Eierstockkrebs ist tödlich, aber schwer zu erkennen! Alles über Symptome, Prognose und Therapie

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
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© jd-photodesign - fotoliaEierstockkrebs ist schwer zu erkennen, weil oft keine Symptome auftreten Die Diagnose „Eierstockkrebs“ kommt oft plötzlich. Lange haben die Betroffenen nichts bemerkt – und auf einmal sind sie mit Entscheidungen über Leben und Tod konfrontiert. Lesen Sie, was die Diagnose bedeutet und welche Behandlungsmöglichkeiten des Unterleibskrebses zur Verfügung stehen.

Eierstockkrebs: Definition, Häufigkeit, Risikofaktoren

Eierstockkrebs ist ein bösartiger Tumor, der das Gewebe der Eierstockhülle in Krebszellen umwandelt.

Bei Frauen ist Eierstockkrebs die sechsthäufigste Krebstodesursache. In Deutschland erkranken ungefähr 7800 Frauen pro Jahr daran. Neun der zehn Patientinnen sind älter als 60 Jahre. Jeder zehnte Fall ist auf genetische Belastungen zurückzuführen.  

Die genetische Belastung beruht auf einer Genveränderung für familiären Brust- und Eierstockkrebs: die BRCA1/2-Mutation. Trägerinnen der BRCA1/2- Mutation vererben die Genveränderung mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit an ihre Nachkommen.

Die Sterberate an Eierstock-, Eileiter- oder Bauchfellkrebs der BRCA1/2-Mutationsträgerinnen beträgt ohne vorbeugende Operation ungefähr 0,025 Prozent. Wird die BRCA1/2-Mutation nachgewiesen, ist die beidseitige vorbeugende operative Entfernung der Eierstöcke mit Eileitern vorzunehmen.

Nach einer vorbeugenden Operation sinkt die Sterberate der BRCA1/2-Mutationsträgerinnen an Eierstock-, Eileiter- oder Bachfellkrebs auf ungefähr 0,004 Prozent.

Das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken, erhöht sich

Je weniger Eisprünge es im Leben einer Frau gegeben hat, desto niedriger scheint das Eierstockkrebsrisiko zu sein. Die Einnahme der Antibabypille, mehrere Schwangerschaften und Stillzeiten verringern die Zahl der Eisprünge einer Frau. Sterilisierte Frauen scheinen auch ein geringeres Eierstockkrebsrisiko zu haben.

Vorsorgeuntersuchungen sind unzuverlässig

Zur Früherkennung des Eierstockkrebses gibt es einen Tumormarker, den CA 125. Ist die CA-125-Konzetration im Blut erhöht, kann das auf eine Krebserkrankung hindeuten. Es gibt jedoch keine verlässlichen Daten, die den Nutzen der CA 125-Bestimmung für die Eierstockdiagnostik oder die -behandlung bezeugen.

In einer großen Vorsorgestudie wurden 80.000 Teilnehmerinnen in zwei Gruppen aufgeteilt. Frauen in der ersten Gruppe wurden jedes Jahr mit Ultraschall und auf CA-125-Blutkonzentration untersucht, die zweite Gruppe erhielt keine Vorsorge. In beiden Gruppen starben gleich viele Frauen an Eierstockkrebs.

Darüber hinaus gab es bei acht von 100 Frauen in der Vorsorgeuntersuchungsgruppe einen Fehlverdacht auf Eierstockkrebs und bei drei Frauen wurden die Eierstöcke sogar unnötig entfernt.

© underdogstudios - fotoliaBauchschmerzen kann viele Symptome haben - auch Eierstockkrebs kann dahinter steckenSymptom-Check: Wie erkennt man Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs breitet sich meistens unbemerkt aus, denn der bösartige Tumor hat in der Bauchhöhle viel Platz, um zu wachsen.

Im Anschluss greift er die Nachbarorgane an: den anderen Eierstock, die Eileiter, die Gebärmutter, die Blase, den Darm, das Bauchfell, die Milz oder die Leber. Über Lymph- oder Blutbahnen kommen Krebszellen bis zur Lunge und ins Gehirn.

Wenn Anzeichen auftauchen, sind sie untypisch für Eierstockkrebs. Das heißt, sie können genauso auf andere Erkrankungen hinweisen, wie zum Beispiel gutartige Ovarial- oder Adnextumore. Bei Adnextumoren sind sowohl Eierstöcke als auch Eileiter betroffen.

Sind Sie über 50 und haben folgende Beschwerden, sollten Sie Sich untersuchen lassen:

  • Blutungen außerhalb der Monatsregel oder nach den Wechseljahren
  • Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Verdauungsbeschwerden, Verstopfung, Völlegefühl oder Blähungen
  • Gewichtsabnahme und gleichzeitige Zunahme des Bauchumfangs wegen Schwellungen im Unterbauch
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Häufiges Wasserlassen

Diagnose, Krankheitsstadien und Klassifikationen

Nach der Erhebung der Anamnse sind folgende Untersuchungen nötig, um die Diagnose zu stellen:

  • Frauenärztliche Untersuchung und vaginale Ultraschalluntersuchung: Sie zeigen oft einen vergrößerten Eierstock.
  • Bei einigen Fällen ist eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie sinnvoll.
  • Diagnostische Operation: Eine OP ist oft nötig, um die endgültige Diagnose zu stellen. Dabei kann der Chirurg herausfinden, ob der Tumor gut- oder bösartig ist. Während derselben OP ist die Entfernung des Tumors und der betroffenen Organe möglich.

