Harnsäure (Uric Acid): Diese Blutwerte sind zu hoch und in diesen Lebensmitteln ist sie enthalten

Harnsäure kommt auch in unserem Blut vor! Erhöhte Werte wirken sich besonders auf die Niere aus. (© fotolia - Schonertagen)

Harnsäure fällt im normalen Stoffwechselgeschehen an: Sie ist das Endprodukt aus dem Abbau von bestimmten Zellbestandteilen, den so genannten Purinen. Dadurch stellt Ihr Körper durchschnittlich ca. 350 mg Harnstoff täglich her. Eine etwa gleichgroße Menge nimmt man mit der Nahrung jeden Tag auf. Die Harnsäure wird mit dem Urin aus dem Körper ausgeschieden.

Der Gesamtharnsäurepool gesunder Erwachsener enthält etwa 1,0-1,5 g Harnsäure. Bei Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten im Blutserum, d.h. bei der so genannten Hyperurikämie (zuviel Harnsäure im Blut, Gicht), kann der Harnsäuregehalt im Organismus auf 15 bis 30 g ansteigen.

Was sagt der Harnsäurespiegel über Ihre Gesundheit aus?

Im Normalfall halten körpereigene Produktion und Aufnahme von Harnsäure mit der Nahrung ein Gleichgewicht mit der Harnsäure-Ausscheidung über den Urin. Bei vielen Menschen (häufiger bei Männern) wird jedoch zu wenig Harnsäure ausgeschieden. Dadurch steigt der Harnsäurespiegel im Blut. Die Veranlagung zu einer unzureichenden Harnsäure-Ausscheidung ist häufig erblich bedingt.

Als Folge des erhöhten Harnsäurespiegels kann sich eine Gicht entwickeln. Überschüssige Harnsäure lagert sich bei dieser Erkrankung im Gewebe ab; betroffen sind vor allem die Finger- und Zehengelenke und die Niere. In den Gelenken verursachen die Harnsäure-Kristalle nicht nur starke Schmerzen (akuter Gichtanfall!), sondern auf lange Sicht auch Verformungen und Funktionsstörungen. An der Niere führt die Harnsäureablagerung zu Entzündungen und zur Bildung von Nierensteinen.

Zu einer vermehrten Harnsäureausscheidung verbunden mit einer Senkung der Harnsäurewerte im Serum kommt es durch den Genuss von Eiweiß. Zu einem Anstieg der Harnsäurewerte im Serum, was an Gicht Erkrankte vermeiden müssen, kommt es durch purinhaltige Nahrung sowie durch

  • hohe Dosen von Fruktose, Sorbit und Xylit
  • fettreiche Kost
  • den Genuss von Alkohol
  • totales Fasten

Diese Werte sind normal

Die normalen Harnsäure-Werte im Blut sind bei Männern und Frauen unterschiedlich. Sie liegen

bei Männern

zwischen 3,4 und 7,0 mg/100 ml

bei Frauen

zwischen 2,4 und 5,7 mg/100 ml

Für Kinder gelten abweichende Werte.

In seltenen Fällen findet man auch erniedrigte Harnsäure-Werte im Blut. Sie sind dann meist Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung oder auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen. Oft ist bei einem Herzinfarkt der Harnsäurespiegel erhöht, so dass zusammen mit anderen Tests, z.B. einem Troponintest, ein Infarkt schneller diagnostiziert werden kann.

Wenn Sie etwas für Ihre Gesundheit tun wollen...

dann lassen Sie Ihren Harnsäure-Wert regelmäßig überprüfen. Denn durch frühzeitiges Entdecken und Behandeln von hohen Harnsäurespiegeln können Sie der Gicht und Nierenerkrankungen wirksam vorbeugen.

Beachten Sie für ein korrektes Messergebnis: 

  • Kommen Sie nüchtern zum Test!
  • Lassen Sie den Test nicht während einer Fastenkur durchführen. Während des Fastens kann der Harnsäurespiegel stark ansteigen.
  • Weisen Sie bei der Blutabnahme auf alle Arzneimittel hin, die Sie regelmäßig einnehmen. Denn einige Medikamente haben Einfluss auf die Bildung oder Ausscheidung von Harnsäure und das muss bei der Beurteilung Ihrer Werte berücksichtigt werden.

Diese Lebensmittel enthalten besonders viel ...

