Gadolinium-Vergiftung - Diese Symptome können nach einer MRT-Untersuchung auftreten

Dr. Couckuyt

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© Robert Kneschke - fotoliaEine Gadolinium-Vergiftung kann eine gefährliche Folge einer MRT-Untersuchung sein. (© Robert Kneschke - fotolia)Seit 1988 werden Gadolinium-Komplexe als Kontrastmittel bei MRT-Untersuchungen angewendet. Anfangs hat man geglaubt, dass sie absolut sicher sind. Doch heutzutage sieht die Realität anders aus. Mittlerweile gibt es viele Patienten, die an einer Gadolinium-Vergiftung erkrankt sind.

Warum Gadolinium-Komplexe gefährliche Nebenwirkungen verursachen können

Gadolinium ist ein Schwermetall, das der Gruppe der sogenannten Seltenen Erden zugeordnet wird. Es ist paramagnetisch und daher als Kontrastmittel für MRT-Untersuchungen sehr gut geeignet. In ungebundener Form ist es extrem giftig. Deshalb werden immer Gadolinium-Komplexe als Kontrastmittel verwendet.
In diesen Komplexen ist das Gadolinium durch einen Chelator gebunden. Chelatoren sind in der Lage, Metalle zu wasserlöslichen Komplexen zu binden, die letztendlich über die Nieren ausgeschieden werden.

Früher sah man den Gebrauch von Gadolinium-Komplexen nur bei Patienten mit einem Nierenversagen kritisch. Doch heutzutage gibt es überzeugende Hinweise darauf, dass sich sowohl das Gadolinium-Ion als auch die Gadolinium-Komplexe bei jedem Patienten im gesamten Körper ansammeln können. Leider fehlen immer noch die Studien, die belegen, dass diese Gadolinium-Ablagerungen auch Beschwerden hervorrufen können.

Ob sich das Gadolinium im Körper ablagert, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu gehören 

  • der verwendete Gadolinium-Komplex (umso stabiler die Gadolinium-Komplexe sind, desto geringer ist die Gefahr)
  • die Anzahl der durchgeführten MRT-Untersuchungen mit Kontrastmittel
  • die Dosis an verwendeten Kontrastmitteln
  • die Belastung des Körpers mit Eisen, Kalzium oder Zink
  • die Übersäuerung des Körpers
  • die eingeschränkte Nierenfunktion

Im Körper kann das giftige Gadolinium durch körpereigene Ionen wie Kalzium, Zink, Kupfer oder Eisen ausgetauscht werden. Die freigesetzten Gadolinium-Ionen lagern sich anschließend vor allem in folgenden Arealen ab:

  • Gehirn
  • Haut
  • Knochen
  • Nerven
  • Nieren
  • Leber 

Der Körper kann Gadolinium nur sehr eingeschränkt abbauen, wodurch es oft noch über Jahre hinweg nachgewiesen werden kann. Es kann sich nach jeder neuen Kontrastmittelgabe im Körper anreichern.

Problematisch ist, dass das Gadolinium die gleichen chemischen Eigenschaften wie ein Kalzium-Ion aufweist. Dadurch ist es in der Lage, alle Stoffwechselvorgänge zu blockieren, bei denen Kalzium verwendet wird.


© sean - iStockDie Symptome einer Gadolinium-Vergiftung sind sehr vielfältig. (© sean - iStock)Welche Symptome können sich zeigen?

Die Beschwerden einer Gadolinium-Vergiftung sind bei jedem Patienten unterschiedlich. Weil viele Patienten alle Kriterien einer Fibromyalgie erfüllen, wird eine Gadoliniumvergiftung als eine der vielen Auslöser dieser Erkrankung angesehen. 

Die folgenden Symptome sind nach Häufigkeit aufgelistet:

  • Schmerzen: Sie sind dumpf mit Brennen, Taubheit, Kribbeln, Ameisenlaufen, Jucken, Schwellungsgefühlen und einem Gefühl von Stromschlägen. Die Schmerzen verschlimmern sich durch Kälte oder Wärme. Am häufigsten sind Gliedmaßen, Kopf und Rumpf betroffen. 
  • Koordinationsprobleme
  • Schwäche und Zuckungen der Muskeln
  • Gelenke: Die Beweglichkeit ist eingeschränkt, weil die Gelenke oft steif und geschwollen sind.
  • Verschlechterung der Sehschärfe, trockene und rote Augen
  • Elastizitätsverlust an der Haut, Hautausschlag, Veränderung der Hautfarbe, Hautläsionen (Geschwüre, Papeln, Makulae und Knoten), Juckreiz, Nesselsucht, Verdickungen und Verhärtungen des Unterhautgewebes
  • Benommenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit
  • Haarausfall
  • niedrige Körpertemperatur
  • Hörverlust
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Schluckstörungen
  • Probleme mit der Stimme 
  • Schwellung der Extremitäten 


Wie wird eine Gadolinium-Vergiftung diagnostiziert?

