Hypnose – Humbug oder heilsam?

Zu Beginn der Hypnose soll sich der Patient auf einen einzelnen Gegenstand konzentrieren. Doch was passiert dann? (© Monika Wisniewska_fotolia)

Beim Stichwort Hypnose denken viele Menschen an übersinnliche Kräfte oder Bühnenshows mit Knalleffekt. In diesem Gesundheitsspecial erläutert die jameda Gesundheitsredaktion, wie das Verfahren der Hypnose innerhalb der Hypnotherapie zur Heilung bestimmter Erkrankungen genutzt werden kann.

Hypnose – ein Wachzustand mit verändertem Bewusstsein

Unter Hypnose versteht man sowohl das Verfahren, den bewusstseinsveränderten Wachzustand der hypnotischen Trance zu erzeugen, als auch den Zustand der hypnotischen Trance selbst. Da der Zustand schlafähnlich wirkt, erhielt er im 19. Jahrhundert die Bezeichnung Hypnose von griechisch hypnos für Schlaf. Längst weiß man, dass sich der hypnotische Zustand deutlich vom Schlaf unterscheidet, die Bezeichnung hat sich jedoch bis heute gehalten. Wer sich in Hypnose befindet, ist wach und ansprechbar, das Bewusstsein ist jedoch stark eingeschränkt und die Aufmerksamkeit auf wenige Aspekte begrenzt. Der Puls ist normalerweise ruhig, der Körper entspannt. In dieser Situation ist der Hypnotisierte besonders empfänglich für Heilungs- und Lernprozesse.

Vom „animalischen Magnetismus“ zur Hypnotherapie

Die Methode der Hypnose wurde schon im alten Ägypten und in der Antike im mythisch-religiösen Zusammenhang genutzt. Wissenschaftlich interessierte man sich für Hypnose im 18. Jahrhundert, als Franz Anton Mesmer (1734-1815) den Begriff des „Animalischen Magnetismus“ prägte. Der schottische Arzt James Braid (1795-1860) führte schließlich den Begriff „Hypnose“ ein. Die Hypnose und ihre Heilanwendungen wurden stets weiterentwickelt, im 20. Jahrhundert entwickelte sich daraus u. a. die Methode des Autogenen Trainings. In Form der Hypnotherapie ist die Hypnose in Deutschland seit 2006 zur Behandlung bestimmter Erkrankungen vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie anerkannt.

Humbug oder heilsam?

Der Einsatz von Hypnose kann nicht nur bei Depressionen sinnvoll sein. (© Hypnose ist bei Depressionen sinnvoll )
Werden Elemente der Hypnose in Bühnenshows verwendet, kann man oft nicht unterscheiden, ob die Hypnose echt ist oder nicht. Der Bühnenhypnotiseur sollte sein Handwerk jedoch gut beherrschen, um bei einer echten Hypnose vor Zuschauern keinen Schaden anzurichten. Hypnose zu Heilzwecken muss selbstverständlich frei von Tricks und Scharlatanerie sein, um bestimmte Erkrankungen heilen zu können. Sie wird angewandt bei Angststörungen, z. B. Flug- und Prüfungsangst, Spinnenphobie oder Angst vor Zahnarztbesuchen, Schmerzzuständen, traumatischen Belastungsstörungen, Schlafstörungen, Depressionen und Essstörungen. Auch wer das Rauchen aufgeben möchte, kann durch Hypnose Hilfe erhalten. Nicht angewendet werden darf die Hypnotherapie bei Psychosen wie Schizophrenie und bipolaren Störungen.

Wie läuft eine Hypnose ab?

Der Erfolg der Hypnotherapie/Hypnose beruht auf einem vertrauensvollen Verhältnis zwischen Patient und Therapeut. Nur durch Mithilfe des Patienten kann eine Hypnose erfolgreich sein, niemand kann gegen seinen Willen hypnotisiert werden. Zunächst wird der Therapeut das Verfahren der Hypnose erläutern und auf eventuelle Zweifel des Patienten eingehen. Auch wird er sich nach Ängsten erkundigen, um in der Hypnose nicht unbeabsichtigt Bilder in diesem Zusammenhang zu verwenden. Kontraindikationen wie psychotische Erkrankungen muss der Therapeut ausschließen. Je nach Schwere der Störung bedarf es einer oder mehrerer Hypnose-Sitzungen, bis sich ein Erfolg einstellt. Auch spricht jeder Mensch unterschiedlich auf Hypnose an. Die meisten Menschen besitzen eine mittlere Suggestibilität, lassen sich also relativ bereitwillig durch die Eingebungen (Suggestionen) des Hypnotiseurs leiten.

