Was ist Tetanus? Alles Wissenswerte über Symptome, Ursachen und Behandlungen

Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme - Gegen Tetanus kann geimpft werden! (© inesbazdar - fotolia)

Sie sind über 60? Dann gehören Sie zur Risikogruppe, die von Tetanus bedroht ist. Lesen Sie hier, wann Wundstarrkrampf eintritt, wie sich die Erkrankung äußert und wie Sie sich effektiv schützen können.

Ursache, Verbreitung & Vorkommen

Tetanus, auch Wundstarkrampf genannt, ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die durch das Bakterium ,,Clostridium tetani‘‘ verursacht wird.

Der Tetanuserreger vermehrt sich nur unter der Abwesenheit von Sauerstoff, produziert Gifte, die das Nervensystem befallen, und bildet Sporen, die sehr widerstandsfähig sind. Die Sporen kommen überall im Erdreich vor, insbesondere im Kot von Tieren, vor allem von Pferden, und im Straßenschmutz, in gedüngter Blumenerde, in altem Holz und in Staub auf Dachböden oder auf verrosteten Gegenständen im Keller.

Der Krankheitserreger wird über Wunden übertragen und kann sich zum Beispiel durch einen kleinen Schnitt oder Splitter in der Haut verbreiten. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Weltweit sterben nach den Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation pro Jahr etwa eine Millionen Menschen an Tetanus. In Deutschland erkranken pro Jahr ungefähr 70 Patienten daran. Meistens handelt es sich um Erwachsene im Alter von über 60 Jahren.

Besonders Senioren sind anfällig für Tetanus (© Fotosmurf03 - iStock)
Welche Risikofaktoren gibt es?

  • Alter: Die Ansteckungswahrscheinlichkeit ist bei über 60-Jährigen bis zu 7-mal höher als bei 5- bis 19-jährigen. Das liegt daran, dass ihre Abwehrstoffe nach einer Impfung schneller abgebaut werden als bei jüngeren Menschen. Darüber hinaus ist die Durchblutung schlechter, was die Vermehrung des Tetanuserregers ebenfalls fördert.
  • Hauterkrankungen: Offene Hautstellen begünstigen eine Tetanusinfektion, weil der Erreger leichter in den Körper eindringen kann.
  • Merkmale der Eintrittswunde: Je großflächiger und oberflächlicher die Wunde ist, desto geringer sind die Chancen, dass der Tetanuserreger in den Körper eintritt. Er braucht sauerstoffarme Bedingungen zur Vermehrung, was bei gut belüfteten Wunden nicht der Fall ist, besonders wenn Teile des Gewebes abgestorben sind. Ein tieferer Schnitt oder Stich, der harmlos aussieht, begünstigt die Infektion dagegen.
  • Grunderkrankungen: Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem und Patienten nach einer Leber- oder Nierentransplantation sind auch gefährdet, an Tetanus zu erkranken.

Symptome: Von Krämpfen bis zu Herzstillstand  

Der Tetanuserreger produziert zwei Gifte: Das Tetanolysin, das die roten Blutkörperchen zerstört, und das Tetanospasmin, das zum zentralen Nervensystem wandert. Die dadurch verursachte Nervenschädigung führt zur Hemmung von Nervenimpulsen, die normalerweise überschießende Muskelkontraktionen verhindern. Der Ausfall der hemmenden Impulse führt zum charakteristischen Krankheitsbild mit Übererregbarkeit und starken, qualvollen und langanhaltenden Krämpfen, die alle Muskelgruppen betreffen können.

Die Inkubationszeit ist variabel und kann wenige Tage oder drei Wochen dauern. Je schneller die Symptome auftreten, desto schwerer der Krankheitsverlauf.

Die Tetanusinfektion kann in vier unterschiedlichen Formen verlaufen:

  • Die generalisierte Form äußert sich mit dem klassischen Erscheinungsbild am ganzen Körper und ist die häufigste Variante in Mitteleuropa.
  • Bei der lokalen Form befindet sich die Eintrittswunde des Erregers an einem Arm oder Bein. Die Beschwerden beschränken sich auf die verwundete Extremität.
  • Die zephale Form entwickelt sich, wenn sich die Eintrittswunde am Kopf befindet, und weist eine kurze Inkubationszeit auf.
  • Die neonatale Form betrifft Neugeborene, deren Mütter nicht geimpft wurden. Der Erreger wandert durch den Nabel in den Körper des Neugeborenen. Sie ist die häufigste Tetanusform weltweit und kommt häufig in Ländern mit schlechter Hygiene und mangelnder medizinischer Versorgung vor.

Die klassischen Anzeichen des generalisierten Tetanus sind zu Beginn Schmerzen und Muskelsteifigkeit, insbesondere im Nacken und im Gesicht und Schluckstörungen. Typisch ist auch die verkrampfte Kau- und Gesichtsmuskulatur, die das typische ,,Grinsen‘‘ der Betroffenen verursacht.

Zu den ersten Symptomen kommen noch Sehstörungen, eine verkrampfte Kehlkopfmuskulatur, die das Sprechen unmöglich macht, Krämpfe an Rumpf, Armen und Beinen, Blutdruckanstieg, Schweißausbrüche, Halsschmerzen und Beschwerden beim Schlucken, Unruhe, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Frösteln und Herzrasen hinzu.

