Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen: So können Ketamininfusionen helfen!

Dr. Mathers

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© Kurhan_fotolia_77484069Die Behandlung mit Ketamin kann dazu führen, dass Betroffene den Bezug zur Realität verlieren. (© Kurhan_fotolia_77484069)

Das bekannte Narkosemittel Ketamin bringt neue Hoffnung für depressive Menschen. Das seit Jahrzehnten in der Anästhesie eingesetzte Medikament kann selbst bei therapieresistenten Patienten die Symptome einer schweren Depression lindern - die hohen Erfolgsraten und das schnelle Ansprechen auf die Infusionen sind für Fachleute sowie Betroffene sehr überraschend.
 


Ursache und Therapie von Depressionen

Laut Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (2004) sind weltweit 151 Millionen Menschen von einer Depression betroffen, Tendenz steigend. Allein in Deutschland geht man von ca. 6 Millionen Betroffenen aus.

Die Ursachen sind vielfältig und die Krankheit beeinträchtigt die Betroffenen in Ihrem Alltag extrem - in vielen Fällen führen Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken oder Suizid. Die gängigen Therapien können leider nicht jedem Betroffenen helfen. Fast alle Antidepressiva basieren auf einem ähnlichen Wirkungsmechanismus, daher bringt auch ein Wechsel des Präparats oft keine Verbesserung mit sich. Viele Patienten suchen deshalb nach einer alternativen Therapie mit herkömmlichen Medikamenten.

Für Patienten, die auf die gebräuchlichen Antidepressiva reagieren, kann die Wirkung dieser Medikamente positiv lebensverändernd sein. Patienten, die aber aus bisher unbekannten Gründen keine ausreichende Wirkung verspüren, können nun unter Umständen von der positiven Wirkung des Ketamins profitieren.


Behandlung mit Ketamin

Ketamin wird bereits seit den 70er Jahren als intravenöses Narkosemittel eingesetzt, auch heute findet es noch in der Anästhesiologie Anwendung.

Im Jahre 2006 berichteten Carlos Zarate und seine Kollegen vom amerikanischen National Institute for Mental Health, dem weltweit größten Forschungszentrum für psychische Störungen, über ihre Ergebnisse in einer Gruppe von 18 depressiven Patienten. Einen Tag nach einer einmaligen intravenösen Ketamin-Dosis zeigten 71% ihrer Patienten eine positive Reaktion in Bezug auf ihre depressiven Symptome und bei 29% trat eine vollständige Besserung ein.

© WavebreakMediaMicro - FotoliaStudien zeigen, dass die Behandlung mit Ketamin erfolgsversprechend ist (© WavebreakMediaMicro - Fotolia)Der Erfolg in der Placebogruppe war hingegen gleich Null. Umso faszinierender ist die Tatsache, dass alle Probanden zuvor mindestens zwei konventionelle Antidepressiva erfolglos ausprobiert hatten.

Seither ist das Interesse an der Untersuchung der antidepressiven Eigenschaften von Ketamin enorm gestiegen. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Untersuchungen mit Betroffenen, die an einer behandlungsresistenten Depression litten. Mit nur einer Ausnahme haben alle Studien die Wirksamkeit von Ketamin als Antidepressivum bestätigt.

Es zeigte sich bei einem hohen Prozentsatz der Probanden durchweg eine schnelle Auswirkung auf die Symptome, die allerdings unterschiedlich lange anhielt. Ebenso erwies sich, dass Ketamin für die Behandlung sowohl der unipolaren Depression wie auch der bipolaren Störung geeignet ist, ohne das es bei letzteren das Risiko einer Manie verstärkt.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

In keiner der Studien wurde von schweren Nebenwirkungen berichtet. Leichte Nebenwirkungen wurden beobachtet, diese hielten aber nach Absetzen des Medikaments nicht an.

Hierzu gehören zum Beispiel

  • Gefühle von Realitätsverlust,
  • optische Halluzinationen,
  • Wahrnehmungsstörungen, die aber nach Beendigung der Infusion abklangen.

Experten halten den Effekt, der während der Behandlung auftretenden „Dissoziation“ sogar für unerlässlich, da er die antidepressive Wirkung mit verursache.

Einige wichtige Fragen bleiben zurzeit noch offen und werden in aktuell laufenden Studien untersucht. Ungeklärt ist zum Beispiel, wie sich die antidepressive Wirkung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten lässt. Eine Studie hat bereits über die Wirksamkeit von Wiederholungsdosen berichtet. Andere befassen sich mit Strategien, in denen es um eine Überbrückung hin zu täglicher Einnahme eines oralen Mittels geht, wie dies bei traditionellen Antidepressiva der Fall ist.


