Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Schmerzen: Symptome, Ursachen und Behandlung der Parodontitis

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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© benik.at - fotoliaMundgeruch kann ein Symptom von Parodontitis sein (© benik.at - fotolia)Parodontitis ist weit verbreitet und führt zur Lockerung und zum Verlust der Zähne, weil der Zahnhalteapparat zerstört wird. Lesen Sie hier, wie sie vorbeugen können und wie Zahnärzte die Erkrankung heilen.

Wenn sich der Zahnhalteapparat entzündet

Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates, der mit der Zeit zerstört wird. Er besteht aus dem Zahnfleisch, dem Wurzelzement, der Wurzelhaut und dem Zahnfach.

Die Parodontitis kann entweder von der Wurzelspitze ausgehen und wird Parodontitis apicalis genannt, oder aber vom Zahnfleisch, wobei man von einer Parodontitis marginalis spricht.

Mehr als die Hälfte der 35- bis 45-jährigen Deutschen sind von Parodontitis betroffen. Interessanterweise ist das Erkrankungsrisiko höher, je älter die Patienten sind.

Ursachen: Bakterien lösen Entzündungen aus

Die Bakterien, die normalerweise im Mund vorkommen, nehmen Kohlenhydrate aus zuckerreichen Nahrungsresten auf und vermehren sich, so dass eine Entzündung auf der Zahnoberfläche entsteht. Sie greift anschließend das Zahnfleisch an und es entsteht eine sogenannte Gingivitis.

In ungefähr 10 Prozent der Fälle breitet sich die Entzündung auch auf den Zahnhalteapparat aus. Sobald die Fasern der Wurzelhaut befallen sind, vertiefen sich die Zahnfleischtaschen und danach wird der Knochen darunter langsam abgebaut, weil er vom eigenen Abwehrsystem angegriffen wird, das versucht, die Entzündung zu bekämpfen.

Die Entstehung und der Verlauf der Erkrankung hängen von der allgemeinen Gesundheit ab und werden durch Stress, Rauchen, eine genetische Veranlagung und bestimmte Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes, begünstigt.

Weitere Risikofaktoren:

  • schlechte Mundhygiene, Zahnstein und Karies
  • stressbedingtes Zähneknirschen
  • Schwangerschaft
  • häufige Atmung durch den Mund
  • Schwäche des Immunsystems, insbesondere nach einer Chemotherapie oder einer Transplantation oder bei AIDS-Patienten
  • vitaminarme Ernährung
  • Piercings im Mundraum oder Metallteile im Kiefer nach einer kieferorthopädischen Behandlung

Es gibt keine Daten, die einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und seelischen Ursachen belegen.

Die Ursache der apikalen Parodontitis ist die Entzündung und Vereiterung der Zahnwurzel.

Symptome: Zähne lockern sich und fallen aus

Der Verlauf ist entweder leicht und chronisch oder aber akut und aggressiv.

© Henrie - Fotolia © Henrie - Fotolia Die chronische Parodontitis entwickelt sich schleichend und verursacht meistens keine Schmerzen. Zu Beginn steht die Zahnfleischentzündung im Vordergrund: Sie äußert sich mit Zahnfleischbluten, bläulich-rot verfärbtem Zahnfleisch, Schwellungen und Berührungsempfindlichkeit.

Später, wenn sich die Parodontitis weiterentwickelt, treten wegen der Eiterbildung im Zahnfleisch Mundgeruch und ein fauliger Geschmack auf. In der fortgeschrittenen Phase scheinen die Zähne länger zu werden, weil sich das Zahnfleisch zurückbildet. Die Zahnfleischtaschen sind tiefer als 3 Millimeter und die Zähne, die nicht mehr ausreichend gestützt sind, lockern sich und fallen ab.

Die aggressive Parodontitis ist selten. Eine akute Zahnfleischentzündung äußert sich zusätzlich mit Fieber und Lymphknotenschwellungen und kann zum Absterben des Zahnfleisches führen.

Die Entzündung des Zahnhalteapparates kann sich im Körper ausbreiten und Gefäßerkrankungen, wie zum Beispiel Arteriosklerose, oder rheumatische Erkrankungen verursachen.

Schwangere, die unter Parodontitis leiden, haben ein 8-fach erhöhtes Risiko einer Frühgeburt. Das Neugeborene kommt auch häufiger untergewichtig auf die Welt.

