Deutschlands größtes Arzt-Patienten-Portal

Wie die Nieren den Körper entgiften

Claudia Galler

von
verfasst am

 

© freshidea - Fotolia.com© freshidea - Fotolia.comAls Filteranlage des Körpers reinigen die Nieren das Blut von Abfall- und Schadstoffen. Was man tun kann, um sie bei dieser lebensnotwendigen Arbeit zu unterstützen, und wie Erkrankungen der Nieren behandelt werden, erklärt die jameda Gesundheitsredaktion in diesem Gesundheitsspecial.

Eine Niere besteht aus etwa 1 Million Nephrone
Die Nieren liegen in der Mitte des Rumpfes, sind paarig neben der Wirbelsäule am unteren Ende des Brustkorbs angeordnet und von einer schützenden Fettkapsel umgeben. Sie haben eine bohnenförmige Gestalt und wiegen jeweils ca. 120-200 g. Ein Nephron stellt die kleinste Funktionseinheit der Niere dar. Es ist ein Filtersystem, das aus Nierenkörperchen und Tubulusapparat besteht. In den Nierenkörperchen wird aus dem Blut der Primärharn abgepresst, dieser fließt dann weiter durch das röhrenartige System des Tubulusapparates. Die Nephrone münden im Nierenbecken, von dort gelangt der Harn über die Harnleiter in die Blase und wird dann über die Harnröhre ausgeschieden.

Die Nieren als vielseitige Filteranlage
Die Nieren reinigen das Blut von Schadstoffen und Stoffwechselprodukten wie Harnstoff und Kreatinin. Gleichzeitig nehmen sie wichtige Mineralstoffe aus dem Harn wieder auf, so dass diese dem Körper zu Gute kommen. Das gesamte Blut wird mehrfach am Tag gefiltert, wobei durchschnittlich 1500 ml Urin entstehen. Neben dem Wasser- und Elektrolythaushalt regulieren die Nieren auch das Säure-Basen-Gleichgewicht des Körpers und den Blutdruck.

Wenn Nieren und Harnwege erkranken
Entzündungen und Infektionen der Nieren oder ableitenden Harnwege sowie Nierensteine können die Arbeit der Nieren beeinträchtigen. Auch können die Nieren durch Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck geschädigt werden, so dass die Filterleistung abnimmt und eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) entsteht. Hinweise auf mögliche Erkrankungen kann ein Harntest liefern. Finden sich beispielsweise Eiweiße oder Leukozyten im Urin, deutet dies auf eine Infektion der Nieren oder der ableitenden Harnwege hin. Auch Blut im Urin kann auf Infektionen der Nieren, der Harnwege oder Prostata sowie auf Nierensteine hinweisen. Enthält der Harn Glucose, kann ein Diabetes vorliegen, wird Nitrit nachgewiesen, befinden sich eventuell Bakterien in den ableitenden Harnwegen. Die Harnsäure- und Kreatininwerte des Blutes geben Auskunft über die Funktionsfähigkeit der Nieren.

Harnwegsinfekte und Nierenbeckenentzündung
© absolutimages - Fotolia.com© absolutimages - Fotolia.comWandern Bakterien die Harnröhre hinauf zur Blase, kann es zu einer Blasenreizung oder -entzündung kommen. Frauen leiden häufiger darunter, da sie eine kürzere Harnröhre besitzen. Oft treten diese Beschwerden nach dem Geschlechtsverkehr auf. Während eine Reizung nach 1-2 Tagen wieder abklingt, wird eine bakterielle Infektion über mehrere Tage antibiotisch behandelt. Bei einer chronischen, ständig wiederkehrenden Blasenentzündung wird über mehrere Wochen ein niedrig dosiertes Antibiotikum gegeben. Zur Vorbeugung von Blasenentzündungen sollten Betroffene ausreichend trinken und die Blase stets vollständig entleeren. Besonders nach dem Sex sollte die Blase entleert werden, um Keime auszuspülen. Harntreibende Tees aus Brennnessel und Schachtelhalm helfen, die Harnwege durchzuspülen, Preiselbeersaft soll aufgrund seines Gehaltes an Flavonoiden die Anhaftung von Keimen in den Harnwegen verhindern. Steigen Keime über die Blase hinaus den Harnleiter hinauf, kommt es zu einer Nierenbeckenentzündung, die antibiotisch behandelt wird.

