Wenn Husten gefährlich ist

Dr. Iris Hinneburg

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© Sergey_Kravtsov-Fotolia© Sergey_Kravtsov-FotoliaDer November ist der klassische Monat für Erkältungen. Regen und Kälte sorgen dafür, dass man lieber in der warmen Wohnung bleibt und seltener lüftet. Das sind die optimalen Vermehrungsbedingungen für Erkältungsviren, und schon lassen Schnupfen und Halsschmerzen nicht lange auf sich warten. Genauer hinschauen sollte man jedoch bei Husten. Denn nicht jeder Husten lässt sich auf eine harmlose Erkältung zurückführen, sondern er kann auch ein Symptom ernsthafter Erkrankungen sein und gefährlich werden.

Wozu der Körper den Husten braucht

Über die Atemluft kommen Fremdstoffe in die Atemwege und können die Lunge schädigen. Daher braucht der Körper ein gutes Reinigungssystem, um die Sauerstoffversorgung des Organismus langfristig erhalten zu können. Wichtig sind dafür die Zilien, kleine Flimmerhaare in den Bronchien, die ständig in Bewegung sind und damit Fremdkörper aus den Atemwegen hinaustransportieren können. Doch dieser Reinigungsmechanismus ist relativ langsam und kann auch schnell überlastet sein. Deswegen verfügt der Körper noch über einen weiteren Schutz: den Husten.

Wie Husten funktioniert
Husten befördert versehentlich eingeatmete Partikel schnell wieder aus den Atemwegen heraus und fungiert so als Schnellreinigung. Eine ganze Reihe von Mechanismen sind im Körper daran beteiligt, dass dieses System funktioniert.

So gibt es sogenannte Rezeptoren, die an verschiedenen Stellen im Oberkörper sitzen und auf Berührung, Druck oder auch chemische Stoffe reagieren. Sie leiten Impulse an das Gehirn weiter, wo das Hustenzentrum den Befehl an das Zwerchfell und die Muskulatur von Bauch- und Atemmuskulatur gibt, sich zusammenzuziehen. Der dadurch entstehende Husten kann die Ausatemluft bis auf 600 km/h beschleunigen.

Damit dieser Schutzmechanismus schnell zur Verfügung steht, ist der Husten als Reflex angelegt und hängt also nicht davon ab, ob wir uns willentlich dafür entscheiden. Umgekehrt kann ein mäßig starker Hustenreiz aber für einen kurzen Zeitraum unterdrückt werden.

© contrastwerkstatt - Fotolia.com© contrastwerkstatt - Fotolia.comHusten als Teil der Abwehr
Bei einer normalen Erkältung, die durch Viren ausgelöst wird, reagieren die Atemwege mit einer vermehrten Bildung von Schleim auf die Krankheitserreger. Husten sorgt dafür, dass der Schleim nicht die Atemwege verstopft und befördert auch gleich die Keime nach außen. Damit bildet Husten auch einen Teil der Abwehrkräfte des Körpers.

Sanft husten
Husten kann die Schleimhäute der Bronchien reizen und im schlimmsten Fall einen neuen Hustenreiz auslösen. Möglichst sanft mit aufgeblasenen Backen in die hohle Hand zu husten, schafft Abhilfe.

Hilfe bei leichtem Erkältungshusten

Bei leichtem Erkältungshustens helfen rezeptfreie Hustenlöser aus der Apotheke. Gegen den Hustenreiz kann man tagsüber Bonbons lutschen, die die Speichelbildung anregen. Wenn der Husten die Nachtruhe beeinträchtigt, kann für kurze Zeit auch ein Hustenstiller eingesetzt werden. Studien zeigen, dass auch pflanzliche Mittel wie Myrtol, Thymian-, Efeu und Primelwurzel-Präparate den Hustenreiz leicht lindern. Die Krankenkasse kommt für Hustensaft jedoch nicht auf.

Auch ohne Arzneimittel klingt der Husten in der Regel nach zwei bis drei Wochen ab. Manche Patienten haben gute Erfahrungen mit Hausmitteln wie Ingwertee, Inhalationen und Hühnersuppe gemacht. Es gibt allerdings keine Studien, die ihre Wirksamkeit belegen. Nehmen Sie sich in jedem Fall Zeit zur Genesung und vermeiden Sie unnötigen Stress, der Ihren Körper zusätzlich belasten könnte.   

