Arteriosklerose ist symptomlos, aber tödlich! Wissenswertes zu Ursachen, Porphylaxe und Therapien

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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© (c) hriana - fotoliaDie Symptome einer Arteriosklerose werden oft erst dann erkannt, wenn es zu spät istBei Arteriosklerose lagern sich Blutfette und andere Subtanzen an der inneren Arterienwandschicht an. Mögliche Folgen: Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Deutschland sind wahrscheinlich 15 Millionen Menschen betroffen – viele, ohne es zu wissen. Erfahren Sie, wie Arteriosklerose entsteht und wie Sie vorsorgen können.

Risikofaktoren & Ursachen

Die Arteriosklerose entsteht unter zwei Voraussetzungen:  

  • Hohe Cholesterinwerte im Blut über längere Zeitspannen
  • Verletzung(en) der innersten Arterienwandschicht

Die hohen Cholesterinwerte im Blut entstehen meistens, wenn man mehr Cholesterin zu sich nimmt, als man verbraucht. Dadurch entsteht ein Cholesterinüberfluss, der im Blut zirkuliert. In seltenen Fällen gibt es eine genetische Veranlagung, die zu hohen Cholesterinwerten führt.

Die innerste Schicht der Arterienwände ist sehr fein – sie besteht lediglich aus einer einzigen sensiblen Zellenschicht. Hoher Blutdruck schleudert fettreiche Blutströme gegen die zerbrechlichen Arterienwände – und das pulsierend, ungefähr 75-mal pro Minute! So können Ritze und kleine Verletzungen entstehen. Allerdings kann das durch oxidierte Lipide oder Zigarettenrauch auch auf dem Wege der chemischen Zersetzung passieren.

Hat die Arterienwand einmal ihre Kontinuität verloren, können sich dort Lipide und andere Substanzen verbarrikadieren. Darüber bilden sich eine Hülle aus Bindegewebe und kleine Blutgerinnsel. Und schon hat sich ein kleines Atheroma entwickelt, eine Arterienwandablagerung. Die Begriffe „Atheromatose“, „Atherosklerose“, und „Arterienverkalkung“ werden oft abwechselnd für Arteriosklerose genutzt.

All das verläuft unbemerkt, ohne Symptome, und kann sich über Jahrzehnte weiterentwickeln. Es entstehen immer mehr Arterienwandablagerungen, die immer größer werden, und eine zusätzliche Entzündungsreaktion hervorrufen.

Schwäche, Brustschmerz, Schlaganfall: Folgen der Arteriosklerose

Eine Fettablagerung kann sich praktisch in jeder Arterie bilden: in den Koronararterien des Herzens und in den Arterien des Gehirns, der Beine oder der Nieren. Wird so eine entzündete Fettablagerung groß genug, wölbt sie sich in das Gefäßinnere, das sich verengt, und eine Stenose (Verengung) hervorruft.

Dadurch wird die Durchblutung des Organs behindert, das auf diese Arterie angewiesen ist, und dann entsteht Ischämie (mangelnde Blutzufuhr): Das betroffene Organ wird nicht ausreichend mit dem lebenswichtigen Sauerstoff versorgt. Dadurch ist die Funktion dieses Organs beeinträchtig, und Beschwerden werden bemerkbar: Koronargefäßstenosen zum Beispiel führen zur koronaren Herzkrankheit, die körperliche Belastbarkeit nimmt ab und Brustschmerzen treten auf.

Wenn eine Beinarterie stark verengt ist, kommt es zu starken Schmerzen in den Beinen, zur sogenannten ‘‘Schaufensterkrankheit‘‘. Die Betroffenen müssen beim Gehen häufig Pausen einlegen und bleiben oft vor Schaufenstern stehen, damit es nicht auffäl©  94055147-Henrielt.

Bei der Aortensklerose entstehen Ablagerungen in der Wand der Hauptschlagader (Aorta). Dadurch kann die Gefäßwand geschwächt werden, und sich zu einer sackförmigen Erweiterung (Aneurysma) umbilden. Die Ruptur einer Erweiterung der Hauptschlagader kann tödlich enden.

