Chronischer Schmerz und Entzündung - wie das Lymphsystem beteiligt ist (Teil 1)

©Dream-Emotion-Fotolia

Chronische Schmerzen und wiederkehrende oder therapieresistente Entzündungen gehören zu den häufigsten Krankheitsbilder in allgemeinärztlichen oder fachärztlichen Praxen. Sie werden oft als eigenständige Krankheiten oder als Folge von einer anderen Erkrankung sowie nach Unfall, Verletzung und Operation diagnostiziert.

In den letzten Jahren hat zunehmend der Begriff „Schmerzgedächtnis" Einzug gehalten. Hiermit wird zunächst ein übergeordneter, mentaler oder nervaler Prozess im Gehirn assoziiert. Anhand dieses Artikels soll zudem die Schmerz- und Entzündungsfixierung auf körperlicher Ebene anhand des Lymphsystems erläutert werden, sowie sinnvolle Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie diese behandelt werden können.

Das Lymphsystem ist ein hochkomplexes Gefäßsystem, das neben den Arterien und Venen den Körper mit einer ungefärbten Flüssigkeit durchzieht. Diese enthält genauso viel Eiweißbestandteile wie das rotgefärbte Blut, deutlich mehr Zellen des Immunsystems (weiße Blutkörperchen) und ist viel weiter verzweigt als das blutführende Gefäßsystem. Die Wände in den kleinen Lymphgefäßen sind sehr dünn und leicht komprimierbar. Die Vor- und Nachteile werden später noch erläutert. Nur die Lymphbahnen reichen nah genug an die Zellwände ran, um am Stoffaustausch beteiligt zu sein. Die Lymphe befindet sich somit in der „extrazellulären Matrix". Keine Körperzelle ist mit der nebenliegenden verklebt. Ähnlich einer Backsteinmauer steht jede Körperzelle für sich einzeln da und wird über eine Art Fuge von der anderen getrennt, bzw. steht über diesen Zwischenraum mit der angrenzenden Zelle in Kontakt. In dieser Fuge ist das Drainagesystem der Lymphe integriert.

Die Lymphe transportiert folglich im Blut gelöste Substanzen näher an die Zellwand heran, wo sie durch Zellwand-Proteine ins Innere geschleust werden können. Umgekehrt nimmt sie Verbrauchssubstanzen wieder auf und gibt sie an das Venenblut ab oder transportiert diese selber zu den nächst größeren Bahnen und dann zu den Hauptstrombahnen weiter. Die Lymphe mischt sich dann im Brustkorb mit dem Blut, welches zur Leber fließt. Hier kommt es dann letztendlich zur Verstoffwechslung und Entgiftung der Zellabbauprodukte, die über die Galle mit dem Stuhl oder über die Niere mit dem Urin ausgeschieden werden.

Lymphbahnen sind hauchdünn, leicht komprimierbar, besitzen aber ähnlich der Darmwand die Eigenschaft zur Autokontraktion. Bei Füllung wird also mehr transportiert, um die Zellen und den Zell-Zwischenraum vor Rückstau zu bewahren.

Folglich kann ein massives Anfluten von Zellabbauprodukten, auch bei Zellzerfall, durch Unfall oder Infektionskrankheit mit einer Überlastung der Transportkapazität einhergehen. Zeichen dafür sind verbleibendes Schwellungsgefühl, Zähigkeit, Instabilität, Immobilität, und vor allem Schmerz.

Durch eine Überdehnung der Gefäßwand kommt es zu einer Stimulation von Schmerzrezeptoren, die mit den Lymphbahnen vernetzt sind. Durch den Rückstau von teilweise sehr aggressiven Stoffwechselendprodukten (Homo-Toxine, freie Radikale, Nitrosamine, etc....) wird eine lokale Entzündungskaskade losgetreten, um den drohenden Schaden im Gewebe einzugrenzen. Dies wird über Botenstoffe (Zytokine, Komplementfaktoren, Hormone und andere, hormonähnliche Substanzen) vermittelt. Es kommt lokal zu Schwellung durch Flüssigkeitseinlagerung, um eine Art Schutzwall um die betroffene Stelle zu legen. Dies komprimiert die Lymphbahnen und stoppt die weitere Ausbreitung auf den gesamten Körper (Beispiel Insektenstich).