Diagnostik: Zahnuntersuchung und Röntgenbild

Der Zahnarzt erkennt Parodontitis, indem er die Zähne inspiziert und die Tiefe der Zahnfleischtaschen mit speziellen Sonden misst. Auf dem Röntgenbild erkennt er wiederum, wie weit die Erkrankung fortgeschritten und inwiefern Knochen abgebaut ist.

Mikrobiologische Tests dienen dem Nachweis bestimmter Bakterien und genetische Untersuchungen können zum Nachweis einer möglichen Veranlagung durchgeführt werden. Darüber hinaus sind begünstigende Erkrankungen wie Diabetes, AIDS oder Leukämie auszuschließen.

Behandlung: langwierig und kostenintensiv

Die Behandlung hat das Ziel, die Entzündungen im Mund zu beseitigen. Sie beginnt mit einer professionellen Zahnreinigung, mit der die oberflächlichen Zahnbelege entfernt werden. Dann müssen Füllungen gelegt oder erneuert und Wurzelentzündungen behandelt werden. Zähne, die nicht mehr erhalten werden können, werden gezogen.

© WavebreakMediaMicro - FotoliaDie Parodontitisbehandlung umfasst mehrere Schritte. (© WavebreakMediaMicro - Fotolia)Anschließend behandelt der Zahnarzt die Beläge unterhalb des Zahnfleischrands mit speziellen Instrumenten, Ultraschall und Laser. Die befallenen Knochenteile können mit Ersatzmaterialien aufgefüllt oder mit Membranen abgedeckt werden.

Spülflüssigkeiten und Medikamente dienen der Bekämpfung der überflüssigen Bakterien. Antibiotika sind in manchen Fällen nötig - entweder in Tablettenform oder sie werden direkt in die Zahnfleischtasche eingebracht. Auch antiseptische Substanzen, die sich selbst biologisch abbauen, können in die Zahnfleischtasche eingebracht werden. Darüber hinaus  kann der Zahnarzt die Bakterien anfärben und mit einem Niedrigenergielaser belichten, was zur Bildung von aggressivem Sauerstoff führt, der die Bakterien gezielt zerstört.  

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung meist nur einmal pro Jahr anteilig. Zahn-Zusatzversicherungen erstatten in der Regel etwas mehr.

Ist die Parodontitis einmal geheilt, droht sie jederzeit erneut auszubrechen, weshalb eine lebenslange Erhaltungstherapie notwendig ist.

Wie Sie vorbeugen können

Zur Prophylaxe sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Putzen Sie Ihre Zähne regelmäßig und gründlich. Säubern Sie mit Zahnbürste und -pasta alle Zahnflächen und mit Zahnseide, Zwischenraumbürsten und Zahnhölzchen die Zahnzwischenräume und die Kontaktbereiche der Zähne. Entfernen Sie auch die Beläge auf dem Zungenrücken. Zähneputzen ist mindestens 2 Mal pro Tag nötig, auf jeden Fall sollten Sie Ihre Zähne vor dem Schlafengehen reinigen.
  • Rauchen Sie nicht und halten Sie Ihren Stress im Griff.
  • Nehmen Sie mit den täglichen Mahlzeiten genügend Vitamine und Mineralstoffe auf.
  • Gehen Sie alle 3 bis 6 Monate zur professionellen Zahnreinigung.
  • Aus der Naturheilkunde: Eine Studie zeigte, dass der Verzehr von Kopfsalatsaft, der viel pflanzliches Nitrat enthält, die Zahnfleischentzündung verbessert.

Fazit

Parodontitis droht jedem Zweiten über 40. Weil Menschen immer älter werden, erhöht sich das Risiko der Parodontitis ständig. Die Erkrankung entsteht, wenn Bakterien im Mund nicht nur die Zähne, sondern auch den Zahnhalteapparat angreifen. Sogar der zahnstützende Knochen wird in Mitleidenschaft gezogen, weshalb sich die Zähne lockern und ohne Behandlung abfallen. Die zahnärztliche Behandlung ist langwierig und kostenintensiv. Ist sie erfolgreich, steht die sorgfältige Mundhygiene stets im Vordergrund, um das Behandlungsergebnis zu erhalten.

Links

Deutsche Parodontose Hilfe
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie
Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit
Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin
Verein für Zahnhygiene
Forum Natürliche Zahngesundheit

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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