Das Lipödem und die plastische Chirurgie: So funktioniert die Behandlung

Bei einem Lipödem führen konservative Methoden nicht zu nachhaltigen Ergebnissen. (© ego_tranfreepix - freepik)

Die einzige operative Therapie, die bei einem Lipödem den Fettüberschuss nennenswert reduziert, ist die Liposuktion (Fettabsaugung). Die Behandlung kann nach aller Erfahrung vergleichsweise schnell eine Besserung anstoßen. Die plastisch-ästhetische Chirurgie ist die medizinische Fachrichtung, in der dieses Verfahren zu Hause ist.

Die Liposuktion ist ein seit Jahrzehnten angewendetes Verfahren

Die Fettabsaugung wurde ursprünglich entwickelt, um eine unproportionierte Figur ästhetisch zu verschönern. Dafür wird sie auch heute noch weltweit millionenfach eingesetzt. Tatsächlich handelt es sich mittlerweile um die am häufigsten durchgeführte ästhetische Operation.

Ziele und Vorgehensweise unterscheiden sich bei einer Liposuktion zur Figurverschönerung und einer solchen zur Behandlung eines Lipödems erheblich. Bei dem ästhetischen Eingriff entfernt der Behandler in der Behandlungsregion Fettgewebe je nach Bedarf. Mehr oder weniger große Fettanteile verbleiben. Ziel des Eingriffs ist eine proportionierte Figur, die den Vorstellungen der Patientin oder des Patienten entspricht.

Anders bei der Liposuktion eines Lipödems. Ihr Ziel besteht darin, in den betroffenen Regionen so viele Fettzellen (Adipozyten) wie möglich zu entfernen, um den Beschwerden die Grundlage zu nehmen.

So kommt es zu einem Lipödem

Ein Lipödem ist eine vermutlich hormonell und genetisch bedingte Fettverteilungsstörung. Mediziner identifizierten es in den Jahren um den Zweiten Weltkrieg als eigenständige Krankheit. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Die Krankheit beginnt typischerweise in Phasen mit hormonellen Umstellungen wie der Pubertät, Schwangerschaften, den Wechseljahren oder nach Beginn der Einnahme der Anti-Baby-Pille.

Die Symptome kommen von übergroßen und vermehrten Fettzellen und nach heutigem Wissensstand auch von defekten Kapillaren (feinen Blutgefäßen) sowie von Entzündungsvorgängen im betroffenen Fettgewebe.

  • In der Folge bilden sich Wassereinlagerungen (Ödeme). Es kommt zu ständigen Schmerzen in den betroffenen Regionen, Berührungsempfindlichkeit und Blutergussneigung.
  • Die unförmigen Fettanlagerungen beeinträchtigen das Körpergefühl und sind oft eine starke psychische Belastung.
  • Meist ausgehend von Hüften und Oberschenkeln können sie sich auf die gesamten Beine, den Rumpf und die Arme ausbreiten.

Konservative Therapie

Die Medizin teilt das Lipödem nach Schweregraden (Stadien) und Lokalisation (Typen) ein. Wird es nicht oder unzureichend behandelt, verschlimmert es sich häufig mit den Jahren und schränkt die Betroffenen immer mehr ein.

Eine medikamentöse Therapie des Lipödems gibt es nicht. In jedem Stadium ist eine auf die Erkrankung abgestimmte Ernährung und entsprechender Sport sinnvoll. Die herkömmlichen Behandlungsmaßnahmen wie Kompressionswäsche und manuelle Lymphdrainage sind aufwendig und greifen stark in den Alltag ein. Sie können das Lipödem lindern und einem weiteren Fortschreiten vorbeugen. Die bestehenden Fettanlagerungen abbauen können sie nur in sehr geringem Umfang.

Beim Lipödem muss so viel Fett weg wie möglich

Die Anwendung der Liposuktion, die aus vergleichbaren Verfahren der ästhetischen Chirurgie bekannt ist, erwies sich daher als großer Fortschritt. Sie kommt gegen das Lipödem seit den Jahren um die Jahrtausendwende zum Einsatz. Zur ästhetischen Anwendung gibt es zwei entscheidende Unterschiede:

  • Der Behandler saugt praktisch das gesamte vorhandene Fettgewebe in der Lipödem-Zone ab.
  • Durch die Absaugung verschwinden die Fetteinlagerungen und damit die Unförmigkeit der betroffenen Zone. Es wird jedoch nicht konturiert, das heißt, es bleiben keine Fettanteile aus ästhetischen Gründen stehen.

