Artikel 29/03/2015

Wie wird grauer Star behandelt?

Prof. Dr. med. Marcus Kernt Augenarzt
Prof. Dr. med. Marcus Kernt
Augenarzt
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Mit steigendem Lebensalter wächst auch das Risiko von Eintrübungen der Augenlinsen - Linsenveränderungen, die in der Medizin auch als grauer Star oder Katarakt bezeichnet werden.

Symptome und Ursachen des grauen Stars

Die Hauptsymptomatik des grauen Stars wird durch die, aus dem Griechischen stammende, alternative Krankheitsbezeichnung „Katarakt’ (im Deutschen bedeutet dies etwa „Wasserfall“ oder „herabstürzen“) sehr anschaulich beschrieben: Die Augenlinsen der Betroffenen sind getrübt und wirken sowohl auf den Betrachter, aber auch für den Betroffenen oft wie hinter einem weißlich-grauen Schleier. Die Sehschärfe von Katarakt-Patienten lässt im Regelfall schrittweise nach. Auch Farben und Konturen stellen sich Betroffenen meistens weniger deutlich dar. Viele Patienten leiden zudem unter einer gesteigerten Blendempfindlichkeit. In der Regel verläuft der graue Star schmerzfrei. Schwere Krankheitsverläufe können unter Umständen auch bis zur Erblindung führen.

Den wichtigsten Risikofaktor für das Auftreten einer Katarakt stellt eindeutig das fortgeschrittene Lebensalter dar. Wenn sie nur alt genug werden, ist früher oder später die große Mehrzahl älterer Menschen vom grauen Star betroffen. Seltener können auch jüngere Menschen erkranken - mögliche Ursachen sind hier beispielsweise Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, längerfristige Arzneimittelgaben von z.B. Kortison, Augenverletzungen oder Strahleneinwirkungen.

Die Behandlung des grauen Stars

Trotz aller wissenschaftlicher Anstrengungen gibt es bis heute keinerlei konservative medikamentöse Therapie, mit der sich grauer Star wirksam behandeln ließe. Die derzeit einzige effektive Kataraktbehandlung besteht in der operativen Entfernung der eingetrübten natürlichen Linse und deren Ersatz durch eine Kunstlinse. Es handelt sich hierbei um eine kleine, in der Regel sehr unkomplizierte Operation, die in den meisten Fällen zu einer sehr deutlichen Verbesserung der Sehschärfe führt. In welchem Stadium der Erkrankung sich die Operation empfiehlt, ist primär von der subjektiven Beeinträchtigung des Betroffenen abhängig, muss sicherlich aber immer auch im Dialog zwischen Augenarzt und Patient entschieden werden.

Die Operation des grauen Stars zählt zu den weltweit am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen und wurde in den letzten Jahren immer weiter fortentwickelt und verbessert. Dank minimal-invasiver OP-Techniken und schonenderem Vorgehen wird der operative Linsenaustausch im Regelfall ambulant und unter lokaler Betäubung des zu behandelnden Auges durchgeführt.

Wichtigste Voraussetzung für ein optimales Ergebnis nach der Katarakt-OP ist eine genaue Planung und die entsprechende Diagnostik vor der Operation. Nach in der Regel örtlicher Betäubung wird minimal-invasiv ein kleiner Schnitt an der Hornhaut gesetzt, über die der Operateur ins Auge eingeht. Die zu entfernende Linse wird mithilfe von Ultraschall oder Laser zerteilt. Die Linsenfragmente lassen sich dann über den minimalen Schnitt absaugen. Der Eingriff endet mit dem Einsetzen einer zuvor genau berechneten und individuell für jedes Auge ausgewählten Kunstlinse. Bei einem erfahrenen Katarakt-Chirurgen beträgt die Dauer eines solchen minimalinvasiven Eingriffs 10-15 Minuten.

