Das jameda-Interview: 7 Fragen an Dr. med. dent. Wolfgang Wingesinfo_plain_20gr

Herr Dr. med. dent. Wolfgang Winges praktiziert als Zahnarzt in Bad Hersfeld. (© Winges)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. dent. Wolfgang Winges interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Zahnarzt.

jameda: Herr Dr. Winges, was hat Sie motiviert, Zahnarzt zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden? 

Dr. med. Winges: Mein Onkel war bereits Zahnarzt und ich hatte es damals schon geliebt, in seiner Praxis zu sein und ihm über die Schulter schauen zu können. Sein Zahntechniker, der bei ihm im praxiseigenen Labor arbeitete, hatte mich auch in sein Herz geschlossen. So kam es, dass ich in meinen Schulferien im Labor arbeiten durfte und mir dadurch bereits ein entsprechendes Wissen angeeignet habe. Mit 14 Jahren war mir somit klar, dass ich unbedingt Zahnarzt werden möchte und nichts anderes. Für mein Spezialgebiet habe ich mich während meines Studiums entschieden. Mich hat damals schon interessiert, die verlorengegangene Zahnsubstanz durch Implantate zu ersetzen. Das Gebiet der Implantologie war zu der Zeit noch wenig erforscht. Aber nachdem ich als Student meinen ersten Implantatkurs absolviert hatte, stand für mich fest, dass ich damit arbeiten möchte. Das ist mein Ding.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Dr. med. Winges: Mein Tätigkeitsschwerpunkt ist die Implantologie. Das Besondere ist, dass ich meinen Patienten die Möglichkeit geben kann, wieder richtig zu kauen und ihnen dadurch ihre Lebensqualität zurückgebe. Sie haben durch Implantate festsitzende Prothesen und erhalten ihre volle Kaufunktion zurück.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Dr. med. Winges: Zum einen mein Onkel und sein Meister. Zum anderen, auf der implantologisch/chirurgischen Seite, mein zweiter Chef Eric Sundberg und später Prof. Neukam von der Universität Hannover. Bei ihm habe ich als junger Zahnarzt meine gesamte implantologische Ausbildung an der medizinischen Hochschule absolviert. Denn damals gab es noch die Voraussetzung, dass ich eine einjährige Ausbildung an der Uni Hannover durchlaufen musste, um Implantatsysteme erwerben zu dürfen. Diese Ausbildung hat mir wahnsinnig viel gebracht und mir auch die Augen dafür geöffnet, biologisch zu denken. Denn es ist nicht allein entscheidend, nur die Chirurgie zu sehen und Implantate zu setzen, sondern das gesamte Drumherum zu erkennen und zu berücksichtigen. Das bedeutet im Speziellen, dass das biologische Denken in der Implantologie und Chirurgie integriert werden muss.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Dr. med. Winges: Die größte Herausforderung ist die enorme Bürokratie. Es ist wichtig, Systeme in der Praxis zu implementieren, mit denen wir in der Lage sind, diese Herausforderungen immer wieder in den Praxisablauf zu integrieren. Diese Systeme sollten den Verwaltungsaufwand minimieren, Teams motivieren und in meinem Fall möchte ich so auch meine Begeisterung für die Zahnheilkunde an meine Angestellten weitergeben und vermitteln.

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Dr. med. Winges: Wenn mich jüngere Kollegen fragen, was denn meinen Erfolg ausmache, mache ich sie immer auf ihre Sprechstunde aufmerksam. Denn sie bedeutet, dass wir uns als Zahnarzt Zeit für unsere (Neu)Patienten nehmen. Im Gespräch können wir ihnen Ängste, Sorgen und Befürchtungen nehmen. Wir öffnen die Tür und sorgen für Vertrauen. Es ist ein ganz simples Erfolgsrezept: mit den Patienten reden, mit ihnen sprechen, erläutern und erklären. Ich erkläre auch während der Behandlungen. Denn das nimmt ihnen Ängste und Befürchtungen. Außerdem überlege ich immer, ob ich das, was ich gerade am Patienten mache, auch an mir selbst so ausführen würde. Ich stelle mich nach der Behandlung immer kritisch in Frage: Hätte ich das sogar noch besser lösen können? Falls es tatsächlich so ist, biete ich dem Patienten an, es neu zu machen. Das entscheidende Kriterium ist somit, sich immer selbst zu hinterfragen: Was kann ich an mir selbst verbessern?

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Dr. med. Winges: Ja. Dazu braucht es eine kurze Vorgeschichte: Anfang der Neunziger Jahre hatte ich mich bereits relativ frühzeitig dazu entschlossen, Amalgam aus meiner Praxis zu verbannen. Der Grund ist einfach: Ich hatte selbst unangenehme Erlebnisse mit diesem Material. Deswegen entwickelte ich ein klassisches Konzept in Zusammenarbeit mit einem Heilpraktiker. Klassisches Konzept bedeutet, dass ich das Amalgam sauber und konsequent aus dem Mund entferne und nicht nur "herausbohre". Auch im Anschluss führe ich eine Ausleitungstherapie durch, um das chemisch hergestellte Quecksilber endgültig zu entfernen. Es kam nun eine Patientin zu mir in die Praxis, die von meinem Vorgehen gehört hatte. Sie litt unter einem Schiefhals und auch starken Beschwerden im Rücken. Keiner konnte ihr aber genau sagen, was die Ursachen dafür waren. Nachdem wir sie "saniert" hatten, kam sie 4 Wochen später mit einem ganz normalen aufrechten Gang in meine Praxis. Sie hatte keinen Schiefhals mehr und auch ihre emotionalen Probleme waren verschwunden. Das schönste Erlebnis ist, dass ihr Ehemann mir seit 30 Jahren eine Karte zu Weihnachten schickt und sich bei mir bedankt, dass ich ihm seine Frau wieder zurückgegeben habe. Dieses Patientenerlebnis werde ich wirklich nicht mehr verlieren.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Dr. med. Winges: Mein Gesundheitstipp ist ganz klar die regelmäßige Prophylaxe und die dazugehörigen Kontrollbesuche. Ich halte das für absolut unerlässlich, weil die Mundhöhle das Spiegelbild vieler innerer Erkrankungen ist. Zum Beispiel lassen sich Diabetes oder Bluthochdruck in der Mundhöhle relativ frühzeitig erkennen. Denn die Mundhöhle ist der Eintrittsort in unseren Organismus und hat eine Schlüsselfunktion auf gesundheitliche Auswirkungen. Deswegen lege ich jedem ans Herz, regelmäßig zur Prophylaxe zu kommen. 

Zur Person

Ich bin 1958 geboren und wusste seit meinem 14. Lebensjahr, dass ich Zahnarzt werden wollte. Ich habe zwar aufgrund der familiären Situation erst 5 Semester Bauingenieurwesen in Darmstadt studiert, aber dann relativ schnell zu meiner geliebten Zahnmedizin wechselt. Die Zahnmedizin ist mein absoluter Traumberuf. Ich brenne, lebe und liebe die Zahnmedizin. Das spiegelt sich in vielen meiner Gänge wider. Würde mich ein Patient fragen, ob ich den Beruf nochmal ergreifen würde, müsste ich gar nicht überlegen.

Zur Praxis

Die Praxis habe ich 1988 von meinem Vorgänger übernommen. Damals hatten wir zwei Behandlungszimmer und 2,5 Assistentinnen haben mich unterstützt. Heute sind wir 22 Angestellte, drei Behandler und verfügen über acht Behandlungszimmer. Außerdem verfügen wir über ein praxisinternes Labor mit drei Mitarbeitern.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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