Wie wird grauer Star behandelt?

Prof. Dr. Kernt

von
verfasst am

© bilderstoeckchen - fotoliaGrauen Star behandeln - Das sollten Sie wissen (© bilderstoeckchen - fotolia)Mit steigendem Lebensalter wächst auch das Risiko von Eintrübungen der Augenlinsen - Linsenveränderungen, die in der Medizin auch als grauer Star oder Katarakt bezeichnet werden.

Symptome und Ursachen des grauen Stars

Die Hauptsymptomatik des grauen Stars wird durch die, aus dem Griechischen stammende, alternative Krankheitsbezeichnung „Katarakt" (im Deutschen bedeutet dies etwa „Wasserfall“ oder „herabstürzen“) sehr anschaulich beschrieben: Die Augenlinsen der Betroffenen sind getrübt und wirken sowohl auf den Betrachter, aber auch für den Betroffenen oft wie hinter einem weißlich-grauen Schleier. Die Sehschärfe von Katarakt-Patienten lässt im Regelfall schrittweise nach. Auch Farben und Konturen stellen sich Betroffenen meistens weniger deutlich dar. Viele Patienten leiden zudem unter einer gesteigerten Blendempfindlichkeit. In der Regel verläuft der graue Star schmerzfrei. Schwere Krankheitsverläufe können unter Umständen auch bis zur Erblindung führen.

Den wichtigsten Risikofaktor für das Auftreten einer Katarakt stellt eindeutig das fortgeschrittene Lebensalter dar. Wenn sie nur alt genug werden, ist früher oder später die große Mehrzahl älterer Menschen vom grauen Star betroffen. Seltener können auch jüngere Menschen erkranken - mögliche Ursachen sind hier beispielsweise Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, längerfristige Arzneimittelgaben von z.B. Kortison, Augenverletzungen oder Strahleneinwirkungen.

Die Behandlung des grauen Stars

Trotz aller wissenschaftlicher Anstrengungen gibt es bis heute keinerlei konservative medikamentöse Therapie, mit der sich grauer Star wirksam behandeln ließe. Die derzeit einzige effektive Kataraktbehandlung besteht in der operativen Entfernung der eingetrübten natürlichen Linse und deren Ersatz durch eine Kunstlinse. Es handelt sich hierbei um eine kleine, in der Regel sehr unkomplizierte Operation, die in den meisten Fällen zu einer sehr deutlichen Verbesserung der Sehschärfe führt. In welchem Stadium der Erkrankung sich die Operation empfiehlt, ist primär von der subjektiven Beeinträchtigung des Betroffenen abhängig, muss sicherlich aber immer auch im Dialog zwischen Augenarzt und Patient entschieden werden.

Die Operation des grauen Stars zählt zu den weltweit am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen und wurde in den letzten Jahren immer weiter fortentwickelt und verbessert. Dank minimal-invasiver OP-Techniken und schonenderem Vorgehen wird der operative Linsenaustausch im Regelfall ambulant und unter lokaler Betäubung des zu behandelnden Auges durchgeführt.

Wichtigste Voraussetzung für ein optimales Ergebnis nach der Katarakt-OP ist eine genaue Planung und die entsprechende Diagnostik vor der Operation. Nach in der Regel örtlicher Betäubung wird minimal-invasiv ein kleiner Schnitt an der Hornhaut gesetzt, über die der Operateur ins Auge eingeht. Die zu entfernende Linse wird mithilfe von Ultraschall oder Laser zerteilt. Die Linsenfragmente lassen sich dann über den minimalen Schnitt absaugen. Der Eingriff endet mit dem Einsetzen einer zuvor genau berechneten und individuell für jedes Auge ausgewählten Kunstlinse. Bei einem erfahrenen Katarakt-Chirurgen beträgt die Dauer eines solchen minimalinvasiven Eingriffs 10-15 Minuten.

Wie Sie die passende Kunstlinse finden

Grundsätzlich muss man hier zwischen sogenannten monofokalen, oft auch als Standardlinsen bezeichneten, Intraokularlinsen und Linsenimplantaten unterscheiden, die bestimmte Zusatznutzen aufweisen. Abhängig vom individuellen Wunsch des Betroffenen können unterschiedliche Kunstlinsen zum Einsatz kommen. Den medizinischen Standard stellen die sogenannten monofokalen Intraokularlinsen, also Einstärkelinsen dar. Durch diese Kunstlinsen kann in den meisten Fällen eine parallel zum grauen Star vorliegende Fehlsichtigkeit im Wesentlichen ausgeglichen werden. Wenn vor der Operation keine größere Fehlsichtigkeit vorlag, kann in vielen Fällen, entweder in die Ferne, oder in die Nähe auch ohne größere Brillenkorrektur gut gesehen werden.

