Die autologe Knorpeltransplantation gegen Arthrose am Kniegelenk

Bei einer Arthrose im Kniegelenk ist eine Knorpeltransplantation eine mögliche Behandlungsmethode (© Ostermeier)

Bei der autologen Knorpeltransplantation (ACT) werden lokale Knorpelschäden im Knie therapiert. Aus einem begrenzten Knorpelschaden soll keine Knierthrose werden. Man kann zwar viele Fälle von Arthrose durch die gelenkerhaltende Therapie mit Knorpeltransplantation verhindern, ist die Kniearthrose aber bereits eingetreten, kann nur noch das Kunstgelenk helfen. 

Bei der Knorpeltherapie gibt es unterschiedliche Operationsverfahren, die nicht die gleichen Ergebnisse erzielen.

Knorpeltransplantation oder künstliches Gelenk?

Die Entscheidung Knorpeltherapie oder Prothese ist keine Frage der persönlichen Vorliebe. Die medizinischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Knorpeltransplantation müssen gegeben sein, denn sonst kann keine Knorpeltherapie angeboten werden und das Gelenk muss mit einer Teilprothese oder Prothese beweglich gehalten werden.

Bei welchen Gelenkproblemen hilft die Knorpeltransplantation?

Die Knorpeltherapie kommt bei lokal begrenzten Knorpelschäden, häufig nach einem Unfall, zum Einsatz. Liegt bereits eine ausgeprägte Arthrose mit Entzündungen, Bildung von Knochenspornen und großflächigem Knorpelverlust im Gelenk vor, so ist die Bildung von biologischem Ersatzknorpel nicht mehr erfolgversprechend. Dann wird, je nach Ausmaß der Schäden und der Arthrose-Entwicklung, eher eine Teil- oder Vollprothese empfohlen.

Welche Patienten sind für die Knorpeltransplantation geeignet?

Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung ist eine vitale Knorpelumgebung im Knie rund um die Schadstelle. Die Patienten einer Knorpeltransplantation sind daher eher jünger, als bei der Operation einer Knieprothese.

Es gibt bei der ACT keine feste Altersgrenze, da das biologische Alter entscheidet. Die Knorpeltransplantation kann Knorpelschäden ohne Nachteile oder Nebenwirkungen sanieren. Wichtig ist, dass das behandelte Gelenk noch keine ausgeprägte Arthrose aufweist und Menisken, Bänder und Knochen weitgehend intakt sind.

Während Sie sich von der Transplantation erholen sind Schwimmen und Radfahren ideale Ausdauersportarten für Sie (© Patrizia Tilly - fotolia)
Alternativen zur Knorpeltransplantation: Mikrofrakturierung

Bei der sogenannten Mikrofrakturierung etwa wird der beschädigte Knorpel minimalinvasiv entfernt. Dann wird der darunter liegende Knochen angebohrt, sodass sich an der Schadstelle zunächst ein Blutpfropf und später Narbengewebe bildet, das den Knorpelschaden wieder abdeckt. Der entstehende bindegewebige Faserknorpel ohne zelluläre Bestandteile hat jedoch andere Eigenschaften als echtes Knorpelgewebe.

Vorteile der autologen Knorpeltransplantation

Langfristig ist die autologe Knorpeltransplantation (ACT) der Mikrofrakturierung therapeutisch überlegen, weil hier echter Gelenk-Knorpel mit Knorpelzellen nachgebildet wird. Körpereigener Knorpel wird im Labor nachgezüchtet und ca. sechs bis acht Wochen später an der Schadstelle eingepflanzt. Nach einer dreimonatigen Entlastung mit Unterarmgehstützen bilden diese Knorpelzellen wieder echten Gelenkknorpel aus.

Nach einigen Jahren sind die Ergebnisse der Knorpeltransplantation deutlich besser als nach der Mikrofrakturierung. Einziger Nachteil der Knorpeltransplantation: Es sind zwei Operationen im Abstand von sechs bis acht Wochen erforderlich, die Entnahme und das Einpflanzen, sowie eine längere Rehabilitation mit Entlastung des Gelenks.

Nach der Knorpeltransplantation: Was müssen Patienten beachten?

Nach der Knorpeltransplantation wird das Gelenk sechs Wochen nicht belastet, aber ohne Belastung regelmäßig bewegt. So bildet sich wieder eine Knorpelschicht. Dann erfolgt ein schrittweiser Belastungsaufbau mit Hilfe von Unterarmgehstützen. Dies kann auch zu Hause geschehen, in Verbindung mit regelmäßigem Besuch des Physiotherapeuten.

