mit den tieferen Gewebeschichten der Weichteile, der Muskeln, Sehnen und Knochen vertraut ist, wird die rein ästhetischen Eingriffe sicherer ausführen und eventuelle Komplikationen selbst meistern.
jameda:
Wie viele Stunden dauert ein plastisch-ästhetischer Eingriff im Durchschnitt und wie viele Tage müssen die Patienten anschließend in der Klink bleiben?
Prof. Mühlbauer:
Ästhetisch-Plastische Eingriffe können von 45 Minuten bei einer Oberlidkorrektur über 3 Stunden für ein Facelift bis zu 6 Stunden bei einer komplexen Körperkontourplastik in Anspruch nehmen. Gelegentlich werden mehrere Eingriffe kombiniert und in einer operativen Sitzung ausgeführt. Die Zeitdauer hängt natürlich von der jeweiligen Ausgangslage beim Patienten und der Veranlagung des Operateurs ab.
jameda:
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Kosten für einen ästhetischen Eingriff von der Krankenkasse übernommen werden?
Prof. Mühlbauer:
Gesetzliche und private Krankenversicherer werden immer restriktiver bei der Kostenübernahme für ästhetische Eingriffe. Psychologische Atteste nützen nichts. Laut Vertrag sind sie nur für medizinisch notwendige Heilbehandlungen zuständig. In Ausnahmefällen können die Kosten übernommen werden, wenn es der zuständige medizinische Dienst (= angestellte Ärzte der Versicherungen) befürwortet.
jameda:
„Verweigern“ Sie auch Eingriffe, wenn z. B. eine ästhetische Korrektur gewünscht ist, Sie dies aber
nicht für verantwortbar halten?
Prof. Mühlbauer:
Selbstverständlich operiere ich nicht jede/n der durch die Praxistür hereinkommt.. Für die Ablehnung einer Behandlung habe ich verschieden Gründe: Erhebliche körperliche oder geistige Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Hormonstörungen, Zuckerkrankheit, chronische Infektionen, Psychosen oder akute Depression wegen Beziehungsproblemen und ähnliches. Voraussichtlich erhöhtes Komplikationsrisiko. Unreife oder uneinsichtige Persönlichkeiten mit unrealistischen Vorstellungen über das zu erwartende Ergebnis. Operationssüchtige, die von einem Operateur zum anderen laufen. Personen, die um das Operationshonorar feilschen wie auf einem orientalischen Basar. Forderndes Auftreten mit der Attitüde eine Operation bei einem „Serviceleister“ kaufen zu können, kann ich mit meinem Selbstverständnis als Arzt nicht vereinbaren.
jameda:
Wie gefährlich ist Botox wirklich? Schließlich ist es ja ein Nervengift. Gibt es Schadensfälle, von denen Sie wissen und wie sehen die konkreten Schädigungen aus?
Prof. Mühlbauer:
Botulinum Toxin (Botox ist nur eines von vielen Firmenpräparaten) ist hoch giftig, aber für die Anwendung in der Ästhetischen Medizin so verdünnt, daß man bei Einhaltung der empfohlenen Dosen kaum allgemeine Nebenwirkungen kennt. Unerfreuliche örtliche Komplikationen sind jedoch nicht so selten wie z.B. ein „Hängelid“ nach Einspritzung in die Stirn wegen „Zornesfalten“, ein „Triefauge“ nach Einspritzung wegen „Krähenfußfalten“ , ein „schiefer“ Mund beim Sprechen oder Lachen, wenn Mundfalten mit Botulinum Toxin beseitigt werden sollten . Ein Gegengift gibt es leider nicht ,so daß der oder die Betroffene warten muß, bis die Wirkung abklingt (zwischen einigen Wochen und 4 bis 6 Monaten).
jameda:
Thema Fettabsaugen: Ist das mittlerweile eine völlig risikolose OP-Technik bzw. mit welchen Faktoren ist unter Umständen zu rechnen?
Prof. Mühlbauer:
Die Fettabsaugung wird vom Laien generell unterschätzt wegen der kleinen Schnitte und Narben und wohl auch wegen der Verharmlosung in den Medien. Unter der Hautoberfläche muß jedoch viel operiert werden, um die unerwünschten Unterhautfettansammlungen zu zerstören, aufzulösen und abzusaugen. Dabei können bei dem „blinden“ Vorgehen auch Nerven, Blut- und Lymphgefässe geschädigt werden. Durch Infektion der großen unterirdischen Wundfläche mit gefährlichen Bakterien kann es zu schwerer „Blutvergiftung“ mit Kreislaufschock und zum Absterben großflächiger Hautareale kommen. Ab einer abgesaugten Menge von 3 Litern steigt der Blutverlust und das Risiko für eine Thrombose und sogar Lungenembolie. Auch Fettembolien kommen vor, sind schwer zu diagnostizieren, aber ebenso gefährlich. Bei Fettabsaugungen am Bauch kann bei unerkanntem Nabelbruch die Bauchwand versehentlich durchstoßen werden mit Verletzungen des Darms, der Leber oder Milz. In Deutschland kam es in den letzten 10 Jahren nachweislich zu über 100 Todesfällen als Folge einer ausgedehnten Fettabsaugung, zumeist durchgeführt von sogenannten „Schönheitschirurgen“.
Auch die Fettabsaugung ist ein richtiger chirurgischer Eingriff, der lege artis durchgeführt werden muß, verbunden mit Risiken, die sorgfältig abgewogen sein wollen.
jameda:
Herr Prof. Mühlbauer, jameda dankt Ihnen herzlich für dieses informative und offene Gespräch!