Backwaren

Sojabrot, Vollkornbrot ,Vollkornbrötchen

Obst und Gemüse

Quitte, getrocknete Pilze, Sojaprodukte (texturiert), Kichererbsen, Linsen, weiße Bohnenkerne ***

Gewürze

Petersilie, Schnittlauch, Bleichsellerie, Suppengrün  (alle getrocknet) *

Nährmittel

Roggen- und Weizenkeime, Sojamehl

Fleisch und Fisch

Kalbsbries, Leber, Nieren, Anchovis, Jakobsmuscheln, Matjes, Renke, Schaf- und Rinderhaxe, Rinderfilet, Leberwurst und ?Pastete, Geflügelinnereien, Heringsfilet, Bückling mit Haut, Ölsardinen **

Getränke

Hefeweizen (Weißbier)

Sonstiges

Bierhefe, Bäckerhefe, Fleischextrakt

* Getrocknete Würzkräuter haben zwar einen hohen Puringehalt, werden aber nur grammweise verwendet.

** Bei Fisch und Geflügel ist besonders die Haut sehr purinreich.

*** getrocknete Hülsenfrüchte haben zwar einen relativ hohen Puringehalt, durch ihr Quellvermögen beim Kochen relativiert sich jedoch im Allgemeinen die Purinaufnahme, da man schon sehr viel zubereitete Hülsenfrüchte essen müsste, um den Harnsäurespiegel deutlich zu erhöhen.

Diese Lebensmittel enthalten besonders wenig ...

Lebensmittel mit mittlerem Puringehalt (20-50 mg Purin pro 100 g):

Backwaren

Weißbrot, Knäckebrot, Laugengebäck, Butterkeks, Lebkuchen,

Obst und Gemüse

Pflaumen, Feigen, Pilze (Konserven),  Champignons, Spinat, Rosenkohl, Brokkoli, Grüne Erbsen

Milchprodukte

Scheiblettenkäse,  Schmelzkäse

Nährmittel

Weizenflocken, Haferflocken,  Corn Flakes, Teigwaren, Mandeln, Erdnüsse

Fleisch und Fisch

Rinderbrust, Corned Beef, Kaninchen, Rehrücken, Putenbrust, gekochter Schinken, Brathähnchenfleisch ohne Haut, Schweinefleisch (frisch), Wiener Würstchen, Flußkrebs Konserve, Languste, Miesmuscheln (frisch), Kabeljau, Seehecht, Forelle

Sonstiges

Kartoffelchips, Schokoladenkekse

 

Purinfreie bzw. purinarme Lebensmittel und solche, die Purin in einer Form enthalten, die nicht zu Harnsäure abgebaut wird: 

Backwaren

Maisfladenbrot, Mehl, Reis, Polenta, Reisnudeln, Sandkuchen, Waffeln,

Obst und Gemüse

Kartoffeln (gekocht, als Püree oder Klöße), Äpfel, Beeren, Beerenkonfitüren, Avocado, Fenchel, Zwiebeln, Gurke, Paprika, Tomate, Kürbis, Bambussprossen,  Bohnenkonserven, grüne Bohnen (gegart), Tofu, Pommes frites, Pilzkonserven, Gurke, Zucchini, Spargel, Feldsalat, Blumenkohl, Radieschen, Rettich, Salate

Milchprodukte

Buttermilch, Milch (Magerstufe), Joghurt, Quark, Edamer, Limburger,

Getränke

Mineralwasser, Apfelsaftschorle, Cola Mix, Kaffee, Schwarzer Tee, Kakao, Weißwein, Sekt, Wermut, Portwein, Weinbrand, Campari-Soda, Pils

Fette

Olivenöl, Sonnenblumenöl, Margarine, Kokosfett, Butter, Essig

Süßwaren

Eiscreme, Schokolade

Sonstiges

Eier, Senf, Ketchup, Tomatenmark


Trinken Sie reichlich alkoholfreie Getränke, mindestens 2 Liter am Tag, da die Flüssigkeitszufuhr die Ausscheidung von Harnsäure anregt. Alkohol führt zu vermehrter Harnsäurebildung; verzichten Sie daher weitgehend auf alkoholische Getränke. Kaffee, Tee und Kakao dürfen sie trotz Ihres Puringehalts trinken, da diese Purine nicht zu Harnsäure verstoffwechselt werden.

 

Literaturquellen
Weitere Quellen


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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (1)

Kirsch G., 12.03.2021 - 16:22 Uhr

besten Dank war sehr Aufschlussreich es grusst K.G

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