Wie Sie die passende Kunstlinse finden

Grundsätzlich muss man hier zwischen sogenannten monofokalen, oft auch als Standardlinsen bezeichneten, Intraokularlinsen und Linsenimplantaten unterscheiden, die bestimmte Zusatznutzen aufweisen. Abhängig vom individuellen Wunsch des Betroffenen können unterschiedliche Kunstlinsen zum Einsatz kommen. Den medizinischen Standard stellen die sogenannten monofokalen Intraokularlinsen, also Einstärkelinsen dar. Durch diese Kunstlinsen kann in den meisten Fällen eine parallel zum grauen Star vorliegende Fehlsichtigkeit im Wesentlichen ausgeglichen werden. Wenn vor der Operation keine größere Fehlsichtigkeit vorlag, kann in vielen Fällen, entweder in die Ferne, oder in die Nähe auch ohne größere Brillenkorrektur gut gesehen werden.

Eine etwas andere Situation liegt vor, wenn vor der Operation bereits eine stärkere Fehlsichtigkeit, insbesondere auch Hornhautverkrümmungen und Astigmatismen vorliegen, oder wenn der Wunsch besteht, nach der Operation ohne Sehhilfe sowohl bei Fernsicht als auch bei naher Sicht Sehschärfe zurückzugewinnen. In solchen Fällen können sogenannte premium Intraokularlinsen, also Linsen mit zusätzlichem Nutzen, hilfreich sein.

Wenn der Wunsch besteht, sowohl für die Ferne, als auch für die Nähe weitestgehend ohne Sehhilfe auskommen zu wollen, eignen sich beispielsweise multifokale Intraokularlinsen. Ist im Operationsverlauf eine Hornhautverkrümmung auszugleichen, eignen sich, zu den Premiumlinsen zählende, torische Intraokularlinsen, um den vorbestehenden Astigmatismus wirkungsvoll auszugleichen. Die asphärische Intraokularlinse ist vom Prinzip her eine monofokale Linse, deren optische Eigenschaften aber im Vergleich zu Standardlinsen wesentlich verfeinert sind und so im Vergleich zur Standardlinse zu einer deutlich optimierten Kontrastschärfe und besserem Nachtsehen beitragen kann.

Femtosekundenlaser oder Ultraschall?

Die heutzutage am häufigsten angewendete Operationstechnik zur Entfernung des grauen Stars ist die sogenannte Phakoemulsifikation. Hierbei wird die natürliche Linse auf schonende Weise mittels Ultraschall zerkleinert und dann abgesaugt. Mit dieser Technik hat man seit vielen Jahren sehr gute Erfahrungen mit sehr geringen Komplikationsraten.

Eine besonders exakte und schonendere Behandlung ist die erst seit wenigen Jahren eingeführte und an relativ wenigen Zentren verfügbare Kataraktoperation mit dem Femtosekundenlaser. Der Femto-Laser setzt hierbei rasche energiereiche Lichtimpulse frei. Diese Lichtimpulse können das Skalpell zwecks Schnitt am Auge und den Ultraschall zwecks Zertrümmerung der getrübten Linse ersetzen.

Dem Vorzug einer sehr hohen Präzision durch den Femtosekundenlaser stehen Nachteile wie vergleichsweise hohe Behandlungskosten mit der Lasertherapie gegenüber. Die Entscheidung zwischen Ultraschall und Femtosekundenlaser sollte daher auf Grundlage individueller Faktoren und der fachlichen Einschätzung des behandelnden Augenarztes erfolgen.

Der richtige Arzt für die Kataraktbehandlung

Für den Erfolg einer Kataraktoperation spielt die Wahl eines geeigneten Arztes eine wichtige Rolle. Der ausgewählte Chirurg sollte ausreichend Erfahrung mit den verschiedenen Techniken der Kataraktbehandlung aufweisen und mit den unterschiedlichen Kunstlinsenarten vertraut sein. Oft sind schließlich auch vertrauenswürdige Empfehlungen zufriedener Patienten ein zuverlässiger Hinweis auf die fachliche Kompetenz eines Facharztes.

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