Glomerlonephritis - Entzündung der Nierenkörperchen
Die Nierenkörperchen (Glomeruli) sind als eigentliche Filter dem stetigen Strom des Blutes ausgesetzt, das mit Abfall- und Schadstoffen beladen ist. Dies kann zu einer Entzündung der Glomeruli führen. Hier leiden Patienten unter Wassereinlagerungen, hohem Blutdruck und Schmerzen in der Nierengegend. Die Entzündung wird mit Kortison behandelt. Sind es Autoimmunreaktionen, die eine Glomerulonephritis auslösen, werden immunsuppressive Arzneistoffe wie Azathioprin gegeben.

Diabetische Nephropathie durch hohe Blutzuckerwerte
© Adam Gregor - Fotolia.com© Adam Gregor - Fotolia.comBei Diabetes kann es durch den erhöhten Blutzucker im Laufe der Jahre zu einer Schädigung der feinen Blutgefäße und Nephrone kommen. Die Nierenkörperchen werden durchlässiger für Stoffe wie Eiweiße, die feine Struktur der Nephrone wird zerstört. Das vernarbte Gewebe kann das Blut nicht mehr optimal filtern, Wasser und Schadstoffe sammeln sich im Körper, der Blutdruck erhöht sich. Ist die Zerstörung der Nieren fortgeschritten, kann das Blut nur noch mittels regelmäßiger Dialyse gereinigt werden. Um einer diabetischen Nephropathie vorzubeugen, sollten Blutzucker und Blutdruck regelmäßig kontrolliert und optimal eingestellt werden.

Nierensteine: Ablagerungen in Nierengängen und Harnwegen
Nierensteine können aus unterschiedlichen Materialien bestehen und in verschiedenen Formen auftreten. Die meisten Steine bestehen aus Calciumoxalat oder Salzen der Harnsäure. Wandern die Steine in den Harnleiter, können sie festklemmen. Wenn sich dann die Gefäßmuskeln zusammenziehen, um die Steine hinauszubefördern, kommt es zu extremen Schmerzen (Nierenkolik). Dabei können die Harnwege verletzt werden und Entzündungen entstehen. Zu den Ursachen für Nierensteine zählen Flüssigkeitsmangel, eine Ernährung, die viel Fleisch und Innereien enthält, und Gicht, der ein erhöhter Harnsäurespiegel zugrunde liegt. Kleine Steine können über den Harn ausgeschieden werden, große werden meist in einer Operation entfernt oder durch Stoßwellen zertrümmert. Gegen einen erhöhten Harnsäurespiegel wirken Medikamente mit Allopurinol, zusätzlich muss auf Innereien und zu viel Fleisch verzichtet werden. Bei Oxalat-Steinen sollte man Lebensmittel, die viel Oxalsäure enthalten, meiden, z. B. Rhabarber, Spinat, Kakao, Kaffee und schwarzer Tee.

Tipps für gesunde Nieren

  • © emeraldphoto - Fotolia.com© emeraldphoto - Fotolia.comAusreichend trinken: Normalerweise sollte man 1,5-2 l täglich trinken. Wer Nierensteine hat, sollte so viel trinken, dass er 2-2,5 l Harn pro Tag ausscheidet. Vorsicht: Stark eingeschränkt in der Trinkmenge sind Dialysepatienten.
  • Blutzuckerwerte kontrollieren und optimal einstellen.
  • Regelmäßig Blutdruck messen und für normale Werte sorgen.
  • Auf übermäßigen Fleischverzehr verzichten, vor allem bei Innereien achtgeben.
  • Speisen mäßig salzen und Alkohol nur in vernünftigen Mengen genießen.
  • Vorsicht bei Arzneimitteln: Der Dauergebrauch von Schmerzmitteln wie z. B. Ibuprofen und Diclofenac kann die Nieren schädigen.
  • Nicht rauchen, um die Gefäße zu schonen.

 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
41
Interessante Artikel zum Thema „Nieren”

Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete