Therapie-Empfehlungen bei einer Degeneration der Rotatorenmanschette

Dr. Casper

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©pololia - fotoliaTypische Symptome einer Degeneration der Rotatorenmanschette sind Schmerzen in der Außenseite des Oberarmes (©pololia - fotolia)Als Rotatorenmanschette wird die Muskelgruppe bezeichnet, die vom Schulterblatt zum Oberarmkopf zieht und dafür verantwortlich ist, dass der kugelige Oberarmkopf zu jedem Zeitpunkt der Bewegung an der flachen Schulterpfanne zentriert ist. Sie besteht aus vier einzelnen Muskeln, dem Muskulus supraspinatus (Obergrätenmuskel), dem Muskulus infraspinatus (Untergrätenmuskel) sowie dem Muskulus subscapularis (Unterschulterblattmuskel) und dem Muskulus teres minor (kleiner Rundmuskel). Im allgemeinen Sprachgebrauch der Ärzte wird die Rotatorenmanschette auch auf den Muskulus supraspinatus subsumiert. Grund hierfür ist, dass dieser durch eine anatomisch vorgegebene Enge zwischen dem Schulterdachknochen (Akromion) und dem Oberarmkopf hindurchtritt. Dadurch betreffen 80-95 % der Veränderungen der Rotatorenmanschette die Sehne des Muskulus supraspinatus.

 

 

Ursachen und Symptome einer degenerativen Rotatorenmanschette

Die häufigsten Ursachen einer degenerativen Rotatorenmanschette sind zum einen durch den engen Raum zwischen dem Schulterdachknochen und dem Oberarmkopf gegeben (Impingementsyndrom).

Dieser kann zusätzlich durch knöcherne Anbauten, insbesondere bei verschlissenem Gelenk (Arthrose) zwischen dem Schlüsselbein und dem Schulterdachknochen
(Akromioclaviculargelenk), noch enger werden. Ferner besteht im Bereich des Ansatzes der Supraspinatussehne am Oberarmkopf eine Zone der Minderdurchblutung; diese gestörte Durchblutung der Sehne wird im Alter immer schlechter.

Folglich ist die Degeneration der Rotatorenmanschette eine im Alter progrediente Verschleißveränderung der Sehne des Muskulus supraspinatus. Die typischen Beschwerden sind die Beschwerden des Obergrätenmuskels wie Schmerzen beim Abspreizen des Armes zur Seite über die Horizontale hinaus. Diese Schmerzen treten insbesondere an der Außenseite der Schulter auf und ziehen dann an der Außenseite des Oberarmes bis zum Ellenbogengelenk.


Konservative Behandlung und Verhaltenstipps für den Alltag

©Dr. CasperMRT-Bild einer degenerativen Rotatorenmanschettenruptur (©Dr. Casper)Wenn es noch zu keinem wesentlichen Substanzdefekt der Supraspinatussehne gekommen ist, so sollte hier als wichtigste Primärtherapie die Manuelle Therapie mit Traktion (Zug, Dehnung) und Stärkung der nach unten gerichteten Muskelgruppe erfolgen. Da wir im Alltag sehr viel Tragen und beim Sport häufig die vordere Schultermuskelgruppe auftrainieren, sollte hier umgedacht werden – besser wäre es, die Muskulatur aufzutrainieren, da diese den Arm mit Kraft nach unten führt.

Schlecht bei der Behandlung sind Überkopfsportarten wie Tennis, Bankdrücken, Gewichtheben, d.h. alles, was den Oberarm mit Kraft über die Horizontale hebt. Aber auch sportliches Fahrradfahren ist unvorteilhaft, da beim Abstützen auf dem Lenker der Oberarmkopf in Richtung Schulterdachknochen gedrückt wird, wodurch der Raum enger wird.

Gute Bewegungen sind zum Beispiel Schwimmen, Rudern und weitere Übungen, bei denen der gestreckte Arm gegen einen Widerstand nach unten gedrückt wird.


Behandlung mit Cortison

Eine lokale Cortison-Injektion sollte vermieden werden, da Cortison die bereits veränderte Sehne verändert und schneller einen Riss nach sich ziehen kann. Ist es jedoch bereits zu einer wesentlichen Degeneration (Zerstörung) der Rotatorenmanschette gekommen, die mehr als 1/3 der Sehnendicke betrifft oder liegt gar ein Sehneneinriss vor, so sollte hier eine operative Rekonstruktion erfolgen, da die Rotatorenmanschette aufgrund der schlechten ansatznahen Durchblutung über wenig Eigenheilungstendenz verfügt.

 

Behandlungsmöglichkeiten bei einer Degeneration der Rotatorenmanschette

Hier steht Betroffenen eine Vielzahl operativer Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die offen oder in Schlüssellochtechnik arthroskopisch erfolgen können.

Ein Unterschied im Ergebnis besteht seitens des offenen oder arthroskopischen Verfahrens nicht. Bei allen Verfahren muss aber die Rekonstruktionsstelle für 6 Wochen entlastet werden. Dies geschieht mit Hilfe einer speziellen Schulterschlinge.

Anschließend braucht man mindestens die doppelte Zeit zur Wiedererlangung der Beweglichkeit sowie der wichtigen Koordination des Bewegungsablaufes zwischen dem Schulterblatt und dem Oberarmkopf bei nunmehr veränderter, verkürzter Sehne der Rotatorenmanschette.

©fotolia-60574476-bilderzwergAnatomie der Schulter (©fotolia-60574476-bilderzwerg)Man muss also bei einer Naht der Rotatorenmanschette von einer Arbeitsunfähigkeit von 6 bis 18 Wochen ausgehen. Ist die Supraspinatussehne defekt und nicht mehr rekonstruierbar, so droht der Oberarmkopf zu dezentrieren und nach oben unter das Schulterdach zu wandern, um sich dort einzuschleifen.

Als neue moderne Therapieoption kann hier aufgrund der fehlenden Rekonstruierbarkeit ein Platzhalter zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf implantiert werden, um den Oberarmkopf wieder an der Schulterpfanne zu zentrieren.

 

Fazit

Langfristig droht bei vollständiger Destruktion der Rotatorenmanschette und Dezentrierung des Oberarmkopfes eine Arthrose des Schultergelenkes, welche die Implantation einer inversen Schulter-Totalendoprothese notwendig werden lässt. Dies gilt es, durch frühzeitige zielgerichtete Therapie zu verhindern!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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