Hormonfreie „Spirale danach“ statt „Pille danach“

Wenn bei der Verhütung mal was schief geht, ist die Spirale danach eine vorteilhafte Option. (© Sven Hoppe - fotolia)

Nicht selten kommt es zu Verhütungspannen, wie etwa einem gerissenen Kondom oder einer vergessenen Antibabypille. Dann fragen Patientinnen regelmäßig nach Möglichkeiten der Notfallverhütung. Zum einen gibt es die hormonelle Notfallverhütung durch die „Pille danach“, die in zwei Varianten – entweder bis zu 72 Stunden oder bis zu 120 Stunden nach der Verhütungspanne – angewendet werden kann. Die Pille danach hat jedoch die Einschränkung, dass sie nach stattgefundenem Eisprung nicht mehr wirkt.

Was ist eine „Spirale danach“?

Daneben besteht aber auch die Möglichkeit der Einlage einer hormonfreien „Spirale danach“ zur Notfallverhütung. Sie kann stets bis zu 120 Stunden, also 5 Tage nach der Verhütungspanne, eingesetzt werden. Die „Spirale danach“ bietet dabei viele Vorteile: zu den wichtigsten zählt zweifelsohne, dass die Notfallspirale im Gegensatz zur „Pille danach“ auch noch nach dem Eisprung wirkt und somit bei bereits erfolgtem Eisprung das einzige sichere „Verhütungsmittel danach“ darstellt. Da viele Patientinnen schlechte Erfahrungen mit den Nebenwirkungen hormoneller Verhütung gemacht haben, möchten sie auch keine „Pille danach“.

Wie wirkt die „Spirale danach“?

Alle auf Kupfer basierenden intrauterinen Langzeitverhütungen, wie etwa die Kupferkette (Gynefix®), der Kupferperlenball (Ballerine®) oder die Kupferspirale (z. B. die besonders schonende FlexiT®), können als „Spirale danach“ verwendet werden. Sie setzen in der Gebärmutterhöhle Kupferionen frei, die die Spermienbeweglichkeit hemmen und die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindern.

Sollte es bei einer Verhütungspanne somit schon zur Befruchtung der Eizelle im Eileiter gekommen sein, kann sich diese befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutterhöhle einnisten. Dabei wird der natürliche hormonelle Zyklus der Frau wird nicht beeinflusst. Insbesondere auch der Eisprung wird langfristig nicht unterdrückt. Die Sicherheit der „Spirale danach“ wird in der Literatur mit über 99 % angegeben.

Welche Vorteile hat die „Spirale danach“?

Neben der bereits erwähnten langen Anwendungsmöglichkeit von bis zu 5 Tagen nach der Verhütungspanne und der – als einziger Notfallverhütung – vorhandenen Wirkung auch nach dem Eisprung bietet die Notfallspirale weitere Vorteile. Viele junge Frauen wünschen sich nämlich eine hormonfreie Langzeitverhütung, da aufgrund der persönlichen Lebensplanung langfristig oft noch kein Kinderwunsch besteht. Eine hormonfreie „Spirale danach“ ist insofern die ideale Lösung für die kurzfristige „Notfallverhütung“ und die langfristige „Dauerverhütung“ für 5 Jahre.

Wie wird die „Spirale danach“ eingesetzt?

Zunächst wird im Rahmen einer Voruntersuchung geprüft, welche Kupferspirale bei der Patientin in Betracht kommt. Dabei werden unter anderem eine Chlamydieninfektion ausgeschlossen und durch Ultraschall die Gebärmutter vermessen.

Sodann erfolgt eine Aufklärung über den Einlagevorgang. Die anschließende Einlage selbst dauert insgesamt nicht mehr als 10 Minuten und die Patientin kann danach sofort wieder nach Hause gehen. Wichtig ist hier, dass die Einlage mit einer lokalen Betäubung am Muttermund durchgeführt werden sollte, damit die Einlage dann besonders schmerzarm ist. Als Notfallverhütung kann die Einlage im Gegensatz zur normalen Einlage einer Spirale auch außerhalb der Menstruationsblutung erfolgen.

Wie lange kann die „Spirale danach“ liegen?

Die Kupferspirale als „Spirale danach“ bietet volle 5 Jahre Verhütungsschutz. Hat die Patientin zuvor schon einen Kinderwunsch, kann die Spirale auch schon jederzeit früher entfernt werden. Dies wird von vielen Frauen sehr geschätzt. Denn die Kupferspirale unterdrückt bzw. beeinflusst den Eisprung nicht – im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmitteln. Nach Entfernung der Spirale kann ein Kinderwunsch sofort und ohne „Wartezeit“ realisiert werden.

Gerade bei langjähriger hormoneller Verhütung kann es sonst nach dem Absetzen der Pille eine etwas längere Zeit dauern, bis der Menstruationszyklus inklusive Eisprung wieder funktioniert. Das kann insbesondere bei bestehendem Kinderwunsch sehr belastend sein.

Wie wird die Kupferspirale wieder entfernt?

Idealerweise erfolgt die Entfernung zum Zeitpunkt der Menstruation, da der Muttermund sodann etwas geöffnet ist. Falls gewünscht, kann die Entfernung erneut in lokaler Betäubung erfolgen, was aber im Regelfall nicht erforderlich ist. Die Kupferspirale selbst wird einfach an dem aus dem Muttermund heraushängenden Faden gefasst und gezogen. Sofern der Faden nicht am Muttermund sichtbar ist – was gar nicht so selten vorkommt – kann die Spirale trotzdem problemlos mit einer schmalen Fasszange aus dem Gebärmutterhals geborgen werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

Richard, 08.05.2022 - 20:25 Uhr

Guten Abend, Ich bitte um Entschuldigung. Meine Frau hat seit seit einer Woche keine Periode mehr, sie ist genau 50 Jahre und hat schon 3 Kinder. Und will unbedingt nach der Abtreibung eine Spirale einsetzen. Ich bitte Sie uns zu erklären ob ist das möglich ist. und wo kann sie ein Termin für Abtreibung beantragen?

Antwort von Dr. med. Matthias Stroth, verfasst am 09.05.2022

Sehr geehrter Interessent, zunächst sollte eine Schwangerschaft sicher festgestellt werden, da mit 50 Jahren die Monatsblutung auch aus anderen Gründen ausbleiben kann. Sofern eine intakte Schwangerschaft bestätigt wurde kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen bei nicht vorhandenem Kinderwunsch ein Abbruch auf Wunsch der Patientin erfolgen. Eine Spiraleinlage sollte erst nach der ersten Menstruation nach dem Abbruch erfolgen, da dann die Gebärmutterwand wieder gefestigter ist und ein potentielles Infektionsrisiko aufgrund von möglichen Schwangerschaftsresidua minimiert wäre. Kontaktadressen für Frauenärzte, welche einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, kann Ihre Frau bei Ihrem eigenen Frauenarzt erfragen bzw. sind z.B. auch bei Jameda zu finden: https://www.jameda.de/berlin/abtreibung/spezialisten/ Beste Grüße, Dr. Matthias Stroth

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