Woran könnte man eine gute Zahnärztin, einen guten Zahnarzt erkennen?

Dr. Littinski

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© Robert Kneschke - Fotolia© Robert Kneschke - FotoliaZwingend präzise kann man diese Frage nicht beantworten. Es gibt jedoch eine große Zahl von Indizien, die man zurate ziehen kann.

In der heutigen Zeit gilt zuerst der Blick ins Internet. Stellt sich die Praxis mit einer Homepage vor? Wenn nicht, ist das kein Ausschlusskriterium. Schließlich könnte die Praxis derart gut und dadurch so überlaufen sein, dass man eine Website als unnötig erachtet. Ist jedoch eine solche Seite vorhanden, kann man aus dem Erscheinungsbild derselben schon einige, allgemein bekannte, Schlüsse ziehen.
In der Regel nimmt man dann telefonischen Kontakt mit der Praxis auf. Wie verläuft dieser Anruf? „Verhungert“ man in der Warteschleife oder wird man alsbald freundlich unter Nennung des Namens der Mitarbeiterin begrüßt. Profis empfehlen, einen Anrufer nicht länger als drei Tonzeichen warten zu lassen.

Wie gestaltet sich der Dialog beim Betreten der Praxis ohne Termin, um einen solchen zu vereinbaren, oder mit akuten Beschwerden? Findet man nach dem Eintreten Beachtung und wird alsbald freundlich angesprochen? Ist dieses erste Gespräch einladend? „Ich schau mal, was ich für Sie tun kann. Wir finden gemeinsam bestimmt eine Lösung“. Oder hört es sich eher abweisend an: „Nee, wirklich, wir sind im Moment völlig ausgebucht“.

Der erste Eindruck, das Erscheinungsbild der Praxis ist dann sehr zielführend. Dabei geht es nicht um „Schickimicki“, sondern ganz einfach um ein sauberes und einladendes Ambiente.
Wenn man dann, ausgerüstet mit einem Termin, im Wartezimmer Platz nimmt, erhält man weiterte Eindrücke. Ist die Umgebung eher deprimierend oder aufgelockert angenehm? Existiert zeitnahe Lektüre über die kostenlose Apothekerzeitung hinaus, um die, hoffentlich nur kurze Wartezeit, angenehm zu gestalten? Wird vom Personal der Bestelltermin ernst genommen oder muss man, womöglich in völliger Ungewissheit um den Zeitverzug, sehr lange auf den Behandlungsbeginn warten?

Wird man aus der Wartezone in das Sprechzimmer geleitet oder muss man nach Aufruf den Weg selbst finden? Im Sprechzimmer angekommen wird es ernst. Welchen Eindruck macht die Behandlerin, der Behandler? Ein freundliches kompetentes Auftreten wäre angenehm.
Werden Sie bei diesem ersten Termin (gilt nicht für Patienten mit akuten Beschwerden) geröntgt und gründlich klinisch untersucht? Erhalten Sie schon jetzt mindestens ein allgemeines Statement zu Ihrem oralen Gesundheitszustand? Wird dann mit Ihnen der nächste Termin für eine lückenlose Anamnese, vielleicht sogar mit vorher gefertigten Fotos und Modellen vereinbart?

Anlässlich dieses zweiten Termins sollten Sie über Ihre eventuelle Erkrankung der Zahnhartsubstanz (Karies) und des Zahnhalteapparates (Parodontose, eigentlich Parodontitis), über Funktionsstörungen im Bissverhalten und mögliche Weichteilerkrankungen ausführlich informiert werden. Geschieht das verständlich und mit Geduld?

Aus dieser Anamnese und Befunderhebung muss zwingend ein Behandlungsplan erstellt werden. Die Art der Behandlung richtet sich dabei nach den Bedürfnissen des Patienten, dem Können des Behandlungsteams, den verfügbaren Geldressourcen und dem Zeitvolumen des Patienten.

Hat man bei der Behandlung ein gutes Gefühl? Arbeitet der Behandler oder die Behandlerin einfühlsam und mit erkennbarem Zielverständnis. Ist die Stimmung im Team freundlich? Werden Sie über den Fortschritt der Behandlung und die für den nächsten Termin geplanten Maßnahmen unterrichtet? Fühlen Sie sich nach größerer prothetischer oder chirurgischer Therapie betreut oder in die Heilung bzw. Eingewöhnung ohne Kontrolltermin entlassen und so allein gelassen? Erkundigt man sich in diesem Zusammenhang nach Ihrem Wohlbefinden? Gehen Sie trotz des weitverbreiteten etwas „mulmigen“ Gefühls letztendlich gern in diese Praxis und hat das gesamte Team Ihr Vertrauen?

Zugegebenermaßen ist dies eine reichhaltige Auswahl an Bewertungskriterien. Es gibt aber bestimmt auch noch andere. Andererseits sind wahrscheinlich auch in einer tollen Praxis alle diese Punkte nicht immer und jeden Tag in ihrer Gesamtheit abrufbar. Trotzdem, so meine ich, stünde jeder Zahnarztpraxis ein Verhalten im Sinne der angesprochenen Kriterien gut zu Gesicht.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


14.05.2018 - 06:58 Uhr

Zahnärzte erhalten in Deutschland eine sehr gute...

von Meike

... Ausbildung. Auch der Gesetzgeber verpflichtet Ärzte, sich regelmäßig fachlich fortzubilden. Deshalb können Sie sicher sein, dass Zahnärzte ihren Beruf auf fachlich hohem Niveau ausüben.

Dr. Littinski

Antwort vom Autor am 17.05.2018
Dr. med. Rainer Littinski

Genau Meike, alle sind gleich gut: Zahnmedizinische Fachangetellte, Restaurants, Ärzte, Rechtsanwälte, Politiker, Lehrer, Schüler, Schneider, Schuster, Zahnärzte, Piloten, Kraftfahrer, Bergsteiger, Fußballer, Hochspringer, Weitspringer, Skifahrer ... etc. und die Erde ist eine Scheibe und wird von gleich guten Walen und Elefanten getragen


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