Während der diagnostischen Eierstockoperation entnimmt der Chirurg kleine Teile des Tumors, die im Labor untersucht werden. Er stellt auch fest, inwiefern sich der Tumor schon ausgebreitet hat. Basierend auf den OP-Befunden wird der Tumor in eines der vier FIGO-Stadien eingestuft. Die aktuelle FIGO- Klassifikation von 2014 beschreibt die Ausbreitung des Tumors und wurde von der Internationalen Vereinigung für Gynäkologie und Geburtshilfe entwickelt.

Aktuelle FIGO-Klassifikation 2014:

FIGO- Stadium

Tumorausbreitung

I

Der Tumor ist auf die Eierstöcke oder die Eileiter begrenzt.

II

Der Tumor befällt einen oder beide Eierstöcke oder Eileiter und breitet sich im Becken aus. Eventuell liegt Bauchfellkrebs vor.

III

Der Tumor befällt einen oder beide Eierstöcke oder Eileiter oder Bauchfellkrebs liegt vor, mit feingeweblich nachgewiesenen Ansiedlungen im Bauchfell außerhalb des Beckens. Zusätzlich kann ein örtlicher Lymphknotenbefall auftreten.

IV

Es bestehen Fernmetastasen (Bauchfellbesiedlungen ausgenommen)

 

Die feingewebliche Untersuchung des Keimzelltumors im Labor zeigt, wie sehr sich die Krebszellen vom normalen Eierstockgewebe unterscheiden. Generell gilt, je unterschiedlicher die Krebszellen sind, desto aggressiver ist der Tumor. Krebszellen, die dem normalen Eierstockgewebe ähnlicher sind, werden als ,,gut differenziert‘‘ bezeichnet und haben eine niedrigere Wachstumsrate.

Sind Eierstocktumoren heilbar?

Der Krankheitsverlauf und die Überlebensaussichten einer Patientin mit Ovarialtumoren hängen von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel:

  • Alter und Allgemeinzustand
  • Ausbreitung des Tumors
  • Aggressivität des Tumors bzw. Differenzierung der Krebszellen
  • Verbliebener Tumorrest nach der Operation
  • Behandlung gemäß Leitlinien

©michaeljung - fotoliaWird das Tumorgewebe komplett entfernt, ist eine Heilung möglich4 Fakten zu Verlauf und Prognose des Eierstockkrebses:

  • Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Eierstockkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose liegt bei ungefähr 40 Prozent.
  • Wird das Tumorgewebe während der Operation vollständig entfernt und gibt es noch keine Metastasen, ist eine vollständige Heilung möglich.
  • Ist der Tumor auf die Eierstöcke begrenzt, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung 15 Jahre.
  • Wenn Metastasen im Endstadium erkannt werden, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung 14 Monate.

Behandlung: Operation und Chemotherapie

Die Behandlung des Eierstockkrebses beruht hauptsächlich auf der operativen Entfernung des Tumors und der betroffenen Organe und auf Chemotherapie.

In seltenen Fällen ist eine Strahlentherapie oder eine gezielte Antikörpertherapie angemessen. Letztere wird mit Bevacizumab durchgeführt, das nicht die Krebszellen selbst angreift, sondern auf die Umgebungszellen wirkt, die für das Tumorwachstum notwendig sind. Bevacizumab lässt die Krebszellen mehr oder weniger ,,verhungern‘‘.

Studien zeigen, dass die Antikörpertherapie bei Eierstockkrebs die Zeit bis zum Fortschreiten des Tumors um mehrere Monate verlängert, die Überlebensdauer aber nicht.

Die operative Entfernung des Tumors und der betroffenen Organe ist während einer diagnostischen OP möglich. Unter bestimmten Bedingungen hat diese Vorgehensweise einen entscheidenden Vorteil: Mit einer OP haben Sie die endgültige Diagnose und die operative Entfernung des Tumors hinter sich. Der Nachteil ist, dass Sie während der Narkose nicht mitentscheiden können, was passiert.

Wenn sich zum Beispiel der Krebs auf den Darm übertragen hat und Darmanteile entfernt werden, kann es sein, dass Sie mit einem künstlichen Darmausgang aufwachen. Deswegen ist es wichtig, gut zu überlegen, welche Möglichkeiten für Sie in Frage kommen.

Selbstverständlich informiert Sie der Arzt ausführlich über alle Möglichkeiten. Bedenken Sie aber, dass Sie schwerwiegende Entscheidungen unter belastenden Bedingungen treffen müssen.

Darüber hinaus werden Sie auf einmal mit Fachbegriffen bombardiert, die Ihnen völlig neu sind. Unter solchen Umständen hören manche Menschen gern, was Sie hören möchten. Um Missverständnisse zu vermeiden, hilft es, sich gut vorzubereiten.

Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt die Nutzung der folgenden Themenliste, um sicherzustellen, dass Sie umgehend informiert sind, bevor Sie über Ihre Behandlung entscheiden:

  • Dauer und Durchführung der Behandlung mit den zu erwartenden Resultaten, Nebenwirkungen und Besonderheiten
  • Einfluss der Behandlung auf Fruchtbarkeit und Sexualität
  • Möglichkeiten der Prophylaxe und Behandlung therapiebedingter Nebenwirkungen, zum Beispiel vorzeitige Wechseljahresbeschwer­den, Übelkeit und Erbrechen, Gefühlsstörungen oder Lymphödeme
  • Insbesondere bei jungen Frauen kann die OP womöglich so gestaltet werden, dass die Frauen weiterhin schwanger werden können
  • Manchmal ist es nötig, während der OP einen vorübergehenden oder sehr selten einen dauerhaften künstlichen Darmausgang anzulegen
  • Chemotherapie: Ablauf und angestrebte Behandlungsziele, Nebenwirkungen und mögliche Spätfolgen
  • Teilnahme an klinischen Studien
  • Notwendigkeit regelmäßiger Nachsorgeuntersuchungen
  • Rehabilitation, Sozialberatung, Psychoonkologie: Bei Bedarf gibt es hier weiterführende fachliche Beratungen
  • Jede Behandlung erfordert die Mitwirkung der Patientin. Lassen Sie sich erklären, in welchen Bereichen Ihre Initiative gefragt ist.

Wichtig: Die endgültige Entscheidung über Ihre Behandlung liegt immer bei Ihnen selbst.  

Zusätzlich zur OP ist eine Chemotherapie möglich. Damit lassen sich die Krebszellen bekämpfen, die nach der Operation übriggeblieben sind. Dafür werden Zytostatika intravenös eingesetzt, die die Zellteilung verhindern. Krebszellen, die sich gern schnell teilen, werden dadurch zerstört.

©fotolia-81427093.jpgHaarausfall gehört zu den Nebenwirkungen einer ChemotherapieLeider greifen die Medikamente auch normale Körperzellen an. Deshalb kommt es zu Nebenwirkungen wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Haarausfall, Infektionen, Erschöpfung, Veränderungen des Blutbildes, Schädigung des Knochenmarks, der Leber, der Nieren, der Nerven und des Gehörs.

Meistens beginnt die Chemotherapie innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Operation und wird in verschiedene Phasen eingeteilt. Zwischen den Phasen sind Pausen eingeplant, damit sich der Körper wieder erholen kann. 

Nebenwirkungen lindern

Begleiterscheinungen der Krebserkrankung und Nebenwirkungen der Krebsbehandlungen werden mit gezielten Maßnahmen gelindert. Dazu gehören:

Begleiterscheinung oder Nebenwirkung

Das hilft

Wechseljahresbeschwerden

Hormontherapie für Einzelfälle mit erheblicher Einschränkung oder fortgeschrittener Osteoporose

Dauerhafte Müdigkeit und Erschöpfung

Moderates, auf Sie persönlich abgestimmtes Sportprogramm

Schmerzen

Medikamentöse Therapie: herkömmliche Schmerzmittel, Lokalanästhetika, Opioide

Ängste und Depressionen

Psychopharmaka

 

Nachsorge und Rehabilitation, Behandlung im Endstadium

Eierstockkrebs kann nach der Primärtherapie zurückkehren. Deshalb ist es wichtig, die regelmäßigen Nachuntersuchungen wahrzunehmen, nachdem Ihre Behandlung abgeschlossen ist. Wie viele Nachsorgeuntersuchungen anstehen, ist von Ihrem individuellen Krankheitsverlauf abhängig.

Das Ziel der medizinischen Rehabilitation ist die Wiedereingliederung der Patientin in die Familie, die Gesellschaft und das Berufsleben. Sie dauert meistens drei Wochen und hilft Ihnen bei der Bewältigung Ihrer Erkrankung. Sie lernen, wie Sie mit Ihrer körperlichen und psychischen Situation besser zurechtkommen.

Im Endstadium, wenn die Erkrankung nicht mehr heilbar ist, kommt es häufig zu Gewichtverlust, Müdigkeit und Erschöpfung, starken Schmerzen und psychischen Probleme. Dann hilft die Palliativmedizin, die Beschwerden zu lindern.

 

Quellen: 

  • Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren, Langversion 1.1, 2013, AWMF-Registernummer: 032/035OL, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Leitlinien.7.0.html, Stand: 08.09.2016.
  • Burges A, Schmalfeldt Ovarialkarzinom: Diagnostik und Therapie. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(38): 635-41.
  • Society of Gynecologic Oncology: FIGO Ovarian Cancer Staging Effective Jan. 1, 2014 sgo.org accessed on 08.09.2016.

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