Wie nachhaltig ist Ketamin wirklich?

© gemphotography_iStockAntidepressiva springen nicht bei jedem Patienten an (© gemphotography_iStock)Die Anwendung in der Praxis zeigt, dass die Nachhaltigkeit der antidepressiven Wirkung individuell variiert.

Es kann aber nach bisherigen Erfahrungen davon ausgegangen werden, dass bei Patienten, die auf Ketamin ansprechen, eine Verbesserung der depressiven Symptomatik bis zu mehreren Wochen, in manchen Fällen sogar bis zu mehreren Monaten, anhält.


Fazit

Trotz der offenen Fragen erscheint klar zu sein, dass sich Ketamin als realisierbare und lang erwartete neue Behandlung bei Depressionen etablieren wird. Schon heute bieten spezialisierte Einrichtungen diese Therapie auch in Deutschland an.

Für einen Bereich, der jahrzehntelang im Dunkeln lag, ist dies ein willkommener Lichtblick für alle Betroffenen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (7)


26.04.2018 - 09:52 Uhr

Da ich schon sehr lange an Depressionen leide,...

von Leoni O.

... konnte ich mit Medikamenten nicht nachhaltig therapiert werden. Ich sehe etwas Licht für einen besseren Alltag und Leben!

11.03.2018 - 17:19 Uhr

Bekam im Vorjahr das erste mal Antidepressiva und...

von Frank A.

... von denen bekam ich Angst, Panik Unruhe, Aufgeregtheit und Gedächtnisverlust. Ich wurde immer trauriger jetzt kenne ich mich nicht aus. Wer kann mir helfen?

Dr. Mathers

Antwort vom Autor am 21.03.2018
Dr. med. Frank Mathers

Sehr geehrter Herr A., Antidepressiva benötigen einige Zeit, um die volle Wirkung zu entfalten und leider schlagen die Medikamente auch nicht bei allen Patienten gleich an. Daher ist es wichtig, mit dem behandelnden Arzt gemeinsam das richtige Präparat zu finden, das Ihnen dauerhaft helfen kann. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, ist aber ein wichtiger Prozess. Die Ketamintherapie kann manchmal helfen, diese Zeit zu überbrücken, ist aber nur begleitend sinnvoll. Neben der Unterstützung, die Ihnen Menschen in Ihrem Umfeld geben können, benötigen Sie auf jeden Fall professionelle Hilfe, die Sie in einem vertrauensvollen und offenen Umgang mit Ihrem Arzt oder Therapeuten suchen sollten. Herzliche Grüße, Dr. Frank Mathers

07.01.2018 - 00:52 Uhr

Guten Abend, Ich leide seit Jahren unter...

von Nathalie L.

... Ängsten und Panikattacken. Habe mehrere Sachen ausprobiert, leider half nichts über einen längeren Zeitraum. Mittlerweile ist es so, dass ich jeden Tag einen enormen Druck auf dem Zwerchfell/Magen spüre, Schwindel und Benommenheit gehören ebenfalls dazu. War nie depressiv, aber zur Zeit fühle ich mich "Lebensmüde", Energielos.. und ich will diese Belastung nicht noch mehr mit mir rumtragen müssen.. Jeder Tag ist ein Kampf... Denke die Ketamin Therapie könnte meine Hoffnung sein. Endlich weg vom Gedankenkreisen... all das negative...

Dr. Mathers

Antwort vom Autor am 18.01.2018
Dr. med. Frank Mathers

Sehr geehrte Frau L., wir haben in unserer Praxis in den letzten Jahren schon einige Patienten mit Angststörungen behandelt. Aus diesen Erfahrungen heraus kann ich sagen, dass eine Ketamintherapie bei Depressionen und speziell auch Angststörungen durchaus hilfreich sein kann. Melden Sie sich gerne bei uns, um mehr zu erfahren und eine mögliche Therapie im Detail zu besprechen, denn es kommt immer auch auf den Einzelfall an (0221 965 11 05 oder praxis@ketamin.de). Wir beantworten Ihnen gerne Ihre Fragen in einem persönlichen Gespräch. Zusätzlich rate ich Ihnen dringend, falls nicht schon geschehen, sich auch psychologische Hilfe bzw. Beistand zu suchen. Die Ketamintherapie ist in aller Regel nur eine begleitende Maßnahme zu anderen therapeutischen Wegen. Wichtig ist, es frühzeitig anzupacken und den Kreislauf, den Sie beschreiben, zu durchbrechen.

