Die Heilhypnose zur Schmerzbehandlung Teil 1

Ein Weg der Schmerzlinderung ist die Heilhypnose (© Andrzej Wilusz - fotolia)

Unser Nervensystem stellt die wichtigste Informationsinfrastruktur, die von der wunderbaren Physiologie unseres Körpers bis in unser Bewusstsein reicht. Wenn diese gesunde Funktion jedoch aus der Ordnung gerät, kommt es häufig zu verschiedenen, oft schmerzhaften Empfindungsstörungen mit weitreichenden Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen.
Vor allem wenn sich die Symptomatik ohne eine körperliche Grunderkrankung zeigt, stellt sich in der Therapie die Aufgabe, sich solcherart äußernden Nerven auch therapeutisch anzunehmen. Einmal mehr spiegelt sich hier die heilvolle Wirkung längst bewährter Methoden und Heilweisen auch in den Ergebnissen der neueren psychologischen und medizinischen Forschung wieder. Insbesondere die professionelle Hypnose, ein im Grunde jahrtausendealtes geistiges Verfahren, das seit jeher eng mit dem menschlichen Nervensystem korrespondiert, kann bei seriöser und fachkundiger Anwendung viele neurologischen Störungen anhaltend harmonisieren - und sogar wandeln.

Schmerzen – das Warnsignal unseres Körpers

Schmerz gehört zu den wichtigsten Körpersignalen überhaupt. Ohne ihn würden wir - unmittelbare Gefahren und Verletzungen verpassend - nicht besonders lange auf dieser Erde weilen. Schließlich kommen wir bereits an vielen auch nur kleinen und kurzfristigen Schmerzreizen nicht vorbei ohne uns mit ihren Ursachen auseinanderzusetzen. Auch länger bestehende Schmerzen erfüllen natürlich einen Sinn: sie machen jeden Menschen deutlich auf körperliche und seelische Missstände aufmerksam. Andererseits erscheinen uns Sinn und Segen einer vorübergehenden Schmerzfreiheit - der Anästhesie - klar vor Augen, wenn wir uns vorstellen, ohne eine lokale Betäubung behandelt oder gar operiert werden zu müssen. Abgesehen davon, dass wir uns vielleicht einen Besuch beim Schönheitschirurgen noch mal überlegen würden - viele sinnvolle und lebensrettende Operationen wären ohne Anästhesie gar nicht möglich. Ergo: Ohne Schmerzbetäubung würden viele von uns also auch nicht besonders alt werden.

Wenn der Schmerz zum Dauerbegleiter wird

Wenn neurologische Funktionen jedoch entgleisen und dadurch Schmerzen oder andere unangenehme Empfindungen entstehen, erreicht eine medikamentöse Anästhesie ihre Grenzen. Selbst wenn man die Nebenwirkungen einer längeren Anästhesie mit Schmerzmitteln (Analgetika) in Kauf nimmt: Auf Dauer lässt auch die Wirkung zu wünschen übrig. Diese Fehlfunktionen betreffen allein in Deutschland 7.5 Millionen Menschen (darunter 350.000 Kinder), die Ursachen sind dabei vielfältiger Natur. Diabetes und Alkoholismus stellen etwa in knapp einem Viertel der Fälle die Ursachen. Aber auch extremer oder lang anhaltender innerer Stress, neurotoxische Einflüsse und Substanzen, bestimmte organische Krankheiten, ein langer Verletzungsstand und natürlich vergangene operative Eingriffe gehören zu den eher gut ermittelbaren Ursachen. In über der Hälfte der Fälle wird jedoch trotz intensiver Suche weder eine zugrunde liegende Erkrankung, noch eine körperliche Ursache gefunden. Man spricht dann von einer idiopathischen Polyneuropathie.

Gibt es wirklich ein Schmerzgedächtnis?

Ein weiteres seit einigen Jahren zunehmend in Erscheinung tretendes Phänomen wird in diesem Kontext etwas jovial als aktiviertes Schmerzgedächtnis bezeichnet. Eigentlich handelt es sich hier um eine aus dem Ruder gelaufene Reizanpassung. Denn anhaltende oder besonders starke Schmerz- oder Stressreize können die Reizweiterleitung dauerhaft verändern, da jede Nervenzelle - ähnlich den Zellen unseres Gehirnes - über bestimmte Anpassungs- und Lernfähigkeiten verfügt. Durch den neuronalen Stress bilden sich manchmal vermehrt Rezeptoren sowie impulsleitende Ionenkanäle an der Übertragungsstelle (der Synapse), welche dann bereits bei schwachen, unterschwelligen Reizen und oft genug sogar ohne Grund Schmerzsignale an das Gehirn melden. Der Schmerz - oder der Reiz - hat sich also gleichsam verselbständigt. In diesem Fall ist das Nervensystem gezeichnet.
Dies spiegelt sich auch in der Symptomatik wieder. Missempfindungen wie Ameisenlaufen oder auch Taubheitsgefühle, die meistens symmetrisch vor allem an Füßen oder Händen auftreten, manchmal auch am Oberschenkel und an vielen anderen Stellen. Wenn es sich um Schmerzen handelt, treten sie mit unterschiedlicher Intensität in Erscheinung. Manchmal kurz und „stromschlagartig“, aber auch länger anhaltend und nachts, den Schlaf raubend, oder im Liegen. Oft wird auch eine normale, freie Bewegung unmöglich. Denn Schmerz ist naturgemäß sofort präsent und kann nicht so einfach ignoriert werden. Die Betroffenen meiden folglich bestimmte Bewegungen oder setzen Muskeln oder Gelenke aus Angst vor weiteren Schmerzen einseitiger und sparsamer ein - mit logischen Folgen wie Muskelschwächung und Schäden durch Schonhaltungen oder dauerhaft falschen Bewegungen.