Im Verlauf der Krankheit kommt es zu starken Krämpfen der Rücken- und Bauchmuskeln, die sogar zu Frakturen von Wirbelkörper führen können, sowie Verkrampfung der Blasen- und Darmmuskeln, die zum Versagen der Urinausscheidung und zur Verstopfung führen.

Einteilung in Schweregraden

Grad

Ausprägung

Krankheitsbild

1

leicht

leichter bis mäßiger Krampf der Kaumuskulatur des Unterkiefers, keine oder nur leichte Schluckstörungen

2

mäßig

mäßiger Krampf der Kaumuskulatur des Unterkiefers, deutliche Steifheit, leichte bis mäßige kurze Muskelverkrampfungen an anderen Körperteilen, beschleunigte Atmung, leichte Schluckstörungen

3

schwer

schwerer Krampf der Kaumuskulatur des Unterkiefers, generalisierte und langanhaltende Muskelkrämpfe, beschleunigte Atmung, Herzrasen mit Herzfrequenz über 120 Schlägen pro Minute, Atemstillstände

4

sehr schwer

Grad III plus schwere Störungen der autonomen Funktionen insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems mit Herzrhythmusstörungen oder Herzstillstand

 

Ohne Behandlung führt der Wundstarrkrampf zum Tod durch Atemstillstand. Mit intensivmedizinischer Behandlung beträgt die Sterblichkeitsrate dagegen nur 10 bis 20 Prozent.

Überlebt ein Patient, dauert es bis zu 12 Wochen, bis die Tetanustoxine unwirksam und die Beschwerden endgültig verschwunden sind. Manchmal verursacht die Erkrankung bleibende Schäden, wie zum Beispiel Lähmungen. Immun sind die Patienten nach Abklingen der Symptome allerdings nicht – Tetanus kann ohne Impfung wiederkommen.   

Weil sich der Erreger und das Gift der Tetanusbakterien im Wundmaterial oder im Blut nicht zuverlässig nachweisen lassen, wird die Diagnose anhand des Krankheitsbildes gestellt.

 

Antibiotika können helfen die Symptome einzudämmen, allerdings nicht beseitigen (© JanMika_iStock)
Behandlung: Wundreinigung, OP und Antibiotika

Eine Wunde, die möglicherweise mit dem Tetanusbakterium infiziert wurde, sollte sofort gereinigt werden. Die Wundränder sind zu entfernen, insbesondere wenn die Wunde tief ist – und das schnell. Die gründliche chirurgische Säuberung der Wunde muss innerhalb von höchstens sechs Stunden nach der Verletzung stattfinden.

Darüber hinaus ist eine Antibiotikatherapie sinnvoll, die die Folgen der Infektion zwar dämpfen kann, das Fortschreiten der Erkrankung aber nicht mehr aufhalten wird. Die schon produzierten Toxine können mit Antibiotika nicht bekämpft werden.

Die Tetanustoxine neutralisiert der Arzt, indem er spezielle Antikörper in die Vene und in die Wundränder spritzt. Eine zusätzliche Schutzimpfung regt die Bildung von körpereigenen Antikörpern an.

Treten die Symptome nach der Inkubationszeit auf, sind unterstützende stationäre Maßnahmen nötig. Wichtig ist, die Atemwege offen zu halten. Darüber hinaus sind eine Sauerstoffversorgung und manchmal eine künstliche Beatmung nötig. Gegen die Krämpfe werden muskelentspannende Medikamente und Beruhigungsmittel verabreicht.

Oft ist eine künstliche Ernährung nötig, und die Harnblasen- und Darmentleerung müssen unterstützt werden. Die Betroffenen werden in abgedunkelten, ruhigen Räumen untergebracht, weil jeder kleine optische oder akustische Reiz Krampfanfälle verursachen kann.

Heilpraktiker dürfen Infektionskrankheiten grundsätzlich nicht behandeln – hier herrscht ein Behandlungsverbot. Homöopathische Begleittherapien sind jedoch möglich.

Vorbeugung

Die einzige wirksame Maßnahme zur Vorbeugung von Tetanus ist die aktive Schutzimpfung. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen, die zweite erfolgt vier bis acht Wochen nach der ersten und die dritte sechs bis zwölf Monate nach der zweiten. Alle zehn Jahre ist eine Auffrischung notwendig.  

Der Impfstoff besteht aus Teilen toter Erreger, die das Immunsystem aktivieren. Er kann harmlose Reaktionen an der Injektionsstelle auslösen, wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen sowie vorübergehende Muskelschwäche, Gelenk- und Gliederschmerzen, Fieber, Erbrechen und Durchfall. Selten kommen allergische Reaktionen vor. Die Kosten der Impfung werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Fazit

An Tetanus erkranken in Deutschland meistens Menschen über 60. Der Erreger kann überall im Erdreich lauern, überträgt sich auf den Menschen durch offene Wunden und produziert Gifte, die zum zentralen Nervensystem wandern. Das Krankheitsbild ist dramatisch, muss stationär und intensiv behandelt werden und kann tödlich ausgehen. Gegen die schwerwiegende Infektion schützen Sie sich, indem Sie sich impfen lassen.

Links

Informationen des Robert Koch-Instituts über Tetanus
Informationen des Robert Koch-Instituts über empfohlene Impfungen
Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über Wundstarrkrampf (Tetanus)

Literatur

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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