Um die Diagnose einer Gadolinium-Vergiftung zu bestätigen, sollte man einen Diethylentriaminpentaessigsäure-Belastungstest durchführen. DTPA ist ein Chelator, der in der Lage ist, das Gadolinium zu binden und über die Nieren auszuscheiden.

Unmittelbar vor dem DTPA-Belastungstest sollte der Patient seine Blase vollständig entleeren. Anschließend wird das DTPA intravenös verabreicht. Nach einer Ruhepause von mindestens zwei Stunden, ohne etwas zu trinken oder zu essen, wird der Patient gebeten, erneut seine Blase zu entleeren. Im Anschluss wird diese Urinprobe zur Analyse in ein Labor geschickt.


So funktioniert die Ausleitung und Entgiftung

Nur mit einer sogenannten Chelat-Therapie kann man das Gadolinum aus dem Körper entfernen. Dabei wird dem Patienten ein Chelator intravenös verabreicht, der das Gadolinium im Gewebe zu wasserlöslichen Komplexen bindet. Anschließend wird es über die Nieren ausgeschieden. Von allen zurzeit verfügbaren Chelatoren ist Diethylentriaminpentaessigsäure (DTPA) dafür am besten geeignet.

DTPA bindet im Körper neben Gadolinium auch vermehrt Zink und in geringeren Maßen Eisen, wodurch es besser über den Urin ausgeschieden werden kann. Um einen Zinkmangel zu vermeiden, ist es daher besser, immer das Zink-DTPA statt das Kalzium-DTPA zu verwenden.

Schon nach zwei bis drei DTPA-Infusionen bessern sich die Beschwerden. Insgesamt sind mindestens 15-20 DTPA-Infusionen erforderlich. Sie können theoretisch auch jeden Tag verabreicht werden.

Weil eine Gadoliniumvergiftung eine der vielen Auslöser einer Fibromyalgie ist, sind alle therapeutischen Maßnahmen für die Behandlung dieser Krankheit oft auch hier sinnvoll.

 

Auf einen Blick

Behandlungsdauer

Die Behandlung dauert meistens sechs bis zwölf Wochen, kann aber im Einzelfall auch sehr langwierig sein.

Nebenwirkungen

  • Vor allem, wenn die Intervalle zwischen den DTPA-Gaben zu kurz sind oder die Dosis zu hoch ist, können folgende Nebenwirkungen auftreten: Durchfall, Erbrechen, Fieber, Frösteln, Hautjucken, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und Übelkeit.
  • Seltene Nebenwirkungen sind: Blutdrucksenkung, allergische Hautreaktionen, Kribbeln (Parästhesien) und Nasenschleimhautentzündungen.
  • Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist Vorsicht geboten, weil DTPA die Nierenfunktion weiter einschränken kann!

Arbeitsunfähigkeit

Die Arbeitsfähigkeit wird von der Behandlung selbst kaum beeinträgtigt.

Verhaltenstipps nach der Behandlung

Im Anschluss nach der Behandlung soll man viel trinken und körperliche Anstrengungen meiden.

Folgen bei ausbleibender Behandlung

Zurzeit fehlen die Daten, um die Folgen einer ausbleibenden Behandlung vorherzusagen. Erfahrungsgemäß geht es vielen Patienten nach einer Therapie deutlich besser.

Behandlungsalternativen

Zur Zeit ist die DTPA-Chelat-Therapie die einzige Behandlung einer Gadolinium-Vergiftung.

Kostendeckung der Krankenkasse

Die Behandlungskosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht erstattet.

Studien

Zur Zeit gibt es keine Studien, die belegen, dass das Gadolinium bei gesunden Menschen Beschwerden hervorrufen kann. Daher gibt es auch keine Studien, die beweisen, dass eine DTPA-Chelat-Therapie ihren Zustand verbessert.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


20.09.2018 - 13:11 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr., Mein Orthopäde hat mich...

von Hubert

... zu eier Szintigraphie li.KG nach Knie TEP 02/2018 überwiesen, um eine Entzündung am li. KG auszuschließen. 2014 Wechsel OP re KG, Schultergelenk OP bds. Herzschrittmacher(AV Block 3.Grades). Das zum Einsatz kommende Gadolinium zeigt giftige Nebenwirkungen. Was tun, Hr. Doktor?. Mit freundlichen Grüßen, H. D.