Nach etwa einem Jahr ist eine uneingeschränkte Sportfähigkeit gegeben. In der Phase der Rehabilitation sollte der Patient darauf achten, Stoßbelastungen im Kniegeelnk zu vermeiden. Radfahren oder Schwimmen sind ideale Ausdauersportarten in diesem Zeitraum.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (14)

Patrick, 20.04.2021 - 16:25 Uhr

Dieser Artikel ist zwar schon eine Weile her aber ich hätte auch eine Frage - laut MRT Befund habe ich "Chrondropathia 2.-3. Grades retropatellar zentral sowie paramedian medial. Das fermorale Gleitlager lässt hiermit korrespondierend eine Chrondopathie 2.-3. Grades erkennen" Darüber hinaus, sind die Minisken "altersgerecht" (bin übrigens 42) und die Bänder intakt. Ich bin auf diesen Artikel gestossen und fand ihn sehr interessant aber frage mich, ob meine Erkrankung auch dafür in Frage käme - wenn Ja wäre interessant zu wissen (6 Wochen Ruhigstellung - ist dies wirklich so und darf das Bein 6 Wochen lang nicht benutzt werden ?

Antwort von Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, verfasst am 05.05.2021

Lieber Patient, generell ist eine autologe Knorpeltransplantation bei retropatellarer Arthrose möglich. Ob sie in Ihrem Fall als Option in Frage kommt, müsste jedoch vor Ort geklärt mit entsprechender Befundung geklärt werden. Die Entlastungsphase nach einer Knorpelzelltransplantation hängt auch vom Ort der Operation ab: wird die Transplantation rein retropatellar durchgeführt kann deutlich früher belastet werden, als bei einer zusätzlichen tibiofemoralen Knorpeltransplantation. In diesem Fall sind 6 Wochen Entlastung in der Regel einzuhalten.

Daniela, 15.12.2019 - 17:56 Uhr

Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Ich frage mich ob die Behandlung für mich passen würde? Ich habe eine MPFL Op 2012 hinter mir nach 2x Patellaluxation. Nach erneuten Schmerzen hat das MRT jetzt ergeben: massive Patella lateralisation und massiver (was auch immer das heißt) Knorpelschaden retropatellar. Mein behandelnder Orthopäde empfiehlt erstmal Hyaluron und dann das aufsuchen eines potentiellen Operateurs wegen Expertenmeinung. Ich frage mich ob ich direkt eine Klinik aufsuchen soll die prinzipiell Knorpeltransplantation machen könnte? Oder ist das schon zu spät. Ich bin 43 und mein restliches Knie sieht laut Befund gut aus.

Antwort von Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, verfasst am 05.02.2020

Liebe Patientin, die Empfehlung Ihres Orthopäden, einen Experten aufzusuchen, ist sicherlich richtig. Dort kann man Sie hinsichtlich Ihres Befundes und anhand der klinischen Untersuchung am besten beraten. Eine solche Entscheidung lässt sich nicht per Ferndiagnose treffen.

Silke F., 16.03.2019 - 10:26 Uhr

Ich hatte im Oktober 2018 eine Knorpeltransplantation unter der linken Kniescheibe. War zur Reha und mache jetzt noch ca.1 Monat das Irena-Programm. Habe aber in Abständen immer sehr starke stechende Schmerzen im Knie, sodass ich kaum auftreten kann. Das gibt sich dann nach einer Woche etwa wieder. Lange belasten kann ich es auch noch nicht. Es ist immer ein leichter Schmerz da. Nun meine Frage: Hab ich noch Chancen auf eine Heilung? Oder ist es ratsam, sich noch bei einem anderen Arzt vorzustellen?!

Antwort von Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, verfasst am 01.04.2019

Liebe Patientin, bitte stellen Sie sich doch mit Ihrer Situation nach Kniearthrose bei einem erfahrenen Facharzt vor. Gute Besserung!

Daniel B., 07.07.2018 - 01:23 Uhr

Vielen Dank für den tollen Artikel. Ich habe seit 5 Jahren Knieschmerzen und habe mich nach einer erfolglosen Operation zum lateralen Release der Kniescheibe zu einer Operation zur Mikrofrakturierung entschieden, die Operation ist gut drei Monate her, aber ich habe noch immer spürbare Schmerzen bei jeder Bewegung. Ich bin 37 Jahre alt und habe bisher "für den Sport gelebt", im Moment bin ich sehr deprimiert und niedergeschlagen da mir Sport jedweder Art sehr fehlt. Dem Artikel entnehme ich, dass eine MF letzten Endes mir bei meinem aktiven Lebenswandel nur Aufschub gewähren würde, richtig? Wäre eine Knorpeltransplantation die richtige(re) Wahl gewesen? Vielen Dank für einen kurzen Denkanstoss, ich wünsche mir so sehr ein schmerzfreies und sportliches Leben.