Eine etwas andere Situation liegt vor, wenn vor der Operation bereits eine stärkere Fehlsichtigkeit, insbesondere auch Hornhautverkrümmungen und Astigmatismen vorliegen, oder wenn der Wunsch besteht, nach der Operation ohne Sehhilfe sowohl bei Fernsicht als auch bei naher Sicht Sehschärfe zurückzugewinnen. In solchen Fällen können sogenannte premium Intraokularlinsen, also Linsen mit zusätzlichem Nutzen, hilfreich sein.

Wenn der Wunsch besteht, sowohl für die Ferne, als auch für die Nähe weitestgehend ohne Sehhilfe auskommen zu wollen, eignen sich beispielsweise multifokale Intraokularlinsen. Ist im Operationsverlauf eine Hornhautverkrümmung auszugleichen, eignen sich, zu den Premiumlinsen zählende, torische Intraokularlinsen, um den vorbestehenden Astigmatismus wirkungsvoll auszugleichen. Die asphärische Intraokularlinse ist vom Prinzip her eine monofokale Linse, deren optische Eigenschaften aber im Vergleich zu Standardlinsen wesentlich verfeinert sind und so im Vergleich zur Standardlinse zu einer deutlich optimierten Kontrastschärfe und besserem Nachtsehen beitragen kann.

Femtosekundenlaser oder Ultraschall?

Die heutzutage am häufigsten angewendete Operationstechnik zur Entfernung des grauen Stars ist die sogenannte Phakoemulsifikation. Hierbei wird die natürliche Linse auf schonende Weise mittels Ultraschall zerkleinert und dann abgesaugt. Mit dieser Technik hat man seit vielen Jahren sehr gute Erfahrungen mit sehr geringen Komplikationsraten.

Eine besonders exakte und schonendere Behandlung ist die erst seit wenigen Jahren eingeführte und an relativ wenigen Zentren verfügbare Kataraktoperation mit dem Femtosekundenlaser. Der Femto-Laser setzt hierbei rasche energiereiche Lichtimpulse frei. Diese Lichtimpulse können das Skalpell zwecks Schnitt am Auge und den Ultraschall zwecks Zertrümmerung der getrübten Linse ersetzen.

Dem Vorzug einer sehr hohen Präzision durch den Femtosekundenlaser stehen Nachteile wie vergleichsweise hohe Behandlungskosten mit der Lasertherapie gegenüber. Die Entscheidung zwischen Ultraschall und Femtosekundenlaser sollte daher auf Grundlage individueller Faktoren und der fachlichen Einschätzung des behandelnden Augenarztes erfolgen.

Der richtige Arzt für die Kataraktbehandlung

Für den Erfolg einer Kataraktoperation spielt die Wahl eines geeigneten Arztes eine wichtige Rolle. Der ausgewählte Chirurg sollte ausreichend Erfahrung mit den verschiedenen Techniken der Kataraktbehandlung aufweisen und mit den unterschiedlichen Kunstlinsenarten vertraut sein. Oft sind schließlich auch vertrauenswürdige Empfehlungen zufriedener Patienten ein zuverlässiger Hinweis auf die fachliche Kompetenz eines Facharztes.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (11)


05.07.2018 - 17:01 Uhr

sehr gut! Wie kann ich erfahren, welche Kompetenz...

von Klaus F.

... ein Augenarzt bei der OP des grauen Stars besitzt?

09.03.2018 - 14:08 Uhr

Ich möchte meinen "grauen Star" in der...

von Dr. H. Hildebrand

... Augenklinik im Klinikum Rechts der Isar operieren lassen. Können Sie mir Bewertungen mitteilen ? MfG H.Hildebrand

23.01.2018 - 10:50 Uhr

Habe eine Überweisung für eine grauer Star OP....

von Horst B.

