Steißbeinfistel: Entstehung, Symptome und Behandlungsmethoden

Dr. Hofer

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©skampixelle - fotoliaDie Steißbeinfistel bleibt häufig unentdeckt. (©skampixelle - fotolia)

Es fängt oft harmlos an: beim Sitzen schmerzt das Steißbein, es entwickelt sich ein „Pickel“ oder eine "Beule" im Bereich der Gesäßfalte oder man entdeckt Blut- oder Eiterspuren in der Unterwäsche. Betroffene vermuten eine Prellung, Hämorrhoiden oder eine Hauterkrankung, denn bei einer Untersuchung finden sich oft keine größeren Auffälligkeiten.
 

 

Symptome

Häufig treten leichte Rötungen oder eine Asymmetrie der Weichteilkontur auf. Außerdem kann es zu schmerzhaften oder verhärteten Stellen kommen.
 

Was genau ist eine Steißbeinfistel?

Die Bezeichnung ist irreführend - die Art der Entzündung hat nichts mit dem Steißbeinknochen zu tun, sondern bezieht sich lediglich auf die Lage des Problems. Lange Zeit war man der Meinung, es handele sich um eine entwicklungsgeschichtliche Fehlbildung, eine sogenannte „Dermoidzyste“. In Wahrheit reagiert der Körpers aber auf eingewachsene oder eingespießte Haare.

Der Baustoff der Haare, das Keratin, kann vom Körper zwar hergestellt, aber nicht wieder abgebaut werden. In der Folge wirken die Haare wie ein Fremdkörper, der durch eine stabile Schicht aus Bindegewebe abgekapselt wird. Es entsteht also ein durch festes Gewebe - die Fistelkapsel - begrenzter Hohlraum.


Wie gelangen die Haare in das Unterhautgewebe?

Man geht heute davon aus, dass es verschiedene Mechanismen gibt. Häufig wird ein regulär gebildetes Haar durch langes Sitzen in seine Haarwurzel zurückgeschoben, bricht dabei ab und die Haarwurzel füllt sich langsam mit abgebrochenen Haaren. Eine andere Theorie geht davon aus, dass sich Haare vom tiefsten Punkt der Gesäßfalte durch ihre Wuchsrichtung nach oben durch stetige Irritationen langsam in die Haut einspießen können.

Man unterscheidet die akute Form, die sich oft sehr rasch entwickelt und durch sehr schmerzhafte Schwellungen (Steißbeinabszeß) auffällig wird. Bei vielen Patienten kommt jedoch erst gar nicht zu diesem heftigen Krankheitsbild, sondern die Fistel öffnet sich frühzeitig und wird nur durch ein leichtes Druckgefühl oder durch die abgesonderte Flüssigkeit auffällig. Es gibt auch Patienten, die von der Fistel wenig oder gar nichts bemerken ("blande Form").


Wann muss eine Steißbeinfistel behandelt werden?

Wenn ein Patient keinerlei Beschwerden hat, ist eine Behandlung nicht unbedingt erforderlich. Zumindest sind keine schwerwiegenden Komplikationen zu erwarten, denn die Fistel erreicht © JanMika_iStockDie Steißbeinfistel kann mit Antibiotikum behandelt werden. (© JanMika_iStock)oder befällt nie den Steißbeinknochen, den Schließmuskel oder den Darm.

Eine gewisse Größenausdehnung ist aber über die Jahre möglich. Der Hauptgrund für die Behandlung sind Beschwerden des Patienten. Wenn eine akute, eitrige Entzündung (Pilonidalabszeß) vorliegt, schafft eine kleine Öffnung der Fistel zunächst Abhilfe. Auch eine antibiotische Behandlung kann die Beschwerden lindern.

Die meisten Experten sind der Meinung, dass die Sanierung der zu Grunde liegenden Fistel erst in der entzündungsfreien Phase erfolgen soll. Dafür gibt es eine Vielzahl von Operationsverfahren.
 

Wie läuft eine Fistelentfernung ab?

Die von vielen Chirurgen bevorzugte Technik entfernt das gesamte befallene Gewebe spindelförmig („wetzsteinförmig“). Die Wunde wird offen gelassen und heilt dann im Idealfall über Wochen und Monate langsam zu. Nachteile sind neben der langen Heilungsdauer Wundheilungsstörungen oder die Bildung von wenig widerstandsfähigen bzw. wenig elastischen Narben.
 

Weitere Therapiemöglichkeiten

Die Wunde kann durch eine Naht in der Mittellinie geschlossen werden. Dieses Vorgehen führt jedoch häufig zu einer Infektion, die eine Wiedereröffnung der Wunde notwendig macht.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Wunde durch plastische Deckung unter Anwendung von Verschiebelappen zu verschließen - die bekanntesten sind hier die Karydakis-Operation und der Limberg Lappen.
 

Pit-Picking

Eine weitere Behandlungsmethode wurde bereits 1965 von dem englischen Chirurgen Peter Lord vorgeschlagen. Es handelt sich um die nur millimetergroße Entfernung der betroffenen Haarwurzeln und die Säuberung des Fistelgangs von Haaren und abgestorbenem Gewebe.

Dieses Verfahren wurde jedoch lange Zeit nur selten angewendet und erfuhr erst in den neunziger Jahren durch John Bascom in den USA eine gewisse Verbreitung. Die Methode verspricht wesentlich kleinere Wunden, verbunden mit nicht unbedingt kürzeren, aber angenehmeren Heilungszeiten sowie besseren funktionellen Ergebnissen. Heute wird dieses Operationsverfahren „pit-picking“ genannt und stellt eine bevorzugte Alternative zur konventionellen Excision dar.

© WavebreakMediaMicroSprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Behandlungsmethode am besten für Sie geeignet ist. (© WavebreakMediaMicro)Um die Rate an wiederkehrenden Beschwerden (Rezidiv) zu vermindern, wurden in den letzten Jahren Verfeinerungen des „pit-picking“ entwickelt, darunter die Anwendung von Lasersonden (FiLaC), Endoskopie und minimalinvasiver Entfernung des Fistelgangs (Fistulektomie).

Um Rezidive vorzubeugen, besteht außerdem die Möglichkeit der dauerhaften Haarentfernung durch Laser oder Licht. Mittlerweile bieten viele Behandlungszentren diese schonenden Therapieverfahren an.


Fazit

In jedem Fall sollte sich der Patient ausführlich über Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmethoden informieren, denn es bestehen Unterschiede bezüglich des Behandlungserfolges und der Ausfallzeiten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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