Die dramatischte Entwicklung der Arteriosklerose ist die Ruptur einer Arterienwandablagerung, die an Stabilität verloren hat. Die Ursachen des Stabilitätsverlustes sind:

  • Zunahme des Fettinhaltes in der Arterienwandablagerung
  • Intensivierung der lokalen Entzündungsreaktion
  • Verdünnung der Bindegewebehülle

Diese Faktoren bringen die Arterienwandablagerung (Atheroma) zum Platzten. Das Phänomen wird „Atherothrombose“ genannt und hat verheerende Folgen, weil Blutgerinnsel die Arterie schnell blockieren und überhaupt kein sauerstoffhaltiges Blut mehr in das betroffene Organ gelangt. Passiert das in einer Koronararterie, kommt es schnell zum Herzinfarkt. Wenn eine Gehirnarterie betroffen ist, dann kommt es blitzschnell zum Schlaganfall.

Diagnostiziert Ihr Arzt einmal Arteriosklerose in einem Organ, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch andernorts Gefäßverengungen gibt, obwohl vielleicht noch keine Symptome aufgetreten sind. Epidemiologische Daten aus aller Welt zeigen:  

  • Herzinfarktpatienten haben ein 5 - 7-fach erhöhtes Risiko für einen zweiten Herzinfarkt und ein 3 - 4-fach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall.
  • Schlaganfallpatienten haben ein 9-fach erhöhtes Risiko für einen zweiten Schlaganfall und ein 2 - 3-fach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt.
  • Patienten mit Schaufensterkrankheit haben ein 4-fach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt und ein 2 - 3-fach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall.

Fazit: Die Arteriosklerose entwickelt sich über Jahrzehnte unauffällig. Wenn die ersten Symptome auftreten, sind die Arterienwandablagerungen meist schon fortgeschritten, und es drohen lebensgefährliche Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Fast die Hälfte aller Todesfälle in der westlichen Welt ist eine Folge der Arteriosklerose. In Deutschland sind es über 350.000 Todesfälle pro Jahr.

Prophylaxe: So sorgen Sie vor

Die langsame Entwicklung der Arteriosklerose birgt zwar eine stille Gefahr, bietet jedoch auch die Gelegenheit der Prophylaxe. Sie beruht auf der Erkennung und Bewertung der relevanten Risikofaktoren und auf individuellen Therapien.

Die wichtigsten Risikofaktoren der Arteriosklerose:

  • Unbeeinflussbare Risikofaktoren: Alter, männliches Geschlecht, genetische Veranlagung
  • Beeinflussbare Risikofaktoren: Tabakkonsum, Übergewicht, Stress, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhter Cholesterinspiegel

©fotolia-120109138-BillionPhotosStress ist einer der Risikofaktoren für Arteriosklerose Stress wird oft unterschätzt, obwohl es Daten gibt, die beweisen, dass Stress direkt mit der Entwicklung der Atherosklerose verbunden ist.

Dauernder negativer Stress kann durchaus mit kognitiven Techniken verringert werden. Dabei ist es wichtig, die Stressauslöser ehrlich, offen und genau zu erkennen. Zum Beispiel hilft es nicht zu sagen: ‘‘Meine Arbeit stresst mich‘‘. Die Betroffenen sollten identifizieren, was genau den Stress verursacht: der unsympathische Kollege, ein bestimmtes Ziel, eine unbeliebte Aufgabe oder etwas anderes? Nur so lässt sich die Stressquelle vermeiden.  

In den aktualisierten medizinischen Europäischen Richtlinien, die im Juni 2016 erschienen sind, werden die folgende Zielwerte für die wichtigsten Risikofaktoren der Arteriosklerose empfohlen (2016 European Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice: European Journal of Preventive Cardiology  · June 2016):

1. Tabakkonsum: Auf Tabak besser verzichten!

2. Ernährung: Eine gesunde Ernährung wird empfohlen, mit ausreichend Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, und Fisch. Gesättigte Fette besser meiden.

3. Körperliche Aktivität: Aerobic (oder äquivalente Fitnessarten)
- bei mäßiger Anstrengung: mindestens 150 Minuten pro Woche (30 Minuten x 5 Tage pro Woche) oder
- bei intensiver Anstrengung: 75 Minuten pro Woche (15 Minuten x 5 Tage pro Woche)

4. Empfohlenes Körpergewicht: BMI 20-25
- Der BMI (body mass index), auch Körpermasseindex genannt, ist eine Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts in Relation zur Körpergröße und kann anhand der folgenden Formel berechnet werden: BMI = Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat
- Taillenumfang < 94 cm (Männer) oder < 80 cm (Frauen)

5. Der Blutdruck im Ruhezustand sollte stets unter 140/90 mm Hg sein

6. Cholesterinspiegel: Die idealen Cholesterinblutwerte richten sich nach dem kardiovaskulären Risiko des Patienten. Je höher das Patientenrisiko, desto niedriger sollten die Werte des ‘‘schlechten‘‘ Cholesterins (LDL-C) sein. Ihr Arzt kann Ihr individuelles Risiko anhand von gesonderten Tabellen berechnen.
- Sehr hohes Risiko: LDL-C < 1.8 mmol/L (< 70 mg/dL)
- Hohes Risiko: LDL-C < 2.6 mmol/L (- Niedriges oder mäßiges Risiko: LDL-C < 3.0 mmol/L (< 115 mg/dL)
- HDL-C (‘‘gutes‘‘ Cholesterin): >1.0 mmol/L (>40 mg/dL) für Männer und >1.2 mmol/L (>45 mg/dL) für Frauen
- Triglyzeride:7. Blutzucker: Empfohlene HbA1c (glykierte Hämoglobin) Werte: <7% (

Eine gesunde Lebensführung inklusive ausgewogener Ernährung, ausreichender Körperaktivität, Tabakverzicht und Vermeidung von dauerhaft negativen Stress kann Ihr Risikoprofil für Arteriosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen niedrig halten, weil dieser Lebensstil die meisten Risikofaktoren positiv beeinflusst: das Körpergewicht, den Zucker- und Cholesterinspiegel und den Blutdruck.

Medikamentöse Therapie

Sollte es nicht möglich sein, das Risiko für Arteriosklerose zu senken, gibt es verschiedene medikamentöse Therapiemöglichkeiten, die von Ihrem Arzt verschrieben werden müssen, wie zum Beispiel:

  • Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels
  • Diuretika, oder ACE-Hemmer zur Senkung des Blutdrucks
  • Blutzuckersenkende Medikamente bei Diabetes
  • Blutverdünner

© joannawnuk_iStockSüßigkeiten sollten eher die Ausnahme seinDas Wichtigste ist, nie aufzugeben! Auf Dauer ist es nicht immer möglich, auf ‘‘Ungesundes‘‘ zu verzichten. Das ist auch nicht nötig!

Wer grundsätzlich eine gesunde Lebenseinstellung hat, darf auch hier und da einen ‘‘Faulpeltztag‘‘ ohne Fitnessstudio einlegen oder den traumhaften Rieseneisbecher genießen, vorausgesetzt, das sind nur Ausnahmen. Denken Sie daran, dass sich das Endergebnis aus Ihrem gesamten alltäglichen Verhalten ergibt.

Jeder Schritt am Laufband, jede ausgewogene Mahlzeit und jede Zigarette, die Sie nicht geraucht haben, wird sich langfristig in besserer Lebensqualität ausdrücken. Das gilt auch, nachdem der Arzt Arteriosklerose festgestellt hat. Denn das Wichtigste ist, der Atherothrombose vorzubeugen, also das ‘‘Platzen‘‘ der Arterienwandansammlung zu vermeiden.

Das ist durchaus möglich, denn es ist wissenschaftlich belegt, dass die Senkung des Cholesterinspiegels auf Dauer auch größere Arterienwandablagerungen stabilisieren kann.  

    

Quellen:

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