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Bodylift nach Lockwood: Vorteile, Ablauf, Risiken & Nachbehandlung

Dr. Zindel

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verfasst am

© Maksim Šmeljov - fotoliaDer Bodylift vereint mehrere Eingriffe in einem und hat so geringere Ausfall- und Nachwirkungszeiten. (© Maksim Šmeljov - fotolia)Ein Bodylift ist eine komplexe Ganzkörperstraffung, bei der in nur einer Operation das erschlaffte Gewebe vorrangig an Bauch, Hüften, Rücken und Gesäß – gegebenenfalls auch an den Oberschenkeln – behandelt werden kann.

Wann kommt ein Bodylift in Frage?

Nach starker Gewichtsabnahme (z. B. 50-100 kg), wie sie nach Magenverkleinerungen oder Magen-Bypass-Operationen zu sehen sind, erschlafft der Hautmantel oft stark. Besonders betroffen sind der Bauch, die Flanken, der Rücken und das Gesäß.

Auch an den Oberschenkeln hängen oft Haut- und Fettlappen herab und schränken die Beweglichkeit erheblich ein. In den Hautfalten kommt es häufig zu Entzündungen mit Geruchsbildung. So ist es nachvollziehbar, dass die Lebensqualität für die Patienten sowohl körperlich als auch seelisch erheblich eingeschränkt ist.

Das Bodylift gibt den Betroffenen die Chance, durch einen umfassenden Eingriff dem Ziel eines normalen Äußeren ein erhebliches Stück näher zu kommen. Ein Zugewinn an Hautqualität und Kontur.

Generell wird zwischen dem „Unteren Bodylift“ und dem „Oberen Bodylift“ unterschieden.

Welche Vorteile bietet das Bodylift?

Der große Vorteil, dass nur eine Operation nötig wird, ist einerseits mit weniger Kosten im Vergleich zu einzeln durchgeführten Operationen verbunden. Andererseits wird es auch insgesamt weniger Ausfall- und Erholungszeit geben als dies bei mehreren Einzeleingriffen der Fall wäre.
Indem das Haut- und Weichteilsystem in der Tiefe rekonstruiert und gestrafft wird und Verwachsungszonen gelöst werden, verbessert der Eingriff Körperkontur und Hautqualität erheblich.


Was bedeutet „Unteres Bodylift"?

Beim klassischen, unteren Bodylift nach Lockwood wird eine Bauchstraffung mit einer Hüft- und Gesäßstraffung sowie gegebenenfalls Oberschenkelstraffung kombiniert. Es handelt sich praktisch um eine zirkuläre Straffungsoperation der Körpermitte bei sehr stark erschlafftem Hautmantel. Die Straffung des Unterkörpers – also Bauch, Hüften, Po und Oberschenkel – entspricht der ursprünglichen von Lockwood entwickelten Methode.

Ziel ist es dabei, eine schlanke Silhouette des Körpers zu kreieren, wobei der überschüssige Hautmantel entfernt wird. Hierbei entsteht eine zusammenhängende Narbe. Sie verläuft im Slipbereich und lässt sich so optimal von Unterwäsche oder Bademode bedecken.

Durch die Versetzung der Bauchhaut gegenüber dem Bauchnabel entsteht außerdem eine feine Narbe rund um den Bauchnabel, die in der Regel sehr wenig auffällt. Wenn die Oberschenkelstraffung einbezogen wird, bestehen zusätzliche Narben in der Leiste und Gesäßfalte oder an den Innenseiten der Oberschenkel.


Was ist ein „Oberes Bodylift“?

Es handelt sich beim oberen Bodylift um eine zirkuläre Straffung des Oberkörpers.
Das obere Bodylift kombiniert eine Straffung der Brust, der Flanken und des Rückens. Dabei wird zur Straffung der Oberarme ein Schnitt zwischen Ellbogen und Achsel gesetzt und die hier überschüssige Haut entfernt.

Zur Bruststraffung wird ein Ankerschnitt gesetzt, um erschlafftes Gewebe zu straffen. Am mittleren Rücken werden auf beiden Seiten, für Frauen ca. auf Höhe der BH-Linie, Schnitte gesetzt.


Wie laufen die OP und die Zeit danach ab?

Die Operation beginnt in Bauchlagerung am Rücken, wo oberhalb des Gesäßes bogenförmig zwischen der Kreuzbeinregion und den Hüften überschüssige Haut und Unterhautfett entfernt werden und der Chirurg die „Rückseite“ dann wieder verschließt. Nach Umlagerung auf den Rücken wird dann die „Vorderseite“ gestrafft, indem der bis zu den Hüften reichende Schnitt fortgeführt wird – von der einen Seite entlang der Unterbauchfalte zur anderen.

Haut und Fett werden von der Bauchmuskulatur bis zu den Rippenbögen gelöst und nach unten gestrafft. Im Zuge dessen muss der Bauchnabel zwar umschnitten, jedoch nicht abgetrennt werden. Dabei wird ein ganz erheblicher Haut- und Fettüberschuss entfernt.

Der Straffungseffekt an Bauch, Hüften, unterem Rücken und Gesäß ist enorm. Bei Bedarf werden anschließend auch die Oberschenkel gestrafft.

© vladimirfloyd - fotoliaÜberschüssige Haut kann auch mit erfolgreichem Abnehmen nicht entfernt werden. Hier hilft ein Bodylift. (© vladimirfloyd - fotolia)Unmittelbar vor dem Eingriff werden die Schnittlinien im Stehen angezeichnet und mit dem Patienten besprochen. Dabei ist es sinnvoll, einen Slip, der üblicherweise getragenen Form und Größe mitzubringen, damit die spätere Narbe auch wirklich darunter liegen kann.
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und die Operation dauert ca. 4-6 Stunden, so dass es sinnvoll ist, einen Harnwegskatheter zu legen und diesen auch für 1-2 Tage zu belassen.

Am Ende des Eingriffs wird noch im OP die entsprechende Kompressionsbandage angelegt. Nach 2-3 Tagen können die Drainagen entfernt werden. Der Klinikaufenthalt beträgt ca. drei Nächte.

Für 2-4 Wochen sollte man sich (je nach Tätigkeit) aus dem Arbeitsprozess herausnehmen. Planen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit einen ausreichend langen Zeitraum nach der Operation ein, in dem Sie starke körperliche Beanspruchung in Beruf und Freizeit meiden. Sportliche Aktivitäten können Sie nach 6-8 Wochen erneut beginnen.


Welche Risiken gibt es dabei?

Mit der Komplexität des operativen Aufwandes steigen auch die potentiellen Risiken dieser Operation. Deshalb gehört dieser Eingriff in die Hand eines erfahrenen Plastischen Chirurgen, der in der Lage ist, die Risiken zu erkennen und zu vermeiden.

Eine sorgfältige Vorbereitung und Untersuchung helfen dabei, die Risiken zu minimieren. Je nach Vorerkrankungen kann es jedoch auch mal in bestimmten, einzelnen Fällen ratsamer sein, die Operation im Sinne der Sicherheit des Patienten auf mehrere Eingriffe zu verteilen.

Schmerzen und Ziehen im Wundgebiet sind in den ersten Tagen nach der Operation normal. Das kann gut mit wirksamen Medikamenten behandelt werden.

In der Regel gehen Schwellungen und Blutergüsse in den ersten Wochen gut zurück. Die unmittelbar nach der OP angebrachte Kompressionsbandage ist in der Phase der Abschwellung für ein gutes Ergebnis wichtig und sollte 6-8 Wochen getragen werden. Die Kompression hilft u. a. vorbeugend gegen vermehrte Wundwasseransammlungen (Serome) und hilft dem Haut- und Weichteilmantel, gleichmäßig einzuheilen. Das endgültige Ergebnis ist allerdings erst nach ca. 6-9 Monaten, nach Abschluss der Narbenreifung, zu erwarten.

Um keine Pigmentstörungen der Haut im Narbenbereich zu provozieren, sollte für ca. 8-10 Monate strikt auf Sonnenexposition bzw. auch auf das Solarium verzichtet werden. Falls eine Sonnenexposition unvermeidlich ist, sollten Sie Cremes mit maximalem Lichtschutzfaktor verwenden.


Wie zufrieden sind Patienten nach dem Eingriff? Gibt es Studien dazu?

Es gibt detaillierte Studien mit sehr gezielten Aussagen über das postoperative Befinden nach diesem speziellen Eingriff.

So konnte im Rahmen einer Dissertation an der TU München zum Thema „Lebensqualität, Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität nach Abdominoplastik und Bodylift“ von Vera Staffler gezeigt werden, dass es Eingriffe sind, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen und einen positiven Einfluss auf die emotionale Stabilität und das Selbstwertgefühl der Patienten haben.

Es wurde der eindeutig positive Einfluss für ganz alltägliche Situationen belegt. Der größere Teil der Befragten würde sich erneut einer Ganzkörperstraffung unterziehen und sie auch in seinem Bekanntenkreis weiterempfehlen.

Auch eine Studie der Universität Graz zur „Lebensqualität nach Bodylift-Operation“ von Laura Scholl wies die signifikante Verbesserung der Lebensqualität nach.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


08.10.2019 - 12:25 Uhr

Ich möchte Ihnen zu dem schönen Artike...

von Dr. Jandali

... gratulieren. Beim Lesen des Artikels sind mir jedoch einige Gedanken gekommen, die ich gerne teilen möchte. Ted Lockwood hat in seinen Publikationen zwei Formen des unteren zirkulären Body-Lifts vorgestellt. Eine OP-Technik mit und eine ohne Oberschenkelstraffung. Dabei hat er explizit geschrieben, dass er eine Kombination aus Bodyl-Lift mit einer Oberschenkelstraffung nur in Ausnahmen durchgeführt hat. Die häufigere Form ist das Body-Lift ohne Oberschenkelstraffung. Verständlicherweise, denn die Risiken einer zirkulären unteren Rumpfstraffung mit denen einer Oberschenkelstraffung zu kombinieren ist schon mutig. Der Begriff Body-Lift ist nicht festgesetzt und kann für jede Straffungsoperation angewandt werden. Es ist sicher besser von zirkulären Rumfpstraffungen zu sprechen. Der Begriff "Bodylift nach Lockwood" sollte nicht verwendet werden, hierdurch wird eine recht kaudale Schnittführung vorgeschrieben. Die meisten zirkulären Rumpfstraffungen sind eher klassische "Belt-Lipektomien" im erweiterten Sinne oder liegen zwischen dem Lockwood und der Belt-Lipektomie. Auch das operative Vorgehen von Lockwood führt heutzutage fast niemand mehr durch. Die Anzeichnung wird nicht immer nur im Stehen, sondern ein Teil auch im Liegen und bei einigen Kollegen siehe Aly et al. überwiegend im Liegen durchgeführt. Ich führe häufig zirkuläre Body-Lifts auch bei viel geringeren Gewichtsverlusten durch, 50 kg ist sicher keine Grenze. Es kommt dabei auf die individuellen Überschüsse an. Ebenso heißt es noch lange nicht, dass jeder, der 50 kg abgenommen hat, ein Body-Lift braucht. Eine klassische Gesäßstraffung ist nicht inkludiert, lediglich der kraniale Anteil des Gesäßes. Oftmals ist bei einer straken Gewichtsabnahme eine separate Gesäßstraffung notwendig. Oft sind Liposuktionen in Kombination einzusetzten oder eine liposuktionsbasierte zirkuläre Rumpfstraffung durchzuführen. Lockwood hat in Seitenlage-Seitenlage und dann Rückenlage operiert (zwei mal in der OP umgelagert). Aly et al machen den Bauch zuerst und dann den Rücken. Wir machen den Rücken, dann den Bauch. 2-4 Wochen Auszeit ist meist zu kurz, der Zeitraum ist länger und muss mit 6-8 Wochen angesetzt werden. Mit bis zu 40 % kommt es zu lokalen Wundheilungsstörungen. Nach 12 Wochen darf voll belastet werden. Eine OP mit entsprechendem Risikopotential. OP-Zeiten liegen bei einem eingespielten Team zwischen 2,5 und 4,5 Stunden. Mehr Infos zum Thema auch in meinem Buch über diese Form der Operationen. Dr. med. Jandali Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie


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