Bei der Chronifizierung einer Entzündung und damit Schmerz ist diese primäre Reaktion beteiligt, kommt aber nicht zur Ruhe. Denn der Körper ist eigentlich bestrebt, die Entzündungskaskade durch andere Botenstoffe wieder auszubremsen, bzw. eine vollständige Reparatur im Gewebe zu ermöglichen. Kommt diese primäre Entzündung nicht zum Ausheilen, muss eine persistierende Strukturverletzung (Bakterien, Fremdkörper, Fraktur...) ausgeschlossen werden, was durch relativ einfache und klare diagnostische Schritte gemacht werden kann (Palpation/Untersuchung, Röntgen, CT, MRT, Abstrich, Probengewinnung...).

Sehr häufig findet sich aber keine nachvollziehbare Strukturläsion und somit kein Zugangspunkt über Operation oder Medikamente, weil die Entzündungskaskade im chemischen Kreislauf blockiert ist und durch einen persistierenden Lymphstau aufrechterhalten wird. Man spricht dann von einer „low-grade-Entzündung“). Typisch ist dies bei Fybromyalgie und anderen pseudorheumatischen Erkrankungen sowie bei muskulären Schmerzsyndromen und Rückenschmerzen. Auf diesen Zusammenhang wird in einem anderen Artikel eingegangen werden.

Interessanterweise ist nachgewiesen, dass gerade die Nichtstroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen und ähnliche als Schmerzmittel nach mehrtägiger Einnahme besagte Gegenregulation des Körpers hemmen und eine Ausheilung verhindern können. Die Schmerzwahrnehmung wird gedämpft, weshalb es zu Langzeiteinnahmen kommt. Die Ausheilung und eigentliche Regulation des Körpers in seine chemische und strukturelle Balance findet nicht statt.

Morgen folgt der zweite Teil des Artikels.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 35

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (4)

Alexandra, 17.07.2015 - 12:48 Uhr

Hallo. Zuerst hieß es ich habe ein Lip Lymphödem. Jetzt war ich beim Heilpraktiker und bei der Krankengymnastik. Dort wurde mir gesagt die starken Schmerzen und die Schübe kommen vom Rücken. Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Wasser habe ich kaum in den Beinen, aber jeden Tag starke Schmerzen seit der Schwangerschaft. Auch in den Armen habe ich immer beidseitig Schmerzschübe und kann nur unter Schmerzen laufen. Ich bin so verzweifelt. Bitte können sie mir helfen? Lg

Anne, 26.12.2014 - 00:18 Uhr

Habe schon lange den Verdacht das meine Fybromyalgie, der Zustand meines Darm , und Schmerzen im Zusammenhang stehen!wie und wo kannich therapieren?Wohne im Saarland Grenze zu Rheinland Pfalz (Trier)..?

marlies, 29.09.2013 - 14:36 Uhr

hallo, dazu gehöre ich auch. Handgelenke und Daumen! ich habe alles testen lassen. alles negativ! mein arzt riet mir, zu einer Nuklearmedizin!? ich nehme zur zeit auch Diclofena! ich erfahre keine hilfe!? schmerzen bleiben! was kann- oder soll ich tun? lg marlies

Antwort von Florian Yves Wormland, verfasst am 29.09.2013

Liebe Marlies, Morgen erscheint die Fortführung dieses Artikels. Vielleicht beantwortet dieser dann offene Fragen. Wenn Sie nicht auf Diclofenac reagieren bzw. eine permanente Entzündung der Gelenke vorliegt, muss eine Ursachenforschung gemacht werden. Eine Nuklearmedizinische Untersuchung wie eine Ganzkörperskelett-Szintigrafie kann sicher verborgene Entzündungsherde im Kiefer- Gesichtsbereich und in den Knochen ausschließen. Sollten diese Ergebnisse sowie rheumatologische Zusatzuntersuchungen negativ bleiben, sollten Sie einen spezialisierten Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen, der sich mit dem lymphatischen System und insbesondre mit dem Darm befasst, da dieser das größte Immunorgan darstellt und für viele Autoimmunreaktionen und Pseudorheuma verantwortlich ist. Viel Erfolg und gute Besserung.

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?