Antwort von Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, verfasst am 27.07.2018

Lieber Patient, vielen Dank für Ihre Anfrage. So pauschal kann ich ihre Rückfrage ohne genaue Sichtung der Befunde nicht beantworten. Es gibt zudem einige Schmerzursachen für Patellaschmerzen außer der Chondromalazie. Im Vergleich zur Mikrofrakturierungen haben wir bei der Knorpeltransplantation allerdings die eigene Erfahrung und wissenschaftliche Nacheise für deutlich bessere Langzeitergebnisse. Durch die Knorpeltransplantation entsteht zellhaltiges, hyalines Knorpelgewebe dass dem umliegenden Knorpel völlig gleicht. Durch die Mikofraktureirung entsteht nicht zellhaltiges Bindegewebe dass sich hinsichtlich der Elastizität, Dämpfungseigenschaften, Wasserbindung und Langzeitstabilität deutlich von Knorpelgewebe unterscheidet. Dadurch entstehen zwei unterschiedliche Phasen mit ungleichen Eigenschaften in der hochbelasteten Gleitschicht unter der Patella.

Frank H., 20.04.2018 - 06:54 Uhr

Hatte Ende Nov. 2017 eine Innenmeniskus-Op am linken Knie, bei dem ein relativ großes Stück des Meniskus entfernt wurde. Nachfolgend wurde an der Stelle auch ein Knorpelschaden (3.Grades) festgestellt (ein Loch von ca.1 bis 2 cm). Kommt für mich eine Knorpeltransplantation in Frage? Ich bin 53 Jahre und sportlich recht aktiv. Radfahren und ca. 3-4 mal die Woche gehe bzw. ging ich laufen. Hoffe sie können mir weiter helfen.

Antwort von Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, verfasst am 15.05.2018

Lieber Patient, vielen Dank für Ihre Anfrage. Die von Ihnen beschriebene Situation eignet sich prizipiell für die Durchführung einer Knorpeltransplantation. Die vor zu klärende Frage betrifft die Meniskus Funktion: Wenn die Meniskus Funktion durch die bei ihnen durchgeführte teilweise Meniskektomie zu sehr eingeschränkt ist, kann es möglich sein, das eine autologe Knorpeltransplantation am Kniegelenk nicht mehr durchführbar ist. Unter Umständen müssen Sie nach einem solchen Eingriff angesichts der möglicherweise eingeschränkten Meniskus Funktion den Kompromiss eingehen, mehr Fahrrad zu fahren und zu gehen, aber weniger zu häufig zu laufen, um ihre Gesamtbelastung zu senken. Diese Frage lässt sich aber nur nach einer eingehenden Untersuchung beantworten.

Lisia, 27.12.2017 - 15:24 Uhr

Danke für die kurze und anschauliche Darstellung von Knorpeltransplantation. Diese interessiert mich in sofern, als ich mir nach einem Unfall neben dem VKB-Riss und Meniskusschäden ebenfalls Knorpelschaden einhandelte. 2016 in erster ASK Meniskusteilresektion (medial), Resektion des VKB, Glättung der Knorpelschäden (2. und 3. gradige), dann folgte in zweiter Sitzung die VKB-Plastik mit Semi-T in all inside-Technik. Es folgte 8 Wo. danach eine Reha-Maßnahme. Ab Mai dieses Jahres Gefühl einer Instabilität des Kniegelenks. In diesem Sommer bei einem kleinen Sprung eine Reruptur der Plastik. Die Behandlung sieht eine Revision und möglicherweise auch Stabilisierung der Außenbänder vor. Bei der ASK (diagnostisch, da die MRT viele Artefakte aufwies) vor zwei Monaten sah mein Knorpel recht gut aus, keinerlei Entzündung an den Rändern, kleine Flächen, eine tiefere Stelle (die 3. gradige) so groß, wie die Spitze des Testhackens. Wäre es sinnvoll, nachdem das Knie stabilisiert und ausgeheilt wäre, über die Ausbesserung der Knorpelschäden mittels einer Transplantation nachzudenken? Vielen Dank im Voraus!

Antwort von Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, verfasst am 12.01.2018

Liebe Patientin, vielen Dank für diese Anfrage. Das wäre tatsächlich eine Anwendung für die Knorpeltransplantation, um lokale Schäden im Gelenkknorpel wieder aufzufüllen.

Petra, 23.11.2017 - 12:03 Uhr

Im Juli hatte ich einen Arbeitsunfall. MRT Verschleiskniegelenk 2-3 Grad OP Knochensplitter und Entzüngung entfernt. Bis heute noch immer Schmerzen, nach die Arbeit am schlimmsten komm dann fast nicht mehr die Treppe hoch. Wenn ich morgens aufstehe komme ich mit Schmerzen und Knacken die Treppe runter. Ich bin 43 Jahre. Was kann ich am besten machen?

Antwort von Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, verfasst am 29.11.2017

Liebe Patientin, bitte lassen Sie sich doch nochmals ausführlich untersuchen. Häufig werden mehrere Strukturen im Kniegelenk verletzt, wie Meniskus, Kreuzbänder oder Patella (Kniescheibe) , aber nicht alles angemessen behandelt. Besondere Schmerzen beim Treppenabwärtsgehen könnten das vordere Kreuzband oder auch die Kniescheibe betreffen.

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