
Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Hendrik Herm interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Strahlentherapeut.
jameda: Herr Dr. Herm, was hat Sie motiviert, Strahlentherapeut zu werden?
Herr Dr. Herm: Während meines Studiums hatte ich in diesem Bereich das erste Praktikum, welches mir sehr viel Freude bereitete, sodass ich mich intensiver mit der Strahlentherapie befasste und nach dem Studium dann als Arzt dort einstieg.
jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Herr Dr. Herm: Das Schöne ist, dass die Patienten nicht nur 1-2 Mal im Jahr zu mir kommen, sondern eine Strahlentherapiebehandlung oft über Wochen abläuft, sodass hier ein engerer Kontakt entsteht.
jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Herr Dr. Herm: Sehr oft wird die Strahlentherapie als letzte Therapiemöglichkeit angesehen. Dies ist zum Glück nicht so. Die Strahlentherapie kann in Kombination mit Operation und/ oder Chemotherapie zur Heilung beitragen.
jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?
Herr Dr. Herm: Mit dem Patienten immer im Gespräch bleiben, ihm das Ziel vor Augen führen, ihn auf seinem Weg begleiten und individuell beraten.
jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Herm: Wichtig ist, mit dem Patienten nochmal zu reden und zu klären, warum er den Therapieplan nicht befolgt. Manchmal sind es nur kleine Missverständnisse oder Ängste, die man gemeinsam in einem Gespräch klären kann
jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Herm: Die Bürokratie abbauen. Leider geht viel Zeit mit dem Ausfüllen von Formularen verloren.
jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Herm: Ich denke, dass Ärzte den Patienten manchmal mehr zuhören sowie einige Sachverhalte besser erklären könnten.
jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?
Herr Dr. Herm: Wir haben in unserer Praxis moderne Beschleuniger, z.B. den Tomotherapie HD, welcher eine Weiterführung der IMRT (Intensitätsmodulierte Strahlentherapie) ist. Gerade in den letzten Jahren hat die Strahlentherapie eine stetige Weiterentwicklung erfahren, sodass eine präzise Bestrahlung des Tumors und gleichzeitige eine Besserung bzw. Schonung von Nachbarorganen möglich ist.
jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Herr Dr. Herm: Wenn Patienten, die sehr skeptisch gegenüber einer Strahlentherapie waren, später zu den Nachsorgen kommen und sagen: „Es war die richtige Entscheidung, dass ich diese Therapie gemacht habe.“.