07.10.2017 - 18:24 Uhr

Ich habe nun schon seit 15 Jahren mit...

von Ute F.

... mittelschweren Depressionen und Angstzuständen zu kämpfen. Ich habe schon mehrere Medikamente verschrieben bekommen, mache seit Jahren eine Gesprächstherapie ,aber die depressiven Phasen kommen immer wieder, es ist zum verzweifeln. Wäre Ketamin vielleicht eine Option für mich?

Dr. Mathers

Antwort vom Autor am 10.10.2017
Dr. med. Frank Mathers

Sehr geehrte Frau F., nach Ihrer kurzen Schilderung denke ich, dass Ihnen eine Ketamintherapie möglicherweise helfen könnte. Um das aber genau sagen zu können, müsste ich natürlich mehr Informationen erhalten und Sie, Ihre Krankengeschichte und Ihre körperliche Verfassung besser kennenlernen. Bitte melden Sie sich doch bei mir in der Praxis unter 0221 965 11 05, damit wir mit Ihnen sprechen können. Nur so können wir sehen, ob in Ihrem Fall eine Ketamintherapie durchgeführt werden kann und ob eine Chance besteht, Ihnen damit zu helfen. Herzliche Grüße, Dr. Frank Mathers

02.09.2017 - 18:07 Uhr

Ihr Artikel war sehr hilfreich. Ich bin...

von Hans Z.

... verzweifelt mit meiner Depression und habe schon einige Antidepressiva genommen, nichts hilft. Ich bin aus dem Saarland und möchte sie bitten, mir mitzuteilen, wo man eine Ketamintherapie machen kann. Ich wäre auch als Proband dazu bereit. Es wäre nett, wenn sie mir helfen könnten. Zunächst schon Danke für ihre Bemühungen. Mit freundlichen Grüßen Hans Z.

Dr. Mathers

Antwort vom Autor am 12.09.2017
Dr. med. Frank Mathers

Sehr geehrter Herr Z., ich freue mich, dass der Artikel Ihnen vielleicht einen neuen Weg in Ihrer Krankengeschichte aufzeigen konnte. In verschiedenen Kliniken laufen Studien zur Ketamin-Infusionstherapie bei Depressionen, so zum Beispiel in dem renommierten Institut Charité Berlin. Andere Einrichtungen forschen zur intranasalen Gabe von Ketamin. Nach dem bisherigen Kenntnisstand aus Studien und eigenen Erfahrungen, halte ich persönlich die intravenöse Gabe für sinnvoller. Um Informationen zu der Aufnahme als Proband bei Studien zu erhalten, müssten Sie sich mit den Kliniken selbst in Verbindung setzen. Sehr gerne können Sie sich auch bei mir in der Praxis melden, um weitere Informationen zu erhalten und gemeinsam herauszufinden, ob Sie ein geeigneter Kandidat für eine Ketamintherapie wären. Herzliche Grüße, Dr. Frank Mathers

25.02.2017 - 18:12 Uhr

Sehr geehrter Dr. Mathers, im Moment nehme ich ein...

von Petra B.

... Medikament ein, wodurch ich etwas ruhiger geworden bin. Ansonsten hilft es nicht wirklich. Mein Neurologe möchte nun auf ein anderes Medikament umstellen. Mich würde nun Ihre Meinung interessieren. Wäre dankbar für eine Antwort.

24.01.2017 - 01:49 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, könnten Sie mir...

von Matthias M.

... einen Rat geben, wie ich in Genuss einer solchen Behandlung mit Keramik kommen kann? Bei mir wirkt die Behandlung mit herkömmlichem Antidepressiva nicht. Seit 28 Jahren werde ich mit solchen behandelt. Ich sehne mich nach einem normalen Leben und bin verzweifelt. Mit ganz lieben Grüßen, Matthias M.

Dr. Mathers

Antwort vom Autor am 24.01.2017
Dr. med. Frank Mathers

Sehr geehrter Herr M., ich verstehe Ihren starken Wunsch nach einem besseren Leben und Ihre Hoffnung, dass eine Ketamintherapie Ihnen helfen kann. Nicht jeder Betroffene ist für die Ketamin Infusionstherapie geeignet, dazu muss man den Einzelfall prüfen. Melden Sie sich gerne bei mir in der Praxis unter 0221 965 11 05, um weitere Informationen zu der Methode und den Möglichkeiten für Sie zu erhalten. Herzliche Grüße, Dr. Frank Mathers


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