Gehirndoping– Denken und Lernen ohne Anstrengung?

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Ein gutes Gedächtnis, hohe Konzentrationsfähigkeit und jede Menge kreative Einfälle – wer wünscht sich das nicht? In diesem Gesundheitsspecial erklärt die jameda Gesundheitsredaktion, was Gehirndoping bedeutet und wie man geistige Fitness erreichen kann.

Wie arbeitet ein leistungsstarkes Gehirn?
Ein leistungsstarkes Gehirn kann viele neue Informationen zügig aufnehmen, im Kurzzeitgedächtnis speichern, mit abgelegten Informationen aus dem Langzeitgedächtnis verknüpfen und jederzeit abrufbar halten. Kurzum, man ist dann mit der Arbeit des Gehirns zufrieden, wenn man aufmerksam ist, sich über längere Zeit konzentrieren und sich Dinge gut merken kann, sprudelnde Einfälle hat und kreative Lösungen entwickeln kann.

Neuro-Enhancement: Leistungssteigerung durch Medikamente
Was in den USA schon gang und gebe ist, nimmt auch in Deutschland zu: Die Einnahme von teilweise verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, um die Leistung des Gehirns zu steigern. In Fachkreisen wird dies Neuro-Enhancement genannt, umgangssprachlich Gehirndoping. Anwendung findet beispielsweise Methylphenidat, ein Wirkstoff zur Behandlung von AD(H)S, dem Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Syndrom. Auch Modafinil, ein Medikament gegen Narkolepsie (plötzlich eintretende Schlafattacken), soll länger fit halten. Antidepressiva wie Fluoxetin oder Betablocker, z. B. Metoprolol, werden eingenommen, um besser arbeiten zu können. Auch von Mitteln gegen Demenz, Amphetaminen, Ginkgo-Präparaten, hochdosierten Vitaminen und Coffein erhofft man sich Unterstützung.

Helfen die Pillen beim Denken?

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Die Erwartungen an Medikamente, die das Denken erleichtern, sind hoch. Doch den Wunsch nach Lernen ohne Anstrengung und Konzentration über 12 Stunden ohne Ruhepause können diese Arzneimittel nicht erfüllen. Beispielsweise zeigen Mittel gegen Demenz und Antidepressiva bei gesunden Menschen gar keine Wirkung. Betablocker reduzieren zwar den Herzschlag und werden deshalb gern bei Lampenfieber eingesetzt, können jedoch Kreislaufprobleme und Müdigkeit hervorrufen. Nimmt man Methylphenidat ein, erhöht sich die Konzentrationsfähigkeit und die Müdigkeit sinkt, die Gefahr einer Abhängigkeit ist jedoch groß. Auch treten oft Nebenwirkungen wie Herzrasen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Schwindel auf. Ebenso kann der wachhaltende Wirkstoff Modafinil zu Kopfschmerzen, Angst und Verwirrtheit führen. Wer Substanzen dieser Art einnimmt, überschätzt seine Fähigkeiten eher und kann Warnzeichen wie Müdigkeit und Erschöpfung nicht wahrnehmen. Überlastung und fehlerhaftes Arbeiten können die Folge sein.

Coffein macht wach und erhöht die Konzentration
Kaffee, Energy-Drinks, Guarana-Kaugummis oder Coffein-Tabletten: Die Formen, Coffein zu sich zu nehmen sind vielfältig. Allerdings kommt es auf die richtige Dosis an: Während 50 bis 300 mg Coffein (entsprechen etwa 1-4 Tassen Filterkaffee) die geistige Leistungsfähigkeit fördern, sinkt die Konzentration ab Dosen von 500 mg, man wird unruhig und fahrig.

Ginkgo zur besseren Hirndurchblutung?
Präparate mit hochdosiertem Ginkgo-Extrakt wurden bis 2016 nicht empfohlen, um das demenzielle Syndrom zu behandeln. Es geht u.a. mit Gedächtnisschwäche und Konzentrationsstörungen einher. Im Jahr 2016 wurde die Leitlinie jedoch aktualisiert. Bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz und nicht-psychotischem Verhalten können Ärzte jetzt in Erwägung ziehen, entpsrechende Tabletten zu verschreiben. Sie sind allerdings mindestens 24 Wochen und in hoch dosierter Form einzunehmen.

Die leistungssteigernde Wirkung auf das Gehirn gesunder Personen konnte nicht festgestellt werden.

Tägliches Training für das Gehirn

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Wie jede Sportart muss auch das Denken trainiert werden. Wer täglich herausfordernde Fragestellungen zu bewältigen hat, übt seine Denkfähigkeit, aber auch unterhaltsamer Zeitvertreib nützt: Kreuzworträtsel und Sudoku lösen, Fremdsprachenkenntnisse auffrischen oder ein Gedicht auswendig lernen. Statt eines Taschenrechners den Kopf zum Rechnen benutzen und die Einkaufsliste aus dem Gedächtnis abarbeiten – das bringt die Gehirnzellen auf Trab!

Ausgewogene Ernährung statt einseitiger Überdosierung
Eine gesunde Ernährung mit allen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ist Grundlage für ein gut funktionierendes Gehirn. Auch die Energieversorgung nicht vergessen! Arbeiten ohne Frühstück mag in Ausnahmefällen gut gehen, besser denken kann man jedoch mit einem nachhaltigen, ausgewogenen Frühstück. Die Wirkung von hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin B 6 und B 12 oder ungesättigten Omega-3-Fettsäuren auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns können nicht eindeutig belegt werden.

Das Gehirn benötigt ausreichend Schlaf
Durchschnittlich sollte ein Mensch etwa acht Stunden schlafen, um Körper und Geist zu regenerieren. Das Gehirn verrichtet im Schlaf „Aufräumarbeiten“, indem es neue Informationen einordnet, Überflüssiges aussortiert und neue Erfahrungen in Träumen verarbeitet. Nicht umsonst ist die Redewendung „erst einmal darüber zu schlafen“ für so manchen Denkvorgang entscheidend. Auch in Form eines Nickerchens in den Mittagsstunden kann man dem Gehirn neue Energie spenden. Dabei ist es wichtig, rechtzeitig wieder aufzuwachen, bevor man in einen tieferen Schlaf fällt: Ideal sind 30 Minuten Mittagsschlaf und nicht länger.

Körperliche Bewegung unterstützt geistige Beweglichkeit

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Sport fördert die Arbeit des Gehirns: Joggen oder Schwimmen helfen beim Abschalten, oft gibt die Ablenkung eine neue Sicht auf schwierige Sachverhalte. Wenn man am Schreibtisch gelegentlich aufsteht, kommen im Auf- und Abgehen oft schneller die ersehnten Einfälle, manche Menschen arbeiten besonders effektiv an einem Stehpult. Auch Kaugummi kauen soll das Denken erleichtern, indem es die Durchblutung im Gehirn anregt.

Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Viele Menschen können sich vormittags am besten konzentrieren, so dass ihnen schwierige Aufgaben dann besonders leicht fallen. Nachmittags bleibt Zeit für einfachere Arbeiten und kommunikative Aufgaben. Manche Menschen arbeiten dagegen besonders gut in den Abendstunden – jeder ist anders und sollte sich danach richten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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