Vasektomie ist weniger schmerzhaft als Männer erwarten

Welche Erwartungen können an eine Vasektomie gestellt werden? (© WavebreakmediaMicro - fotolia)

Die Durchtrennung der Samenleiter (Vasektomie) ist eine der sichersten Möglichkeiten zur dauerhaften Empfängnisverhütung. Im Vergleich zu anderen Verhütungsmethoden ist sie besonders zuverlässig, nebenwirkungsarm und kosteneffektiv.

In den letzten 10 Jahren ist die Zahl der Männer, die sich dem Eingriff unterziehen, allerdings um über 60 % zurückgegangen. Warum dies so ist, kann keiner genau sagen. Ein Grund für die Abnahme kann im Image des Eingriffes liegen. Denn für viele Männer ist eine Vasektomie immer noch gleichgesetzt mit Kastration.

Angstgeschichten über Schmerzen und unbegründeten Sorgen über die Auswirkungen auf das Sexualleben können zudem abschrecken.

Wie beeinflusst eine Vasektomie das Sexualleben?

Wenn man sich mit dieser Form der Verhütung näher beschäftigt, kann schnell mit diesen Vorurteilen aufgeräumt werden. Denn es handelt sich keineswegs um eine Kastration im Sinne einer Entfernung der Hoden.

Es werden lediglich beide Samenleiter im Hodensack durchtrennt, sodass anschließend mikroskopisch keine Samenfäden im Sperma mehr nachweisbar sind. Das Volumen, Aussehen und Geruch des Ejakulats ändert sich nämlich anschließend nicht. Somit ist nach Abheilen der winzigen Wunden von „außen“ eine Vasektomie gar nicht mehr zu erahnen. Der sexuelle Höhepunkt, inklusive Samenerguss, ist zudem vollkommen unbeeinträchtigt und kann wie eh und je erlebt werden. Ein weiteres Vorurteil, das schnell widerlegt ist.

Eine Vasektomie nimmt zudem auch keinen Einfluss auf das Lustempfinden und die Potenz. Im Gegenteil: Fallen hormonelle Verhütungsmethoden weg, kann das sexuelle Verlangen der Frau zunehmen und die gemeinsame Sexualität in der Partnerschaft erhält möglicherweise einen neuen Schub.

Bleibt die Sache mit den Schmerzen

Eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt nun, dass das Schmerzniveau nach diesem Eingriff wesentlich geringer ist, als vorher von den Männern erwartet wurde.1 Die Briten untersuchten das Zusammenspiel von Erwartungen vor und Schmerzwahrnehmung nach einer Vasektomie. Am Ende des Eingriffs wurden die Männer gebeten, ihre Erwartung von Schmerzen vor der OP, Schmerzen aufgrund der Anästhesienadel und Schmerzen während des Verfahrens zu bewerten.

Der durchschnittliche Schmerz durch die lokale Betäubung und den operativen Eingriff waren tatsächlich wesentlich geringer, als erwartet. Darüber hinaus berichtete die Mehrheit der Männer (63 %) über weniger Schmerzen durch die Nadel als vor dem Eingriff erwartet, während nur 10 % über mehr Schmerzen als erwartet berichteten.

Im Vergleich dazu glaubte etwa die Hälfte der Patienten, dass die Schmerzen während des gesamten Verfahrens geringer waren als erwartet (52 %). 12% gaben an, mehr Schmerzen, als erwartet zu haben. Im Allgemeinen machten vasektomierte Männer dieser Studie eine positivere Erfahrung, als erwartet.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind für Männer mit Vasektomiewunsch ermutigend, da die durch den Eingriff verursachten Schmerzen geringer ausfallen, als erwartet. Diese Studie ist insofern interessant, da sie eindeutig die verbreiteten Fehlinformationen über die Schmerzhaftigkeit der Vasektomie wissenschaftlich widerlegt. Bisher hatte sich erst eine Studie aus Kanada mit diesem Thema beschäftigt, welche im Jahr 2017 erschien, und zu gleichen Ergebnissen kam.