Dr. Couckuyt

Antwort vom Autor am 21.09.2018
Dr. Danny Couckuyt

Sehr geehrter Herr Hubert, aufgrund von Ihren Beschreibungen, ist mit unklar, wann und wie viele MRTs Sie in der Vergangenheit bekommen haben. Eine Szintigraphie wird mit Technetium durchgeführt und kann also keine Gadoliniumvergiftung auslösen. MfG Dr. Couckuyt

18.09.2018 - 19:12 Uhr

Guten Tag, ich hatte seit dem Jahr 1998 wegen...

von H.-Dieter

... Bandscheibenvorfällen mehrere MRT-Untersuchungen, vor denen ich jeweils immer Gadolinium gespritzt bekommen habe. Im Jahr 1999 lag ich wieder mal in der Röhre, bekam Gadolinium gespritzt und bin kurze Zeit danach - dem Gefühl nach - fast explodiert. Es wurde ein Blutdruck von über 200 festgestellt, ein Gegenmittel gespritzt und nach kurzer Zeit war alles in Ordnung. Scheinbar!!! Denn bis dato bin ich insgesamt - letztmals am 06.12.2004 - 8 mal an der Wirbelsäule operiert worden, da ich nach den OP´s jeweils ca. 4 Wochen schmerzfrei war, dann aber bis heute immer ununterbrochen Rückenschmerzen habe. Wirbelsäule wurde jeweils immer verbunden mit unterschiedlichen Materialien, beispielsweise LW 2 und LW 3. Dann LW 4 mit LW 5 etc. Immer wieder Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen. Das einzige, was ich dagegen bekam, war das dämliche Tramadol, das nach spätestens einem halben Jahr gar nichts mehr half. Auf sämtlichen Röntgenbildern ist kein BSV oder ähnliches zu sehen. Ich sagte vor dem Röntgen immer. dass ich gegen Gadolinium allergisch reagiere. Ich gehe davon aus, dass ich eine abnorme Spondylolistesis habe und dass man einfach eine Platinstange hätte implantieren müssen, an der man die LW´s befestigte. Allerdings hat mich nun gerade ein Beitrag im TV darauf gebracht, der die die nach wie vor vorhandenen Schmerzen in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Ist es theoretisch denkbar, dass man nach so langer Zeit von 20 Jahren Schmerzen vom Gadoliniun haben könnte? Übrigens: Die Radiologen wissen sämtlich nichts über die Gefährlichkeit von Gadolinium!!! Man hat auf meinen Hinweis mit der Allergie nur mit den Achseln gezuckt oder verständnislos dreingeschaut, Beste Grüsse H.-Dieter

Dr. Couckuyt

Antwort vom Autor am 20.09.2018
Dr. Danny Couckuyt

Bezüglich einer Gadoliniumvergiftung ist vieles noch unklar. Es ist doch eher unwahrscheinlich, dass Schmerzen einer Gadoliniumvergiftung erst nach zwanzig Jahren auftreten. Fast alle Patienten haben verbreitete Schmerzen im Körper. Bei Schmerzen in einer Extemität soll man zuerst andere Ursachen ausschließen.

15.09.2018 - 07:41 Uhr

Ich habe Diabetes Typ 2 und Polyneuropathie Seit...

von Herbert V.

... 2006 bin ich insulinpflichtig. Februar 2018 wurde ein MRT der Arterien ab Hüfte abwärts gemacht. Im Mai bekam ich über Nacht heftige schmerzen im linken Oberschenkel. Sie treten nicht auf wenn ich sitze oder liege. Wenn ich gehe und die Muskeln anspanne treten unerträgliche Schmerzen auf Ich kann die 15 Meter zu meinem Auto in der Garage nur mit Willenskraft gehen. Wenn ich im Auto sitze, klingen die Schmerzen sofort ab. Ich vermute, dass das Kontrastmittel die Ursache ist. Können Sie mir einen Arzt in meiner Nähe nennen, der mit dem Gadolinium vertraut ist? Ich wohne in 70794 Filderstadt, nahe Stuttgart. Kein Schmerzmittel hilft. Vielen Dank

Dr. Couckuyt

Antwort vom Autor am 17.09.2018
Dr. Danny Couckuyt

Sehr geehrter Herr Herbert V., weil die Ärzte, die sich mit einer Gadolinium-Problematik auskennen, in Deutschland nicht organisiert sind, kann ich Ihnen leider keine Adresse eines Kollegen im Stuttgarter Raum übermitteln. Zu Ihren Beschwerden kann ich mich leider, aus berufsrechtlichen Gründen, nicht äußern. Als Arzt darf man keine ärztlichen Beratungen oder Behandlungen durchführen, wenn dieser den Patient nicht persönlich kennt. Übers Internet darf man als Arzt daher nur allgemeine Informationen geben. MFG Dr. Couckuyt


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