Team jameda
Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Dr. med. Angela Höcherl interessante Fragen zu ihrer Auffassung des Arztberufes und dem Umgang mit Patienten.
jameda: Was hat Sie motiviert Ärztin zu werden?
Frau Dr. Höcherl: Die Motivation zum Arztberuf kam bei mir durch sog. Sitzwachen im Klinikum Rechts der Isar, die ich damals machte, um mir das Studentenleben in München zu ermöglichen. Hier hatte ich nicht nur Gelegenheit, Patienten vor oder nach einer großen Operation pflegerisch zu betreuen und ihren Gesundheitszustand zu überwachen, sondern konnte auch bei vielen OPs dabei sein. Besonders fasziniert hat mich dabei die Notfallmedizin und die Notwendigkeit zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung zu treffen. Als ich mir nach über 2 Jahrzehnten Klinikarbeit den Traum von der eigenen Praxis erfüllt habe, geschah dies vor allem aus einer Idee heraus: Ich wollte Menschen, die meine Hilfe suchen, eine Dienstleistung anbieten, wie ich sie mir im Notfall auch für mich selbst wünschen würde. Dazu gehören ein Arzt, der sich freundlich, partnerschaftlich und ohne Termindruck meiner Probleme annimmt, eine Praxis mit persönlichem Ambiente und topmoderner Ausstattung und eine Organisation, die mir Wartezeiten erspart, Diskretion garantiert und den Aufenthalt so angenehm wie möglich macht.
jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude, wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Frau Dr. Höcherl: Die größte Freude finde ich darin, auf einen Patienten ganzheitlich eingehen zu können, mit ihm gemeinsam einen, seinen Bedürfnissen entsprechenden Therapieplan zu erstellen, wenn nötig in einem fachübergreifenden Kompetenznetzwerk. Ich begleite die Patienten von der ersten Diagnose bis zur Nachsorge und kümmere mich persönlich um alle Details ihres Therapieplanes. Gerade als Chirurgin bin ich der Meinung: die beste Operation ist die, die ich meinem Patienten ersparen kann. Ich nutze deshalb alle Möglichkeiten mit minimal-invasiven Eingriffen oder ganz ohne Skalpell, damit sie so schnell wie möglich wieder fit sind. Ich biete den Patienten mehr Transparenz; jeden Schritt besprechen wir ausführlich und verständlich. Ihre persönliche Sprechstunde ist erst zu Ende, wenn auch die letzte Frage beantwortet ist.
jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Frau Dr. Höcherl: In meiner Praxis habe ich keine Probleme mit Vorurteilen. Die Vorurteile sehe ich eher gegenüber dem Beruf des Chirurgen als solchen. Man wird oft in die Sparte gestellt „Der will ja nur schneiden“. Diese Furcht nehmen wir Patienten in unserer Praxis, indem wir freundliches Personal haben, den Patienten individuell betreuen und ein warmes, modernes Ambiente vermitteln. Es sind nicht irgendwelche Patienten, sondern sie sind unsere Gäste.
jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen von dem Patienten, was raten Sie Patienten in solchen Situationen?
Frau Dr. Höcherl: Für mich ist es von überragender Bedeutung nach eingehender Beratung und Erörterung des Therapieplanes, mit dem Patienten einen Konsens für die wesentlichen Teilschritte der Therapie zu vereinbaren. Ist der Patient mit diesem Vorgehen einverstanden und hat er Vertrauen gewonnen, dann ist es auch kein Problem mit dem Patienten den Weg der Behandlung und Genesung gemeinsam zu gehen.
jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Frau Dr. Höcherl: Vielfach steckt dahinter eine Verunsicherung des Patienten durch z. B. Veröffentlichungen in den Medien. Mein erster Schritt ist immer das Gespräch und Transparenz herzustellen. Bemerke ich, dass Patienten mit meinen Vorschlägen nicht konform gehen, biete ich ihnen auch gerne an, eine Zweitmeinung einzuholen.
jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als erstes tun?
Frau Dr. Höcherl: Meiner Meinung nach sollte jedem Bürger eine gesundheitliche Basisversorgung garantiert werden. Darüber hinaus muss er in die Lage versetzt werden, die/den Ärztin/Arzt seines Vertrauens selbst auswählen zu dürfen. Ein Beispiel hierfür erleben wir in Nachbarländern.
jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotenzial?
Frau Dr. Höcherl: Wesentlicher Schwachpunkt unseres Systems ist der Zwang zur „Minutenmedizin“. Die für den Therapieerfolg wichtige Kommunikation mit dem Patienten wird vom System nicht honoriert. Hier will ich in meiner Praxis ganz bewusst einen Kontrapunkt setzen.
jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis verwenden?
Frau Dr. Höcherl: Ja, wir haben uns in unserer chirurgischen Praxis darauf spezialisiert, Hämorrhoidalleiden schmerzarm und im Wesentlichen ohne zu schneiden, zu operieren. Hierdurch erreichen wir eine ambulante Versorgung des Patienten. Der technische Aufwand ist zwar groß, bringt aber ein wesentliches Plus an Komfort für den Patienten, wie z. B. schmerzarme Hämorrhoidenoperation, ambulante Hämorrhoidenoperation ohne stationären Krankenhausaufenthalt und die schnelle Rückkehr in das alltägliche Leben. Der lange berufliche Ausfall, wie wir ihn früher öfter gesehen haben, entfällt. Ferner bieten wir in Bezug auf Krampfadern verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die dem neuesten Stand entsprechen und sehr schmerzarm sind. Wichtig ist aber immer die richtige Indikation für die jeweilige Diagnose.
jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Frau Dr. Höcherl: Wir haben es in unserer Praxis mit sehr vielen und verschiedenen Menschen zu tun, daher habe ich jeden Tag unvergessliche Erlebnisse. Das beginnt schon bei der Dankbarkeit des Patienten darüber, dass er von uns mit großer menschlicher Zuwendung behandelt wird, dass wir ihn als Partner sehen und nicht von oben herab agieren, dass wir ihn in die Entscheidungen völlig einbeziehen.
jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Frau Dr. Höcherl: Nutzen Sie regelmäßige Voruntersuchungen. Bauen Sie ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt auf und gehen Sie mit ihm den Weg der medizinischen Versorgung und Betreuung gemeinsam.
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