Warum Botulinumtoxin gegen Depressionen helfen kann

Neue Studien konnten nachweisen, dass sich Botulinumtoxin positiv auf Depressionen auswirken kann. (© ValuaVitaly - iStock)

Wer unter Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, anhaltender Müdigkeit, Interessensverlust oder unter einer insgesamt gedrückten Stimmung leidet, weist mögliche Symptome einer Depression auf und sollte dies genauer untersuchen lassen.

Negative Gefühle zeigen sich häufig über die Gesichtsausdrücke. Die Mimik unterstützt den Ausdruck des inneren Gemütszustands. Durch das Erzeugen dieser Gesichtsausdrücke, insbesondere im Bereich der Zornesfalte, fördern wir körpereigene Rückkopplungsprozesse, die zu einem negativen Gefühlsempfinden beitragen.

Nach der sogenannten Facial-Feedback-Hypothese hängt demnach die Art und Weise, wie wir Gefühle wahrnehmen, mit dem dabei konstruierten Gesichtsausdruck zusammen. Positive Gesichtsausdrücke führen demnach also zu einem positiveren Gefühlsempfinden.

Hier kommt auch das Botulinumtoxin zum Einsatz. Durch die Injektion von Botulinumtoxin in die Muskelgruppen im Bereich der Zornesfalte wird die Erzeugung von negativen Gesichtsausdrücken gehemmt. Da negative Gefühle nun durch die Entspannung des Muskels nicht mehr durch die Zornesfalte ausgedrückt werden können, wird hier eine verminderte Aktivität hergestellt und die Gefühlslage verbessert.

Neue Studien belegen den positiven Effekt von Botulinumtoxin bei Depressionen. Das Hirnareal der Amygdala ist für die Äußerung von Emotionen und Angstgefühlen zuständig. Durch die Injektion von Botulinumtoxin passt sich dieses Hirnareal an und kann somit bei Depressionen zu einem verbesserten Gefühlszustand verhelfen. Besonders wirksam zeigte sich diese Methode bei Frauen mit einer leicht- bis mittelgradigen, unipolaren Depression. Die Wirkung ist nicht abhängig vom „Schönheitseffekt“, d.h. die Wirkung kommt nicht dadurch zustande, dass man sich freut, dass man weniger Falten aufweist.

Neben der langen Haltbarkeit von drei bis vier Monaten stellt die Injektion von Botulinumtoxin eine kostengünstige Therapiealternative dar und weist eine ausgesprochene Sicherheit und Verträglichkeit auf. Jedoch sind kurzzeitige Kopfschmerzen, Lid- oder Augenbrauensenkungen oder vorübergehende lokale Irritation nicht immer auszuschließen.

Sollten Sie unter leichten bis mittelgradigen Depression leiden, könnten Sie diese Therapieoption in Erwägung ziehen und ggf. mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Aktuell werden die Kosten zwar noch nicht von den Krankenkassen übernommen, als Off-Label-Anwendung ist die Therapie aber jederzeit durchführbar.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 0

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?