6-fach-Impfung bei Babys: Inhaltsstoffe, Abstände und Nebenwirkungen

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
verfasst am

©fotolia-76250824-chalabalaSchreien kann eine Nebenwirkung der 6-fach Impfung sein (©fotolia-76250824-chalabala)Sie fragen sich, wieso Sie Ihr Baby gegen Krankheiten impfen lassen sollen, die es in Deutschland fast nicht mehr gibt? Sie befürchten, dass Sie Ihr Baby mit einer Impfung in Gefahr bringen? Lesen Sie hier, gegen welche Erkrankungen die 6-fach Impfung schützt und mit welchen Risiken Sie rechnen müssen.

Gegen was schützt die 6-fach-Impfung?

Die 6-fach-Impfung, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wird, schützt Ihr Baby gegen folgende Erkrankungen:

  • Diphtherie: Das Krankheitsbild ähnelt zu Beginn einer Infektion der Atemwege, die zur Schwellung im Halsbereich führt. Die Schwellung kann die Atemwege komplett verschließen und zum Ersticken führen. Das Diphtherie-Bakterium ist toxisch und verursacht Schäden der inneren Organe, wie zum Beispiel Herzentzündungen und Nervenlähmungen. Es ist beim Niesen, Husten oder Sprechen leicht übertragbar, was in der Vergangenheit zu tausenden Toten geführt hat.
  • Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt: Der Erreger ist im Erdboden verbreitet. Nach einer Ansteckung durch Wunden, Kratzer oder Stiche äußert sich Tetanus mit Krämpfen der Gesichts- und Brustmuskulatur, die zum Erstickungstod oder zu Herzversagen führen können.
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis): In der ersten Phase äußert sich die Erkrankung mit grippeähnlichen Beschwerden, danach folgen Erbrechen und starke Kopfschmerzen. Die Poliomyelitis verursacht bleibende Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur oder der Sprech-, Schluck- und Atemmuskeln. In der Vergangenheit haben epidemische Wellen von Poliomyelitis in Deutschland tausende Menschen anden Rollstuhl gefesselt.
  • Keuchhusten (Pertussis): Die Erkrankung äußert sich zu Beginn mit andauernden, grippeähnlichen Symptomen und danach mit quälenden, oft nächtlichen Hustenanfällen, die 4 bis 6 Wochen anhalten. Bei ungefähr einem Prozent der erkrankten Babys unter sechs Monaten führt die Erkrankung zum Atemstillstand und zum Tod.
  • Haemophilus influenzae Typ b: Der Krankheitserreger führt zu Hirnhautentzündung, Entzündung des Kehldeckels, Lungenentzündung oder Blutvergiftung. Im ersten Lebensjahr drohen lebensgefährliche Komplikationen.
  • Hepatitis B: Ein Baby erkrankt selten an Hepatitis B, aber wenn das passiert, dann leidet es ein ganzes Leben lang daran. 90 Prozent der mit Hepatitis B infizierten Neugeborenen werden nie gesund. Während die akute Phase mit grippeähnlichen Symptomen, Übelkeit und Erbrechen verläuft, wird die Leber für immer geschädigt.

Eine 5-fach-Impfung schützt gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten und Haemophilus influenzae Typ b, aber nicht gegen Hepatitis B.

© contrastwerkstatt -fotoliaDie Auffrischung findet fünf bis sechs Jahre nach der ersten Impfung statt (© contrastwerkstatt -fotolia)Wie oft impfen? Ablauf, Abstände und Auffrischungen

Der 6-fach-Impfstoff wird ab dem zweiten Lebensmonat gespritzt. Der Arzt verabreicht drei Dosen mit einem Abstand von mindestens einem Monat. Im zweiten Lebensjahr sollte eine Auffrischung erfolgen.

Für einen lang anhaltenden, sicheren Schutz sollten die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten im Alter zwischen 5 und 6 Jahren nochmals aufgefrischt werden. Danach einmal alle 10 Jahre.

Inhaltsstoffe

Die Kombinationsimpfstoffe wurden speziell für Säuglinge entwickelt. Sie enthalten Bestandteile von toten Krankheitserregern, um das Immunsystem anzuregen, Antikörper gegen alle sechs Erkrankungen zu bilden. Im Grunde genommen täuscht der Impfstoff das Abwehrsystem, indem er eine Infektion vorspielt.

Der Impfstoff kann die Erkrankungen aber gar nicht auslösen, weil er nur tote Bakterien- und Virenteile enthält. Letztere enthalten auch in diesem Zustand wichtige Merkmale, die zur Bildung der Antikörper führt. Sollte danach ein lebendiger Krankheitserreger auftauchen, stürzten sich die Antikörper blitzschnell auf ihn und zerstören ihn. Man muss sich das wie bei einer Feuerwehrübung vorstellen: Das Feuer gibt es gar nicht, aber dank der Übung ist die Rettung möglich, sollte sie in Zukunft notwendig sein.

In der Europäischen Union gibt es zwei zugelassene 6-fach-Impfstoffe. Sie enthalten unter anderem auch Aluminium. Der Aluminiumzusatz sorgt dafür, dass eine künstliche Entzündung an der Einstichstelle entsteht, die die Abwehrantwort verstärkt.