Wenn der Husten nicht weggeht

© Michael Kempf - Fotolia© Michael Kempf - FotoliaIn vielen Fällen kann man einen Erkältungshusten selbst auskurieren. Zum Arzt sollte man aber dann gehen, wenn die Beschwerden nach zwei Wochen nicht spürbar nachgelassen haben bzw. Fieber, Atembeschwerden oder ein ausgeprägtes Schwächegefühl auftreten. Dann können bakterielle Krankheitserreger eine Bronchitis oder sogar eine Lungenentzündung ausgelöst haben. Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt, der gegebenenfalls an den HNO-Arzt oder den Pneumologen überweisen kann.

Bei Bluthusten ist der Arztbesuch ebenfalls ratsam: Zwar stecken nur selten gefährliche Erkrankungen wie Lungenkrebs dahinter, die Ursachen sollte der Arzt aber auf jeden Fall abklären. Zu blutigem Auswurf kann es beispielsweise bei einer Bronchitis, bei Bronchiektasen oder anderen Erkrankungen kommen. Eine Bronchitis äußert sich neben Husten durch Fieber, Gliederschmerzen, brennende Augen und Schnupfen. Bleibt eine Bronchitis unbehandelt, kann sie chronisch werden.   

Akut oder chronisch?
Wie lange der Husten andauert, ist für Ärzte ein wichtiges Kriterium, wenn sie nach einer möglichen Ursache suchen. Akuter Husten dauert höchstens drei Wochen, alle länger anhaltenden Formen werden als chronischer Husten bezeichnet. Bei Kindern und jüngeren Erwachsenen ist die häufigste Ursache von Husten eine Virusinfektion. Je nach Virustyp kann die Hustenphase bei einer Erkältung bis zu acht Wochen andauern. Üblicherweise sollten die Beschwerden aber nach 10 bis 14 Tagen deutlich nachlassen, auch wenn es bis zur vollständigen Genesung noch einige Zeit dauern kann.

Hinter chronischem Husten stecken häufig mehrere Atemwegsinfektionen, die der Arzt behandeln sollte. Langandauernde Husten von mehr als drei Monaten könnte auch auf Asthma, COPD oder Raucherhusten hindeuten.

Zeichen von ernsthaften Erkrankungen

© Sly-Fotolia© Sly-FotoliaIn den meisten Fällen steckt nur eine harmlose Erkältung hinter dem Hustenreiz. Langanhaltender Husten kann aber auch Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. So tritt Husten als Symptom bei chronischen Schäden der Atemwege auf, wie sie bei Asthma oder der chronischen Lungenerkrankung COPD vorkommen.

COPD & Asthma
Bei Asthmatikern sind die Bronchien überempfindlich, verengen sich und produzieren viel zähen Schleim, den der Körper durch den Husten ausscheidet. Das gilt auch bei den Asthmaformen, die durch Allergien ausgelöst werden. Neben Husten zählen Atemnot und pfeifendes Ausatmen zu den typischen Symptomen. Was gegen Asthma hilft, erfahren Sie hier.

Bei der COPD, die häufig bei chronischen Rauchern vorkommt, ist das Lungengewebe so geschädigt, dass der Organismus nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann. Weitere Symptome der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sind Auswurf, Atemnot und Leistungsschwäche. Obwohl COPD zu den Volkskrankheiten gehört, wird sie oftmals unterschätzt: COPD belegt Platz Fünf der zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland.   

Asthma und COPD werden mit entzündungshemmenden bzw. bronchienerweiternden Arzneimittel behandelt. Eine eher seltene Ursache des Hustens, die aber schlecht therapierbar ist, ist das Bronchialkarzinom, das bevorzugt bei Rauchern auftritt. Lungenkrebs macht sich neben Hustenreiz auch durch Atembeschwerden und Brustschmerzen bemerkbar.

Allergien & Lungenentzündung
Auch Allergien, die oft von Entzündungen der Nasenschleimhaut, der Bindehaut oder des Rachens begleitet sind, können neben Juckreiz, Schnupfen und Magenbeschwerden auch Husten auslösen. Auf eine Allergie können die Symptome hindeuten, wenn sie immer nach dem Kontakt mit einer bestimmten Substanz auftreten. 

Husten ist auch Symptom einer Lungenentzündung. Sie tritt oft mit Schüttelfrost, Fieber, Auswurf, Schmerzen und Atemnot auf. Bei einer bakteriellen Lungenentzündung werden Antibiotika eingesetzt, die nach wenigen Tagen zur Besserung führen.

© Udo Kroener  - Fotolia.com© Udo Kroener - Fotolia.comDer Husten, der aus dem Magen kommt
Eher kurios mutet ein anderer Hustenverursacher an: Bei der sogenannten gastroösophagealen Refluxkrankheit fließt saurer Magensaft zurück in die Speiseröhre und kann von dort aus auch in die Luftröhre gelangen. Die Reizungen der Schleimhaut im Atemsystem aktivieren die Hustenrezeptoren und sorgen besonders für nächtlichen Hustenreiz. Gestillt werden kann der Husten durch säurehemmende Medikamente. Wer unter zu viel Magensäure leidet, sollte das Kopfende des Bettes höherstellen, um das Zurückfließen in die Speiseröhre zu verhindern. Schwere und reichhaltige Mahlzeiten am Abend können einen Reflux ebenfalls begünstigen.

Husten als Nebenwirkung
Husten kann auch durch Arzneimittel ausgelöst werden. Die häufigste Ursache sind bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck, die ACE-Hemmer. Sie hemmen den Abbau eines Botenstoffs im Körper, der Husten verursachen kann. Aber auch Medikamente, die inhaliert werden, können einen Hustenreiz auslösen.

Husten als Zeichen für Herzschwäche
In manchen Fällen hat Husten eine kardiologische Ursache. Ist die linke Kammer geschwächt, pumpt das Herz nicht mehr genug Blut in den Körper, so dass es sich bis in die Lunge staut, die sich neben dem Herzen befindet. Der Druckt presst Gebewebsflüssigkeit in die Lungenbläschen, die einen Hustenreiz auslösen und auf diese Weise abtransportiert werden. Das wichtigste Symptom einer Herzinsuffizienz ist jedoch nicht Husten, sondern Atemnot.  

Wie gefährlich ist Husten bei Schwangeren, Babys und Kleinkindern?

© memo - Fotolia.com© memo - Fotolia.comHusten ist zwar unangenehm, stellt aber für schwangere Frauen und ihr ungeborenes Kind keine Gefahr dar. Betroffene können nach ärztlicher Absprache  Hustensaft nehmen oder auf sanfte Hausmittel zurückgreifen: Kartoffel- oder Quarkwickel, heiße Zitrone oder Tropfen mit Eibisch oder Thymian lindern den Husten ebenfalls. 

Ein einmaliger Hustenanfall beim Baby oder Kleinkind ist kein Grund zur Sorge. Hustet das Baby jedoch länger, sollten die Eltern mit ihrem Nachwuchs zum Kinderarzt gehen. Er klärt, ob Ihr Baby unter einer Bronchitis oder Keuchhusten leidet und verschreibt das richtige Arzneimittel. Ansonsten helfen auch bei Babys klassische Hausmittel: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind viel trinkt, damit sich der Schleim löst. Gehen Sie mit ihm an die frische Luft, um die Genesung zu unterstützen, und überheizen Sie Ihre Wohnung nicht.   

Fazit

Husten, der länger als drei Wochen andauert, sollte unbedingt durch den Arzt abgeklärt werden. Das gilt besonders dann, wenn keine anderen Anzeichen einer Erkältung vorliegen. Aber auch Fieber, blutiger Auswurf oder ein starkes Krankheitsgefühl sollten ein Anlass sein, sich bei Husten ärztlich untersuchen zu lassen. Zigarettenrauch verstärkt eine Schädigung der Atemwege, kann selbst Erkrankungen auslösen und ist häufig an der Entstehung von Husten beteiligt.

 

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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