Das Prinzip der Vaginalstraffung: Ablauf, Nachsorge und Risiken der OP

Prof. Gress

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Die sexuelle Stimulation ist abhängig von vielen Faktoren: der eigenen physischen und psychischen Verfassung, Alter, Tageszeit, Ort, Stimmung etc. Vom anatomisch-medizinischen Standpunkt gesehen ist nach einer Untersuchung von MASTERS und JOHNSON der Grad des Lustgewinns direkt proportional zu den Reibungskräften beim Geschlechtsverkehr. Ist die Reibung zu stark, tut es weh, ist sie zu schwach, entsteht keine Stimulation. Dieses Prinzip ist Grundlage einer Vaginalstraffung.

Häufige Ursache: Überdehntes Gewebe

Es ist nicht schwer vorstellbar, dass vor allem eine Geburt mit Durchtritt eines Babys durch den Vaginalkanal eine erhebliche Überdehnung der Scheide und der die Scheide umschließenden Muskulatur des Beckens zur Folge haben kann. Auch wenn sich das überdehnte Gewebe zu einem bestimmten Grad wieder regeneriert, bleibt dennoch in den meisten Fällen eine veränderte anatomische Situation zurück: Eine geweitete Scheide mit erschlaffter Beckenbodenmuskulatur. Auch können hormonelle Veränderungen im Laufe eines Lebens dazu führen, dass die Vagina nicht mehr so straff ist wie noch vor einigen Jahren.

Die Folge dieser körperlichen Veränderung: Frauen und ihre Partner spüren beim Sex weniger. Die gewohnte Stimulation ist verlorengegangen. Oft kommen Harninkontinenzbeschwerden hinzu, d. h. unwillkürlicher Urinverlust bei körperlicher Anstrengung. Das stellt natürlich eine erhebliche Belastung dar, nicht nur für betroffene Frauen, sondern auch für die Partnerschaft. Manchmal zerbrechen Beziehungen sogar daran.

Prinzip der Scheidenstraffung

Anatomisch gesehen ist die Scheide wie ein Schlauch und bildet das Pendant zum Penis. Da es bislang noch nicht möglich ist, den Penisdurchmesser chirurgisch zu vergrößern (wohl aber seine Länge, was aber für die sexuelle Stimulation nicht viel beiträgt), ist die einzig mögliche Option, die Scheide zu verengen. Die Verengung des Scheidenschlauches allein wäre aber nicht ausreichend, da die Scheidenhaut sehr dehnbar ist (das ist wichtig für eine Geburt). Bei alleiniger Entnahme von Scheidenhaut wäre das Ergebnis nach wenigen Monaten wieder so wie zuvor. 

© GressVagina im Querschnitt mit umliegender Beckenbodenmuskulatur (rot) und der Bindegewebsschicht (weiss) unterhalb der Vagina. (© Gress)

Entscheidend ist, dass die Muskulatur, die die Scheide umgibt (Beckenbodenmuskulatur), ebenso gestrafft wird, um von außen Druck auf die Vagina auszuüben. Damit wird eine weitere Überdehnung der Vaginalhaut verhindert. Eine zusätzliche Aufpolsterung der Scheidenwand durch eigenes Fettgewebe verstärkt diesen Effekt.

Die einzelnen Schritte einer Vaginalverengung (Vaginalverjüngung)

Verengung des Scheidenkanals. Das geschieht durch Entnahme von Vaginalhaut an der hinteren Vaginalwand, bei extrem weiter Scheide und bei Harninkontinenz auch an der Vaginalvorderwand. Die alleinige Entnahme überschüssiger Vaginalhaut hat aber keinen lang anhaltenden Effekt, da die Vaginalhaut sehr dehnbar ist und sich der Vaginaldurchmesser bald wieder weiten würde. 

© GressEntfernung eines Segmentes an der Vaginalhinterwand und an der Vaginalvorderwand über die gesamte Vaginallänge (orange Markierung). (© Gress)

1. Straffung der Muskulatur und der Faszien des Beckenbodens, die die Scheide umgeben. Damit erhält die Vagina von außen Stütze und Festigkeit und wird wieder aufgerichtet, wie in jungen Jahren. Das ist der entscheidende Schritt, der für die Dauerhaftigkeit des Behandlungserfolges sorgt.

2. Aufpolsterung und Verdickung der Vaginalwand durch körpereigenes Fettgewebe. Dadurch wird eine zusätzliche Verengung der Vagina erreicht, eine weiche Aufpolsterung, ohne zusätzliche Schnitte und Narben. Das Fettgewebe wird dazu an den Außenseiten der Oberschenkel entnommen, speziell aufbereitet und zirkulär im mittleren Vaginalabschnitt (dieser Abschnitt ist in der Vagina am sensibelsten) durch eine feine Kanüle unter die Vaginalhaut eingebracht.

3. Straffung der Muskulatur und der Faszien des Beckenbodens, die die Scheide umgeben. Damit erhält die Vagina von außen Stütze und Festigkeit und wird wieder aufgerichtet, wie in jungen Jahren. Das ist der entscheidende Schritt, der für die Dauerhaftigkeit des Behandlungserfolges sorgt.

© GressVerengung des Scheidenkanals, Straffen der Bindegewebsschicht (Faszie), Straffung der Beckenbodenmuskulatur, Unterfütterung mit Fettgewebe (gelb) (© Gress)

Vaginalverengung allein durch Eigenfettunterspritzung

Die Effektivität einer Vaginalverengung mit alleiniger Eigenfettunterspritzung ist etwas limitiert. Mit ihr lässt sich nur eine Verengung von ca. 20-30 % erreichen. Für Frauen, die noch keine Kinder geboren haben und eine verbesserte Stimulation suchen, ist sie die Methode der Wahl.

Allerdings ist diese Variante nach einer vaginalen Entbindung nicht sehr effektiv, da die Überdehnung des Gewebes durch die Geburt nicht ausreichend kompensiert werden kann. Das bedeutet, dass eine Verengung der Vagina von ca. 20 % hier in der Regel nicht ausreicht, um eine spürbare Veränderung zu erzielen.

Dieser Eingriff erfolgt ambulant und in örtlicher Betäubung.



Nach dem Eingriff

Meist besteht ein Druckgefühl, das sich nach einigen Tagen wieder gibt und in verminderter Ausprägung vielleicht noch wenige Zeit andauern kann. Eine unmittelbar nach dem Eingriff eingelegte Tamponade wird am morgen nach der Operation entfernt. Nach der Operation sollten Sie viel Wasser trinken und auch durch eine ballaststoffreiche Ernährung auf weichen Stuhlgang achten.

Die Fäden sind selbst auflösend und brauchen nicht gezogen zu werden. Starke körperliche Belastungen, Pressen auf der Toilette und Heben schwerer Gegenstände sollte in den ersten sechs Wochen vermeiden werden.

Welche Risiken gibt es?

Mit einer Vaginalstraffung sind keine ernsthaften Risiken und Komplikationen, solange sie nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wird. Starke Schmerzen sind nicht zu erwarten, es besteht ein leichtes bis mittelgradiges Druckgefühl am Damm, das aber rasch nachlässt. Fäden lösen sich von selbst auf und die Narben in der Vagina verheilen in der Regel problemlos. Bei erstem Geschlechtsverkehr nach ca. sechs Wochen, kann es sich noch etwas fest anfühlen und drücken, das vergeht aber bald wieder.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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