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Zwanghaftes Aufräumen: Definition, Symptome und Ursachen von Zwangserkrankungen

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
verfasst am

© fotolia - DirimaZwangsgedanken lassen sich nur mit Psychotherapie lindern (© fotolia - Dirima)Sie überprüfen ständig, ob die Schlüssel in der Tasche stecken oder ob Sie den Ofen ausgeschaltet haben? Solange Ihr Alltagsleben davon nicht beeinträchtigt ist, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Aber was, wenn zwanghaftes Verhalten Ihre Lebensqualität einschränkt? Lesen Sie, was bei Zwangserkrankungen hilft.  

 

Definition und Ursachen

Eine Zwangserkrankung ist eine psychische Störung, die mit dem inneren Drang zusammenhängt, etwas Bestimmtes immer wieder zu denken oder zu tun und dadurch den Alltag beeinträchtigt.  

Verschiedene Ursachen müssen aufeinandertreffen, um Zwangserkrankungen auszulösen:

  • Genetische Veranlagung
  • Hirnstoffwechselstörung
  • Psychisch belastende Erlebnisse oder Stress

Ungefähr 1-3 % der Kinder und Jugendlichen sind von einer Zwangserkrankung betroffen.

Symptome: Gefangen im Gedankenkarussell

Zwänge sind wiederkehrende und aufdringliche Gedanken, die Angst und Unwohlsein hervorrufen. Zum Beispiel stellt sich der Betroffene ständig vor, von bakteriellen Infektionen bedroht zu sein. Entscheidend für die Diagnose ist, dass der Betroffene die Zwänge als eigenständige Gedanken erkennt, die sich auf unangenehme Weise wiederholen.

Um sich besser zu fühlen, entwickeln einige der Betroffenen persönliche Rituale. Meistens handelt es sich um wiederholte Kontroll- oder Reinigungshandlungen, wie zum Beispiel ständiges Händewaschen. In schweren Fällen geht die Erkrankung so weit, dass sich der Betroffene nicht mehr selbst versorgen kann.

Viele Betroffene leiden unter Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit, Tic-Störungen, Hyperaktivitätsstörungen, Depressionen, und Persönlichkeitsstörungen.

Eine ,,zwanghafte Persönlichkeitsstruktur‘‘ haben Menschen, die extrem ordentlich und stark perfektionistisch sind und nur selten etwas fertigstellen können. Sie sind überdurchschnittlich vorsichtig und misstrauisch, intolerant und detailbesessen, empfinden aber keinen Leidensdruck dabei, sondern sind sogar stolz auf sich, zum Beispiel auf ihren Perfektionismus.

© fotolia-108635252-Photographee.euDie Konfrontation mit sich selbst erlaubt eine Besserung der Symptome (© fotolia-108635252-Photographee.eu)Wie läuft die Psychotherapie ab?

Zwangserkrankungen beginnen oft im Kindes- und Jugendalter und äußern sich meistens vor dem 30. Lebensjahr. Die Behandlung sollte so früh wie möglich beginnen, weil eine lange Krankheitsdauer die Prognose verschlechtert.

Die Diagnose und die Therapie einer Zwangserkrankung muss einem erfahrenen Psychotherapeuten überlassen werden. Die Behandlung beruht auf der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie. Wichtige Schritte sind:

  • die Motivation und die Klärung der Erwartungen des Betroffenen
  • die emotionale Konfrontation mit den Auslösern der Zwänge
  • die Veränderung zentraler gedanklicher Muster

Die Psychotherapie umfasst mehrere Sitzungen pro Woche. Ergänzend sind Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Kompetenz und der Kommunikation sinnvoll, wie zum Beispiel Strategien im Umgang mit Belastungen im Beruf, in der Familie und der Partnerschaft, Stressbewältigung und bewusste Gestaltung von Freizeit und freudigen Erlebnissen. 

Antidepressiva sind wirksam, wenn die Patienten sie kontinuierlich einnehmen. Die Wirkung tritt nach 4 - 6 Wochen ein und steigert sich bis zur 12. Woche.  Medikamente alleine reichen allerdings nicht, weil die Erfolgschancen in Kombination mit einer Psychotherapie deutlich höher sind.

Die vollständige Heilung einer Zwangserkrankung ist nur selten möglich. Die Therapie verbessert jedoch die Symptome und die Lebensqualität, so dass die meisten Betroffenen langfristig mit dem Alltag gut zurechtkommen.

Außerdem ist die Teilnahme an speziellen Selbsthilfegruppen sinnvoll. Sie bietet Unterstützung bei der Problembewältigung und wirkt einer sozialen Isolierung entgegen.

 

Links:

BASTA - Bündnis für psychisch erkrankte Menschen
Psychiatrienetz des Bundesverbands der Angehörigen psychisch Kranker
Psychiatrienetz der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen
Berufsverband Deutscher Nervenärzte
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen

Quellen:

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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