... Kann ich die bei Ihnen stationär bekommen? Ich habe keine Begleitperson für eine ambulante OP. Danke

01.11.2015 - 17:41 Uhr

Ich hatte Mitte Oktober eine "Grauen Star" OP am...

von Barbara

... linken Auge, meinem "Leitauge". Ich bin begeistert von meinem neuen "Durchblick", da ich als fast lebenslang Kurzsichtige nun plötzlich ohne Brille scharf in der Ferne sehen kann. Auch in der Nähe klappt es recht gut, da mein rechtes Auge ja noch kurzsichtig ist. Demnächst steht auch für dieses eine OP an. Das Einzige, was mich wirklich stört, ist, dass ich mit der Kunstlinse die Farben anders wahrnehme. Alle Farben haben einen Stich ins blaue,kalte, beige erscheint grau, schwarz erscheint dunkelblau. Das stört mich doch sehr, da die Farbwahrnehmung für mich sehr wichtig ist, da ich in meiner Freizeit gerne male. Kann das an der Art der Linse liegen? Es ist eine monofokale Linse. Bekannte mit einer solchen OP konnten ein solches Phänomen nicht bestätigen. Die Augenärztin, die mich nach der OP betreut, hat ebenfalls nichts dergleichen gehört.

20.10.2015 - 09:17 Uhr

Ich habe gestern zwecks nachlassender...

von S.

... Sehfähigkeit eine Augenarztpraxis in Höhr Grenzhaisen aufgesucht mit dem Ziel eine neue Brille.zu erwerben. Diese wurde abgelehnt, nachdem mir der Arzt in einer nicht vertrauenswürdigen Weise das Ergebnis: "grauer Star" (60 % Sehhfähigkeit) vor die Füße geworfen hatte - damit war der Besuch in der Praxis beendet und ich verließ die Praxis innerlich gelähmt und fühlte mich alleingelassen mit dieser Aussage. Ich wohne im Einzugsgebiet Montabaur und bitte um Hilfe bei der Suche nach einem vertrauenswürdigen und menschlich zugänglichen erfahrenen Arzt in dieser Angelegenheit. Danke für Ihre Mühe im Voraus..

09.10.2015 - 17:54 Uhr

Ich bin Brillenräger. Bei der letzten...

von Monika

... Visusbestimmung bei meinem Optiker hat er deutliche Eintrübungen in meiner Linse festgestellt. Wird bei einer evtl. Katareaktbehandlung die Stärke der Kunstlinse bei Ihnen präop. bestimmt? Wie lange sind die Wartezeiten für eine OP? Danke für eine Mitteilung.

07.09.2015 - 15:19 Uhr

Liest sich gut und ist verständlich geschrieben....

von Harry

... Für meine Frau aber nicht hilfreich, denn in Eisenach wird diese Untersuchung bei allen Ärzten abgelehnt, da sie keine Patienten annehmen.

16.07.2015 - 12:45 Uhr

Leide zeit meines Lebens auf dem linken Auge an...

von Wolfgang

... Schielschwachsichtigkeit. Am 3. Juni bin ich operiert worden und der Augenarzt hat mir das Auge mit einer asphärischen Acryl-IOL/Zeiss CT Asphina 409MV verschönert. Sechs Wochen sind vergangen und ich bemerke keine Verbesserung, im Gegenteil sehe ich ständig auf eine Zyste links im Weiskörper. Und derAugenarzt will für die Linse anteilig von mir 379,35 € plus 316,59 € für die Voruntersuchung haben. Zusammen also fast 700 €. Nach mehreren Recherchen bei Bekannten, die auch operiert wurden, haben mir alle unisono bis auf eine bestätigt, keine Zuzahlungen geleistet zu haben. Nur eine musste 50 € für die Linsenberechnung mit dem IOL Master zahlen. Da ich keinen Vorteil aus der Linse ziehe, vermute ich, dass ich (auch weil ein Kostenvoranschlag verweigert wurde) über den Tisch gezogen werden soll. Mit freundlichen Grüßen

05.06.2015 - 09:25 Uhr

Frage:macht eine Katarakt-OP Sinn bei zugleich...

von Vera

... festgestellter AMD?

01.06.2015 - 12:20 Uhr

Gibt es bei der Behandlung zwischen Makulaödem u....

von reni

... feuchter AMD einen Unterschied? Ist trotz allem eine OP wegen grauen Stars sinnvoll? Bin 69 Jahre und sehr in Sorge, Besten dank im voraus :- )) Reni

08.05.2015 - 19:37 Uhr

Ich habe vor 2 Tagen eine neue Linse bekommen....

von Anne

... Leider sitzt sie nicht richtig Es wurde festgestellt dass ein Kapseldefekt vorliegt. Wäre eine KorrekturOP sinnvoll? Es gibt keine Garantie, dass die 2. OP gut geht


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