So hilft die Hypnose bei Schwangerschaft und Geburt

Frau Bauer

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© fotolia - drubig-photoHypnose kann Ängste nehmen (© fotolia - drubig-photo)Während der klassischen Geburtsvorbereitung werden die Mütter in Spe mit vielen handlichen Tipps rund um die Geburt versorgt: Was kommt alles in den Klinikkoffer? Was tun bei Stillproblemen? Wie läuft eine Geburt überhaupt ab? All das ist wichtig und vor allem für Erstgebärende eine hilfreiche Unterstützung. Aber was passiert mit den Ängsten rund um die Geburt, mit den Unsicherheiten, die den neuen Lebensabschnitt betreffen?

Herausforderungen während der Schwangerschaft

Die strahlend schönen, überglücklichen Schwangeren aus der Werbung täuschen: Viele Schwangere durchleben in der Tat physische Beschwerden und häufig auch emotionale Herausforderungen. Können sie darüber mit dem Gynäkologen oder der Hebamme sprechen? Vielleicht. Mit der Freundin oder der Mutter? Möglicherweise. 

Idealerweise findet die werdende Mutter viele Ressourcen, die sie während dieser besonders sensiblen Zeit benötigt, in sich selbst. Das schafft Ruhe, Sicherheit und Selbstvertrauen.

Hypnose kann während der Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung sehr hilfreich und wirkungsvoll sein. Hypnose bedeutet Trance. Trance bedeutet fokussierte Aufmerksamkeit nach innen. Diese effektive und sehr wertvolle Methode wurde schon seit Urzeiten während der Geburt angewendet, allerdings ist sie aufgrund der Modernisierung und Technisierung der Geburtshilfe in den letzten Jahrzehnten weitestgehend in Vergessenheit geraten. 


Was kann Hypnose während der Schwangerschaft?

Als mentale Form der Geburtsvorbereitung setzt die Hypnose auf kraftvolle Visualisierung, stärkende Affirmationen und das Verankern positiver Gefühlszustände. Durch regelmäßig angewandte Hypnose und Selbsthypnose wird die Mutter-Kind-Bindung gestärkt: Ein enger Kontakt zum Ungeborenen entsteht und kann gepflegt werden. Eine wichtige Ressource, die den Schwangerschaftsverlauf positiv beeinflusst.

Der angenehme, entspannte Trance-Zustand bessert nachweislich das körperliche und psychische Wohlbefinden. Er beeinflusst Schwangerschaftsbeschwerden und vermindert oder beseitigt das Stressempfinden. Während jeder Trance werden Endorphine ausgeschüttet, körpereigene Glückshormone, die nachweislich auch als schmerzhemmende Stoffe wirken - zum Teil 200x-mal stärker als Morphium!


© Subbotina Anna - fotoliaAngst kann Verspannungen auslösen, die wiederum zu Schmerz führen (© Subbotina Anna - fotolia)Angst-Schmerz-Kreislauf während der Geburt

Der englische Gynäkologe Grantly Dick-Read (1890 bis 1959) hat sich intensiv mit der natürlichen Geburt beschäftigt und hat mit seinen Erkenntnissen die Hypno-Birthing-Methode entscheidend mit entwickelt. Eine seiner Erkenntnisse waren: 

„Die schlimmsten Feinde der natürlichen Entbindung sind die Angst und die Unwissenheit.“

Angst und Unwissenheit lösen Verkrampfungen und Verspannungen aus. Sie wiederum führen zu Schmerzen. Wenn die Gebärende in diesem Angst-Verkrampfungs-Schmerz-Kreislauf bleibt, löst der Körper im Notfall einen Alarm aus, der zu einer andauernden Flucht,- Kampf- oder Erstarrungsreaktion führen kann.

Die Folge: Der Gebärmutterhals bleibt angespannt und verschlossen. Kann dieser Kreislauf auch durch aktives Atmen, gezieltes Entspannen von Muskelgruppen und Gedankentätigkeit nicht unterbrochen werden, steigert sich die Gebärende immer mehr in diesen Geburtsschmerz hinein. Das fordert viel Kraft, sie resigniert innerlich und hat nur noch einen Wunsch: Endlich keine Schmerzen mehr zu haben. 

„Das große Ziel ist die Angstfreiheit - und nicht die Schmerzfreiheit. Denn Angstfreiheit führt zur Schmerztoleranz!“ (Grantly Dick-Read)

Wie hilft Hypnose bei der Geburt?

Hypnose und Selbsthypnose können wunderbare Wege sein, Ängste bewusst wahrzunehmen und aufzulösen, indem der Fokus auf die positiv verankerten Erfahrungen von Vertrauen und Sicherheit gerichtet werden. 

Ein weiterer Schatz liegt im natürlichen Geburtsverlauf: in der Abwechslung zwischen den Wehen und den schmerzfreien Pausen. Eine Wehe, also eine Kontraktion der Gebärmutter, dauert ca. 40 oder 60, maximal 90 Sekunden. Eine Wehenpause ca. 4 Minuten. Der Körper ist so klug, nach jeder dieser einzigartigen Leistungen ganz automatisch eine schmerzfreie Pause einzulegen!

© Monika Wisniewska_fotoliaMit Hypnose haben viele Schwangere gute Erfahrungen gemacht (© Monika Wisniewska_fotolia)Mit Hilfe der Hypnose können bewusst Entspannungsmomente in den Wehenpausen erzeugt werden. Außerdem bietet die Hypnose Strategien, um die Wehen zu bewältigen, anstatt von ihr „überwältigt“ zu werden. 

Wichtig: Die positiv unterstützenden Ziele der Hypnose werden vor allem dann in voller Kraft entfaltet, wenn die Hypnose und Selbsthypnose regelmäßig wiederholt wird. Je öfter Sie trainieren, desto rascher und intensiver können Sie die positiven Fähigkeiten abrufen.

Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass ein Erwachsener mindestens 21 Tage braucht, um eine neue Denkweise oder ein neues Verhaltensmuster zu entwickeln und es als neue Nervenspuren im Gehirn zu verfestigen. So wird aus einem Trampelpfad eine Autobahn und das Neue wird schnell zu abrufbarem Wissen. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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