„Blicken Sie auf meine Fingerspitzen“: Die Aufmerksamkeit wird eingeengt

Zu Beginn der Behandlung vereinbaren Patient und Therapeut zunächst das Ziel der Hypnosesitzung, z. B. die Überwindung einer Spinnenphobie. Der Patient kann sitzen oder liegen, wichtig ist eine entspannte, angenehme Position. Um die Hypnose einzuleiten, wird der Therapeut die Konzentration des Patienten auf eine bestimmte Sache richten, um so seine Aufmerksamkeit einzuengen. Beispielsweise ermuntert er den Patienten, auf eine Stift- oder Fingerspitze des Therapeuten zu sehen und so die zahlreichen Gedanken im Kopf auszublenden.

„Die Augenlider sind schwer, der Atem fließt ruhig“: Die Körperwahrnehmung verändert sich

Gleichzeitig mit der Aufmerksamkeit wird sich auch die Körperwahrnehmung des Patienten verändern. Der Therapeut spricht Suggestionen, die auf schwere Augenlider, entspannte Gliedmaßen und einen ruhigen Atem abzielen. Neben dem Körpergefühl ändert sich auch das Gefühl für Zeit: Menschen, die aus einer Hypnose zurückgeführt werden, haben oft das Gefühl, sehr viel kürzer in Trance gewesen zu sein als sie es tatsächlich waren.

Eine bildhafte Sprache hilft, das Problem zu beheben

Ist die gewünschte Tiefe der hypnotischen Trance erreicht, führt der Therapeut den Patienten durch eine bildhafte, einprägsame Sprache zum Thema der Behandlung. Da das Bewusstsein ausgeschaltet ist, können im nun frei zugänglichen Unterbewusstsein Sachverhalte neu bewertet werden. Im Beispiel der Spinnenphobie kann etwa der braun behaarte Spinnenkörper als angstauslösendes Bild aufgehoben und mit dem weichen Fell eines Kaninchens verknüpft werden, so dass der Betroffene, zurück im Bewusstsein, seine Scheu vor Spinnen verloren hat.

„Bei 1 sind Sie wieder im Hier und Jetzt“: Zurücknahme der Trance

Jede Hypnose wird vom Therapeuten zurückgenommen und aufgelöst. Dabei spricht er den Hypnotisierten direkt an und bereitet ihn auf die Rückkehr vor. Oft zählt er dabei Zahlen rückwärts auf, um den Patienten bei „1“ wieder im Bewusstsein zu sehen. Ohne Rücknahme kann der Hypnotisierte unter Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit leiden.

Hypnose kann nicht nur von Medizinern durchgeführt werden. Doch auf was ist bei der Auswahl einer seriösen Hypnose-Behandlung zu achten? (© monkeybusinessimages - iStock)
Wer hypnotisiert: Hypnotiseur, Hypnose-Coach, Hypnotherapeut?

Die Methode der Hypnose kann sich jeder Interessierte aneignen. So gibt es für medizinische Laien zahlreiche Kurse zu dem Thema, auch an Berufsgruppen wie Heilpraktiker, Hebammen, Zahnarzt- und Arzthelfer sowie pflegendes Personal sind Angebote zur Weiterbildung gerichtet. Einige Fachgesellschaften für Hypnose bieten spezielle Ausbildungen nur für approbierte Angehörige der Heilberufe an, z. B. für Ärzte und Zahnärzte, wie auch für nichtmedizinische Psychologen und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Da es bisher keine geschützte Berufsbezeichnung im Bereich der Hypnose gibt, kann es für Patienten/Klienten recht schwierig sein, eine seriöse Hypnose-Behandlung auszuwählen. Hilfreich ist es, vornehmlich auf die Grundausbildung des Anbieters zu achten und die Hypnose als Zusatzausbildung anzusehen. Je nachdem, ob man sich bei einem Mediziner, Heilpraktiker, Psychologen oder einem Lebensberater/Coach am besten aufgehoben fühlt, sollte man danach seine Auswahl treffen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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