Die Therapie der Idiopathischen Polyneuropathie

Vor allem bei der „idiopathischen“ Variante stimmt die Tatsache jedoch hoffnungsvoll, dass die Lernfähigkeit der Zelle dennoch erhalten bleibt und die Störung damit grundsätzlich linder- und heilbar ist. Wir sollten nicht vergessen, dass es sich beim menschlichen Nervensystem um einen Verbund von Billionen miteinander kommunizierenden Zellen handelt. Auf das Schmerzgedächtnis übertragen bedeutet das: wenn dieses lebendige Zellsystem einst „lernte“, sich z.B. überstarken Reizen anzupassen, ist es ihm auch möglich, dies wieder zu verlernen. Es bleibt also dynamisch und damit veränderbar. Dieser Gedanke wird noch klarer, wenn man Erfahrungen aus Forschung und Therapie betrachtet.
Im sensiblen Nervensystem gelangen Reize über diese den Körper vollkommen durchdringende Informationsinfrastruktur als ultrafeine (und gerade noch messbare) Mikroströme zum Gehirn. Erst hier wird zum Beispiel „Schmerz im Oberschenkel“ oder „Rückenschmerz“ registriert und durch uns selbst auch interpretiert. Denn erst unser Bewusstsein lässt den Reiz für uns in einer ganz bestimmten, ebenfalls individuell verschiedenen Weise lebendig fühlbar und bewusst werden. Der eigentliche Schmerz entsteht also nicht im Körper, sondern erst bei der Auswertung der Nervenimpulse aus der Körperperipherie. Der Nervenimpuls ist hier aber längst subjektiv geworden, er ist außerhalb jeder möglichen Messung von außen. Stärke und Art des Reizes könnte allenfalls vom Betroffenen selbst - etwa auf einer Skala - beschrieben werden. Der Schmerz an sich ist also etwas ganz Subjektives.

Der eigene Einfluss auf seelisch bedingte Schmerzen

Zudem kennen wir nicht nur körperliche, sondern auch seelisch bedingte Schmerzen und viele andere innere Zustände, die eben nicht primär durch eine Körperbeteiligung zustande kommen, sondern umgekehrt das Nervensystem - psychosomatisch - diesen inneren Gefühlen, Vorgängen und Zuständen folgt. Wie wir schon aus Erfahrung wissen, können die Gefühle unserer Seele sogar stärker und präsenter sein als ihre körperliche Variante. Auch Reize, die aus dem Denken kommen, sind uns nicht fremd: wenn wir intensiv visualisieren oder an ein Ereignis denken und die damit verbundene Erregung somit leicht entsteht folgt unser vegetatives Nervensystem diesem mentalen Vorgang ganz naturgemäß und reagiert beispielsweise mit feuchter werdenden Händen. Der Hautleitwiderstand verändert sich dabei, sodass dessen Messung über nervale Erregungs- und Entspannungszustände Auskunft gibt. Es ist möglich, diese Veränderungen auch konkret, bewusst und kontrolliert anzuwenden und zu trainieren. Das passiert z.B. beim Autogenen Training (eine leichte Form der Selbsthypnose), wenn man sich den Satz „Meine Arme werden wärmer“ wiederholt vorsagt. Die entstehende Wärme ist nicht nur eingebildet, sondern tatsächlich messbar. Hier wird die wiederholte geistige Aufforderung umgesetzt und die feinen Blutgefäße (Kapillaren) der Hände weiten sich - es entsteht Wärme. Auf die gleiche Weise ist es auch möglich, andere physiologische und energetische Vorgänge im Körper wirksam zu beeinflussen. Sollten Sie also jemals Geschichten über im Himalaja weilende Asketen hören, die zur Übung im Winter mit konzentrierter Geisteskraft nasse Handtücher auf ihrem Körper trocknen - nun wissen Sie, dass es in Europa im Prinzip ebenfalls dergleichen geben kann.

Hier geht es weiter mit Informationen zur Heilhypnose. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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