Das Raynaud-Syndrom: Kalte, weiße Finger

© Osuleo_iStock

Die Durchblutungsstörung Morbus Raynaud ist nach ihrem Entdecker, dem französischen Arzt Maurice Raynaud, benannt. Was es mit der Erkrankung auf sich hat, die im Volksmund auch Leichenfinger oder Weißfingerkrankheit genannt wird, erklärt dieser jameda Gesundheitstipp.

Plötzlich weiße Finger, die sich dann über blau zu rot färben
Das Raynaud-Syndrom ist eine Durchblutungsstörung, die durch Vasospasmen kleiner Blutgefäße ausgelöst wird. Ziehen sich die Gefäße krampfartig zusammen, kommt es zu Mangeldurchblutung und Taubheitsgefühl, Schmerzen können auftreten. Betroffen sind einzelne Finger und Zehen, manchmal auch Hände und Füße im Ganzen. Die Haut wird weiß und kalt, die Gliedmaßen wirken wie abgestorben. Danach verfärbt sich die Haut blau und durch die wieder einsetzende Durchblutung deutlich rot. Dieser Farbwechsel wird in Anlehnung an die französische Nationalflagge auch Tricolore-Phänomen genannt. Raynaud-Anfälle sind vorübergehend, dauern einige Minuten bis zu einer halben Stunde und treten unterschiedlich häufig auf.

Primäres Raynaud-Syndrom ohne Grunderkrankung
Treten die Gefäßkrämpfe ohne zugrunde liegende Erkrankung auf, spricht man von einem primären Raynaud-Syndrom. Ausgelöst werden die Anfälle vor allem durch Kälte und Nässe, weshalb sie vermehrt im Herbst und Winter auftreten. Oft reicht auch schon ein Griff in den Kühlschrank, um die Mangeldurchblutung anzustoßen. Ungelöste Konflikte und ein seelisches Ungleichgewicht begünstigen die Durchblutungsstörung. Das primäre Raynaud-Syndrom ist ungefährlich, etwa 7-12 % der Bevölkerung sind davon betroffen, zumeist sind es Frauen.

Sekundäres Raynaud-Syndrom als Folge anderer Erkrankungen
Grunderkrankungen wie Arteriosklerose, Sklerodermie oder Lupus erythematodes, die die Gefäße in Mitleidenschaft ziehen, können zum sekundären Raynaud-Syndrom führen. Auch einige Medikamente sind als Auslöser der Durchblutungsstörung bekannt, z. B. Betablocker, Estrogene, Zytostatika und Ergotaminpräparate. Weitere mögliche Ursachen sind Vergiftungen, Verletzungen und das Arbeiten an stark vibrierenden Maschinen wie Presslufthammern.

Vorbeugung durch Warmhalten, Entspannung und Fingergymnastik
Wer auf warme Füße und Hände achtet, kann Raynaud-Anfällen vorbeugen. Dicke Socken, beheizbare Schuhe, Handschuhe und Taschenwärmer tun hier gute Dienste. Auch zum Arbeiten mit Wasser sollten Gummihandschuhe getragen werden, um Verdunstungskälte zu vermeiden. Autogenes Training und Biofeedback-Methoden tragen zur Entspannung bei und können Gefäßspasmen verhindern. Muskelkräftigende Fingergymnastik wirkt durchblutungsfördernd. Da Nikotin die Gefäße verengt, sollte Rauchen für Raynaud-Patienten tabu sein.

Gefäßerweiternde Medikamente zur Behandlung
Wenn die Durchblutungsstörungen häufig auftreten, Schmerzen auslösen oder schlecht heilende Wunden zurückbleiben, helfen gefäßerweiternde Medikamente, z. B. Calciumkanalblocker, ACE-Hemmer und Alpha-1-Antagonisten. Bei schmerzhaften Anfällen kann Nitroglycerin als Salbe auf die Haut aufgetragen werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 6

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (0)

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?