Abgesehen von unbegründeten Ängsten vor „Kastration“ und Impotenz, sollte die Angst vor dem Schmerz also kein Grund mehr sein, sich nicht mit dieser sicheren Form der Verhütung näher zu beschäftigen.

Quellen

  • Sooltangos et. al, BMJ Sex Reprod Health, 2020 Jul

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (7)

Arno, 03.12.2021 - 16:41 Uhr

Also ich hatte vor knapp 2 Jahren eine Vasektomie. Die kleine OP war überhaupt nicht schmerzhaft. Wichtig ist, dass mann danach eine gut sitzende Unterhose trägt, damit nichts "baumelt". Auch später hatte ich keine Schmerzen.

H. Walos, 12.11.2021 - 17:20 Uhr

Ich komme nochmal auf die Frage der Verbreitung der Vasektomie zurück. Können Sie aufgrund Ihrer Berufserfahrung grob einschätzen, wie hoch der Prozentsatz der vasektomierten Männer in Deutschland am Ende des Alters der Familienplanung (z.B. 55 Jahre) etwa ist?

Antwort von Priv.-Doz. Dr. med. Jan Schmitges, verfasst am 15.11.2021

Lieber Herr Walos. Laut einer Umfrage zum Verhütungsverhalten von Erwachsenen aus dem Jahr 2018, welche von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Auftrag gegeben wurde, sind nur nur 2% der deutschen Männer im Alter zwischen 18 und 49 Jahren vasektomiert (https://publikationen.sexualaufklaerung.de/fileadmin/redakteur/publikationen/dokumente/13317300.pdf). Eine exakte Antwort auf Ihre Frage, wie hoch der Anteil vasektomierter Männer im Alter >55 Jahre in der Bundesrepublik ist, kann ich Ihnen nicht genau geben. Hierzu gibt es derzeit keine Daten. Er muss aber über 2% liegen. Dies deckt sich mit meinen Erfahrungen im Praxisalltag. Viele Grüße

H. Walos, 15.07.2021 - 20:28 Uhr

Der Rückgang der Vasektomie um 60% in den letzten 10 Jahren hat mich sehr erstaunt. Ich habe hier eher den Eindruck, dass eine ständige Zunahme herbeigeredet wird. Haben Sie eine Quellenangabe? Bin am Thema interessiert. H. Walos

Antwort von Priv.-Doz. Dr. med. Jan Schmitges, verfasst am 19.07.2021

Lieber Herr Walos. Die Angabe bezieht sich auf Veröffentlichungen des britischen nationalen Gesundheitsdienstes "NHS" (National Health Service), einer Behörde aus Großbritannien. Bisher gibt es keine repräsentativen Daten zu ambulant durchgeführten Eingriffen in Deutschland, sodass die britischen Ergebnisse als annäherungsweise gültig für Mitteleuropa angesehen werden können. Hier haben Sie Zugriff: https://digital.nhs.uk/data-and-information/publications/statistical/sexual-and-reproductive-health-services/2019-20/sterilisations-and-vasectomies . Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit weiterhelfen. Beste Grüße

Andreas G., 12.07.2021 - 11:14 Uhr

Ja, von oben genannten Ausführungen habe auch ich gehört bzw. mitbekommen nur: es gibt auch die Horror Versionen und ich „durfte“ sie er- und durchleben! Und dieser Arzt war anerkanntermaßen ein sehr guter Arzt und trotzdem bin ich vor Schmerz fast ohnmächtig geworden – der Kreislauf abgesackt - gute drei Monate nur mit Eisbeutel zwischen den Beinen rumgelaufen und bis dato höchste Sensibilität/schmerzempfindlichkeit bei leichtester Berührung! Und das seit Jahren! Es hieß dass dies besser wird ich solle halt warten – na dann warte ich halt mal!

Antwort von Priv.-Doz. Dr. med. Jan Schmitges, verfasst am 16.07.2021

Lieber Herr G. Da hatten Sie wirklich einen unerfreulichen Verlauf, der sehr sehr selten ist. Hoffentlich geht es Ihnen zwischenzeitlich wieder besser und der Eingriff hat trotzdem seinen Zweck erfüllt.

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