Enthalten die Impfstoffe zu viel Aluminium?

Man kritisiert, dass 6-fach-Impfungen zu viel Aluminium enthalten. Aluminium in größeren Mengen kann das Nervensystem beschädigen und wurde mit Erkrankungen wie Autismus und Alzheimer in Verbindung gebracht. Welche Menge zu viel für den Körper eines Kleikindes ist, ist nicht wissenschaftlich geklärt.

Wir nehmen täglich Aluminium mit unserer Nahrung auf. Zur Ausleitung von Aluminium werden unter anderen Silizium, Apfelsäure, Magnesium und Folsäure empfohlen. Silizium, das in Getreide wie Hafer, Hirse und Gerste enthalten ist, ist vermutlich ein Gegenmittel für Aluminium. Apfelsäure, die in Äpfeln, Trauben, Quitten und Beeren steckt, führt zur erhöhten Ausleitung von Aluminium über den Urin.

Eine optimale Magnesiumversorgung verhindert die Ablagerung von Aluminium im Gewebe, wobei zu viel Kalzium die Aluminiumablagerung im Gewebe begünstigt. Folsäure, die in grünem Blattgemüse, Kohl, Kräutern, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten enthalten ist, reduziert Aluminiumakkumulationen im Körper ebenfalls.

Inwiefern die tägliche Einnahme von Aluminium durch die Nahrung mit der einmaligen Injektion einer Impfung gleichzustellen ist, kann die Wissenschaft nicht sagen.  

Nebenwirkungen

Die 6-fach-Impfung erspart fünf zusätzliche Einzelimpfungen, führt aber nicht zu 6-mal mehr Nebenwirkungen. Häufig kommt es zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die manchmal schmerzhaft ist.

Weitere Reaktionen sind Fieber, Schnupfen, Erkältung, Lymphknotenvergrößerung und Durchfall. Kopf- und Gliederschmerzen sowie Reizbarkeit führen dazu, dass das Baby schreit, weint und unruhig ist.

© granata68 - fotoliaFieber ist eine sehr seltene Nebenwirkung der 6-fach Impfung (© granata68 - fotolia)Diese Reaktionen klingen in der Regel in ein bis drei Tagen nach der Impfung ab. Bei weniger als einem von 10.000 geimpften Babys kommt es zu Fieberkrämpfen oder allergischen Reaktionen. Selten ist das Baby nach der Impfung müde, schläft nur und trinkt nicht.

Nachdem ungefähr drei Millionen Kinder 6-fach-Impfstoffe erhalten hatten, verstarben im Jahr 2000 fünf Kinder in Europa innerhalb von 24 Stunden nach der Impfung. Die Kinder waren zwischen 4 und 23 Monate alt.

Nach ausführlichen Untersuchungen kamen die verantwortlichen Experten zu dem Schluss, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Kindstod nicht belegt ist. In den Jahren 2001 bis 2003 wurden ungefähr 7,2 Millionen Impfdosen gespritzt, auf die 488 Impfreaktionen gemeldet wurden.


Fazit: Ist die 6-fach Impfung sinnvoll – ja oder nein?

Auf diese Frage geben Experten eine eindeutige Antwort: ja!

Die 6-fach-Impfung ist sinnvoll, weil sie Ihr Kind vor leicht übertragbaren, schwer verlaufenden und potentiell lebensbedrohlichen Erkrankungen schützt. Impfungen verleihen nicht nur einen individuellen, sondern auch einen kollektiven Schutz der Bevölkerung gegen Epidemien, die in der Vergangenheit zahllose Opfer forderten.

Die Erkrankungen, die in Deutschland wegen den Impfungen selten geworden sind, plagen andere Länder dieser Erde nach wie vor. Lassen wir unsere Kinder nicht mehr impfen, gefährden wir ihre und unsere Gesundheit, weil sie sich auf Reisen anstecken könnten.

Mehr wissenschaftliche Daten und Transparenz zum Thema Aluminiumgehalt in Impfungen wäre wünschenswert, damit Eltern keine Angst haben müssen, Ihre Babys zu impfen.

 

Quellen:

  • Bergfors E, et al. Sixty-four children with persistent itching nodules and contact allergy to aluminiumafter vaccination with aluminium-adsorbed vaccines-prognosis and outcome after booster vaccination. Eur J Pediatr 2013;172(2):171-7.
  • Dórea JG. Exposure to mercury and aluminum in early life: developmental vulnerability as a modifying factor in neurologic and immunologic effects. Int J Environ Res Public Health2015;12(2):1295-313
  • Domingo JL, et al. Oral silicon supplementation: an effective therapy for preventing oral aluminum absorption and retention in mammals. Nutr Rev2011;69(1):41-51
  • Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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    Kommentare zum Artikel (1)


    08.03.2017 - 10:08 Uhr

    Kann man bei einem Baby 7 Monate z. B. auf...

    von Nicole

    ... Siliziumzufur achten durch Ernährung oder siliziumhaltiges Wasser oder schadet das dem Baby nach der Impfung eher mehr?


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