Deutschlands größte Arztempfehlung

Impingement-Syndrom - Rotatorenmanschettenriss - Schulterschmerzen (Teil 2)

Dr. Raslan

von
verfasst am

© Dr. med. Tarek Raslan© Dr. med. Tarek RaslanWie wird das Impingement-Syndrom der Schulter behandelt?
Sehr wichtig ist: Eine rasche Diagnose stellen, sodass die Therapie so schnell wie möglich beginnen kann, um Funktionseinschränkung der Schulter und weitere Schäden an der Sehne zu vermeiden.

Konservative Therapie:
Das Impingement-Syndrom sollte zunächst möglichst so konservativ wie möglich behandelt werden. Die Therapie beginnt mit entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Ibuprofen). Eine Kortisoninjektion kann helfen, die Entzündung und Schwellneigung zu dämpfen und den Schmerz zu verringern und damit die Druckverhältnisse zu normalisieren. Die Schmerzen lassen nach und die Funktionalität der Schulter kehrt zurück. Schonung und Eispackungen können entzündlich gereiztes Gewebe ebenfalls beruhigen. Eine weitere effektive Maßnahme ist die Verordnung von Krankengymnastik und physikalischer Therapie. Akupunktur, Kinesiologie Tapes oder homöopathische Maßnahmen könnten sinnvolle therapeutische Ansätze anbieten.

Operative Therapie:
Die Operations-Indikation wird gestellt, wenn mit konservativen Maßnahmen, wie Medikamenten, Spritzen, Krankengymnastik und Akupunktur, über viele Wochen und Monaten keine ausreichende Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion erreicht wird. Eine Altersbegrenzung gibt es aufgrund schonender Operationsverfahren nicht mehr. Vorerkrankungen sollten aber abgeklärt werden. Die Indikation und der Zeitpunkt der Operation sollen individuell, abhängig vom privaten, beruflichen und sportlichen Aktivitätsniveau des Patienten, gestellt werden. Dafür ist eine ausführliche Aufklärung über den Operationsverlauf, der Nachbehandlung sowie der Dauer der Nachbehandlung für den Erfolg der Operation notwendig.

Bei der operativen Behandlung des Impingement-Syndroms hat heutzutage standardgemäß die minimalinvasive arthroskopische Schulterchirurgie - auch als „Schlüsselloch-Technik“ oder Gelenkspiegelung bezeichnet - die früher üblichen „offenen Operationen“ als Standardmethode abgelöst.

Bei einer Arthroskopie führt man über 0,5 cm kleine Hautschnitte eine Kamera und verschiedene kleine Spezialinstrumente in das mit einer Kochsalzlösung aufgefüllte Gelenk ein.

Das Ziel einer operativen Maßnahme bei einem Impingement-Syndrom (Engpasssyndrom) ist die Erweiterung des Raumes unter dem Schulterdach und damit die Beseitigung von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Zuerst werden mit dem Arthroskop (Optik) eingehend die Strukturen im Inneren des Schultergelenkes (Gelenkraum zwischen dem Oberarmkopf und der Schultergelenkpfanne) angesehen.

Beurteilt wird dabei der Zustand der Gelenkinnenhaut, die Qualität des Knorpels von Oberarmkopf und der Pfanne, die Stabilität der Gelenkkapsel, die durch das Gelenk verlaufende „lange Bizepssehne“ und die Integrität des gelenkseitigen Anteils der Rotatorenmanschette. Zeigen sich bei der Untersuchung während der Operation krankhafte Veränderungen dieser Strukturen, werden diese falls notwendig entsprechend behandelt.

Nach der Inspektion des Gelenkes wird das Arthroskop in den subacromialen Raum unter dem Schulterdach eingeführt. Hier findet der wichtigste Teil der Operation bezüglich der Impingement-Symptomatik statt. Über einen kleinen seitlichen Hautschnitt wird neben dem Arthroskop eine Hochfrequenzsonde eingeführt. Mittels dieser Sonde werden entzündliche Anteile des Schleimbeutels (meist hauptverantwortlich für die Schmerzsymptomatik = Bursa subacromialis) abgetragen und die in großer Anzahl vorliegenden Schmerz vermittelnden Rezeptoren beseitigt.

Als weiterer Bestandteil dieser als „arthroskopisch subacromiale Dekompression“ bezeichneten Operation wird die vordere Unterfläche des Schulterdaches (Acromion) mit der Hochfrequenzsonde freigelegt. Sollte die Bandverbindung zwischen der Schulterhöhe und dem Rabenschnabelfortsatz (Korakoid) zu straff sein und die Rotatorenmanschette einklemmen, dann wird diese ebenfalls gekerbt oder entfernt.