In betroffenen Zonen lassen sich aus medizinischer Sicht erkranktes und gesundes Fett nicht unterscheiden. Da das Fettgewebe der Ausgangspunkt der Symptome ist, wird eine möglichst vollständige Entfernung angestrebt, um die Beschwerden weitestgehend zu minimieren. Aus funktionalen Gründen verbleibt lediglich eine sehr dünne Fettschicht zwischen Haut und Muskulatur, die sogenannte Verschiebeschicht. Sie stellt sicher, dass die Mobilität problemlos erhalten bleibt.

Ist das Lipödem sehr ausgedehnt oder sind mehrere Körperzonen betroffen, setzt der Operateur mehrere Behandlungssitzungen im Abstand einiger Monate an.

Technologische Weiterentwicklung

Bei den ersten Eingriffen in den 1960er Jahren führten Mediziner Liposuktionen noch mit vergleichsweise großen, scharfen Kanülen durch. Komplikationen waren an der Tagesordnung, die Ergebnisse ließen anfangs zu wünschen übrig. Mehrere Generationen von Ärzten konnten die Technik immer weiter verfeinern:

  • Die Tumeszenzmethode ermöglicht eine wirksame örtliche Betäubung und damit auch eine schonendere ambulante Behandlung. Dazu werden vor der Operation mehrere Liter Tumeszenzflüssigkeit in die Behandlungszone eingeleitet. Sie schwemmt das Fettgewebe auf, bereitet es auf den Eingriff vor und enthält auch ein Lokalanästhetikum.
  • Mittlerweile sind sehr dünne Absaugkanülen im Gebrauch, die der Behandler über millimeterfeine Zugänge einbringen kann. Sie müssen normalerweise nicht vernäht werden und hinterlassen fast keine sichtbaren Spuren.
  • Vibrierende Kanülen lösen die Fettzellen aus dem Gewebeverband. Das bringt weniger Verletzungen von Gefäßen und anderen Strukturen.

Laserlipolyse

Einige Techniken der Liposuktion, die in der plastischen Chirurgie entwickelt wurden, bringen bei der Behandlung eines Lipödems besonders große Vorteile. Hier ist vor allem die laserunterstützte Technik (Laserlipolyse) zu nennen.

Hier wird mit der Absaugkanüle eine medizinische Laserfaser ins Gewebe geführt.

  • Die kontrollierte Hitze verflüssigt die Fettzellen und erleichtert so den Absaugvorgang noch mehr.
  • Der Wärmeeffekt regt das Hautgewebe außerdem zur Bildung stabilisierender Kollagen- und Elastinfasern an.
  • Das hilft der Haut in den folgenden Wochen und Monaten der Regeneration, sich kompakter an die darunter liegenden Gewebeschichten anzulegen.

Der Lasereinsatz strafft die Haut und verbessert das Hautbild. Der Arzt kann eine chirurgische Hautstraffung, wie sie nach herkömmlicher Liposuktion eines Lipödems oft erforderlich ist, so meist umgehen. Die Laserlipolyse ist mittlerweile ein ausgereiftes Verfahren und nutzt Lasersysteme der 3. Generation.

Ergebnis der Liposuktion

Mit einer gelungenen Fettabsaugung kann der plastische Chirurg (oder anderweitige operativ tätige Facharzt) das Lipödem im medizinischen Sinne zwar nicht heilen. Die Veranlagung dafür besteht ein Leben lang fort. Der Eingriff reduziert die Beschwerden aber meist erheblich. Schmerzen gehen ebenso zurück wie Mobilitätseinschränkungen, das verbesserte optische Bild führt zu neuer Lebenszufriedenheit.

Patienten müssen Kompressionswäsche meist nicht mehr so viel tragen, auch die Notwendigkeit anderer Maßnahmen wie der Lymphdrainage wird geringer. In einigen Fällen sind die einzigen Therapiemaßnahmen, die der Patient nach der Liposuktion beibehalten muss, konsequente Ernährungskontrolle und abgestimmter Sport.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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