Nachfolgend wird der bogen- oder hakenförmig nach unten ausgezogene, den Raum einengende Rand des Acromions, behutsam mit einer kleinen arthroskopischen acromialen Fräse um wenige Millimeter abgetragen (Acromioplastik). Dann werden Kalknester ausgeräumt, und ggf. Teilrisse der Rotatorenmanschette geglättet. Größere Rotatorenmanschettenrisse werden sowohl arthroskopisch als auch mini-open mit verschieden Nähten und Fixierungstechniken am Knochen wieder verankert. Recht häufig ist die Ursache des Impingement eine Arthrose (Verschleiß) des Schultereckgelenks (AC-Gelenk). Hier kann man auch im Rahmen der Schulterarthroskopie einen Teil des Schlüsselbeins arthroskopisch resezieren. Diese Operation wird auch als Resektionsarthroplastik bezeichnet. Die Idee dahinter ist, zu vermeiden, dass die Rotatorenmanschette gegen Knochen reibt. Das Narbengewebe bildet mit der Zeit eine stabile und bewegliche Verbindung zwischen Schlüsselbein und Acromion aus.

Nachbehandlung:
Direkt nach der Operation sollen durch Kryotherapie (Kühlung) sowohl die Schmerzen als auch die Schwellung des Weichteilgewebes verhindert werden. Außerdem kann es zu diesem Zweck notwendig sein, bestimmte abschwellende oder schmerzlindernde Medikamente zu verordnen.

Direkt nach der Operation sollte die operierte Schulter für 2-3 Tage mit einer Orthese ruhiggestellt werden. Dadurch kann man die Wundschmerzen minimieren. Ab dem ersten postoperativen Tag muss die Krankengymnastik mit einem speziellen Nachbehandlungsplan durchgeführt werden. Gerade bei der Schulter kann es durch längere Ruhestellung zu Verwachsungen der Gelenkkapsel kommen, welche die Beweglichkeit des Schultergelenks langfristig einschränken.

Der Einsatz von Motorbewegungsschienen / CPM-Maschinen kann daher bei der Nachbehandlung sehr hilfreich sein.

Es ist zu beachten, dass die Schulter wesentlich mehr Zeit für Behandlungen benötigt wie z.B. das Kniegelenk.

Hier geht es zum ersten Teil dieses Artikels.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
45
Interessante Artikel zum Thema „Rotatorenmanschette & Kalkschulter”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Kommentare zum Artikel (3)


10.01.2017 - 11:45 Uhr

Am 22 Dez 2016 bin ich durch Blitzeis auf der...

von U. M.

... rechten Seite der Länge nach auf die Kannte einer Stufe geschlagen. Schmerzen in der linken Schulter machten sich bemerkbar und strahlen aus in die Hand. Ich hatte TAVI im April 2016, (Edwards SAPIEN transcatheter Heart Valve). Welcher Art von Untersuchung darf man da eingehen: Ultraschall, CT, MRI? Wäre es vernünftig, erst einen Orthopäden aufzusuchen? Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar. U.M.

14.08.2016 - 11:50 Uhr

Ich soll wegen eines Supraspinatus Anrisses (das...

von Gerda W.

... vordere Drittel) minimal-invasiv an der Schulter operiert werden. Ich habe an dem gleichen Arm ein Arm-Lymphödem, das 2 mal wöchentlich mit Lymphdrainage behandelt wird. Der Arm ist nicht dick. Darf dieser Arm operiert werden bzw. darf dort eine Spritze gesetzt werden? Mit freundlichen Grüßen, Gerda W.

26.01.2015 - 16:02 Uhr

Bei mir wurde am 04.12.2014 ein Eingriff wie oben...

von Werner

... beschrieben (Arthroskopie Schultergelenk) durchgeführt. Angeblich Anriss der Sehne. Trotz inzwischen 15 Krankengymnastik hab ich immer noch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen genau so stark wie vor dem Eingriff. Der behandelnde Arzt sagt, ich brauch Geduld, das dauert. Kann das sein, dass das solange dauert und ich nach 8 Wochen immer noch so starke Schmerzen habe? Kann ich hoffen, dass das überhaupt noch besser wird?

Dr. Raslan

Antwort vom Autor am 30.01.2015
Dr. med. Tarek Raslan

Sehr geehrter Herr Werner, danke für Ihren Vertrauen. Was wurde genau operiert ? Schulterarhroskopie mit subacromialen Dekompression mit oder ohne Sehnennaht ? Jede Operation hat einen anderen Nachbehandlungskozept. Dies kann nur der Operateur , anhand der Operationsbefund festlegen. In der Regel , dauert die Nachbehandlung und die Physiotherapie nach einen Schulter-Operation mehrere Wochen bis Viertel Jahr und manschmal mehr. Die Patienten brauchen Geduld und müssen , neben die Physiotherapie, aktiv üben. Endgültige Beurteilung kann nur durch klinische Untersuchung der Patient gegeben werden. Ich wünsche Ihnen eine gute Besserung Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Tarek Raslan Berlin www.arthropraxis-berlin.de


Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete