Artikel 03/04/2016

Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. Naser Hatami

Team jameda
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Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Naser Hatami interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Orthopäde.

jameda: Herr Dr. Naser Hatami, was hat Sie motiviert, Orthopäde zu werden?
Herr Dr. Hatami: Schon als Kind hat mich die Medizin sehr fasziniert. Menschen zu helfen und sie von ihren Leiden und Schmerzen zu befreien, war mir ein großer Ansporn. Für die Orthopädie habe ich mich entschieden, da diese ein breites Spektrum hat und den Menschen vom Kopf bis Fuß erfasst. Da die ganzheitliche Betrachtung des Menschen mein großes Anliegen ist, habe ich mit dem Fach Orthopädie nicht nur die Möglichkeit, die gesamte Bewegungsapparatur in Betracht zu nehmen, sondern ebenfalls ursächliche Zusammenhänge mit weiteren Erkrankungen herzustellen, u.a. psychischer Art, aber auch Dysfunktionen bis hin in die zelluläre Ebene, die für Störungen im Körper sorgen und das Krankheitsbild hervorrufen.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? 
Herr Dr. Hatami: Am meisten freut es mich, wenn sich meine Patienten bei mir in guten Händen aufgehoben fühlen. Das beginnt bereits mit der ersten Sitzung, in der ich mir ausreichend Zeit nehme und so meinen Pateinten vermittle, dass ich sie ernst nehme und mich für sie interessiere. Ich lasse mir von meinen Patienten im ersten Schritt ihr Krankheitsbild beschreiben, um anschließend durch gezielte Fragen Zusammenhänge zu anderen Erkrankungen bis hin zu schlechten Lebensgewohnheiten sowie Veränderungen im sozialen Umfeld (Schwierigkeiten im Beruf, Todesfall in Familie, Trennung, etc.) herzustellen. Jeder Mensch ist einzigartig - sowohl was seinem Körper und Geist anbetrifft, aber auch im Bezug auf sein Empfinden und soziales Umfeld. Ich sehe es als große Herausforderung, jedem einzigartigen Menschen (Patienten) eine maßgeschneiderte Therapie anzubieten, die nicht nur das Krankheitsbild bekämpft, sondern auch individuell gut zu ihm passt und von ihm akzeptiert wird.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis? 
Herr Dr. Hatami: Wir werden öfters von gesetzlich versicherten Patienten kontaktiert, die gerne zu uns in die Praxis kommen möchten. Sie sehen dennoch im Anschluss aufgrund der Tatsache, dass wir mit den gesetzlichen Krankenkassen nicht abrechnen von einem Besuch ab. Deshalb hören wir manchmal, dass wir Medizin für Reiche anbieten, etc. Darum geht es uns aber nicht! Es geht darum, dass unser Konzept mit den Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen nicht vereinbar ist und somit unsere Leistungen nicht vergütet werden. Somit bleibt mir nichts anderes Übrig, meine medizinische Leistungen lediglich den Privatversicherten anzubieten sowie denen, die bereit sind, die Kosten selbst zu tragen.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?  
Herr Dr. Hatami: Insbesondere bei chronischen Erkrankungen ist die Therapie langwierig. Manchmal kann man sogar die Krankheit nicht therapieren, sondern „lediglich“ in seiner Erscheinungsform mildern bzw. dessen Fortschreiten verlangsamen. Mir ist es wichtig, in einem ausführlichen Gespräch mit den Patienten diese Sachverhalte zu vermitteln, noch wichtiger ist es für mich, dass der Patient zu mir Vertrauen aufbaut und nicht zuletzt versuche ich gemeinsam mit den Patienten die bestmögliche Therapieform zu finden, die nicht nur am meisten erfolgsversprechend ist, sondern für den Patienten gut verträglich und von ihm gut akzeptiert wird. Nicht zuletzt rate ich den Patienten für positive Gefühle und gute Laune zu sorgen, denn dadurch werden körpereigene Schmerzmittel freigesetzt, was schmerzlindernd wirkt.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Hatami: Zunächst möchte ich anmerken, dass dieser Fall eher selten bei mir vorkommt. Das mag daran liegen, dass ich bereits im Vorfeld den Patienten ausführlich über sein Krankheitsbild aufkläre sowie über mögliche Ursachen und Therapieformen, um anschließend mit Patienten gemeinsam die bestmögliche Therapieform für ihn auszuwählen. Dennoch ist es nie auszuschließen, dass ein Patient den Therapieplan nicht folgt. Aus meiner Sicht gibt es hauptsächlich 2 Gründe dafür:

  1. Die Therapie schlägt bei dem Patienten nicht an: Hierzu ist zu sagen, dass selbst die beste und bewährteste Therapieform eine Erfolgsquote von ca. 80% hat. D.h. es gibt immerhin eine Anzahl von Patienten, bei denen die Therapie nicht anschlägt. Um das herauszufinden, führe ich zu Beginn jeder Therapiesitzung eine Auswertung mit meinen Patienten durch, in der der Patient Angaben zum Grad der Schmerzlinderung, Wohlbefinden etc. macht und ich durch medizinische Untersuchungen den Grad der Krankheitsverbesserung ermittle. Sobald ich feststelle, dass keine Verbesserung eingetreten ist, werde ich den Patienten Alternativtherapien vorschlagen.
  2. Der Patient hat falsche Erwartungshaltung bzw. ist ungeduldig: wie bereits erwähnt ist insbesondere die Behandlung von chronischen Erkrankung sehr langwierig bzw. einige Erkrankungen lassen sich, zumindest konservativ (d.h. ohne operativen Eingriff) nicht beseitigen, sondern lediglich in ihrer Erscheinungsform mildern bzw. deren Fortschreiten verlangsamen. Hier sehe ich als meine Aufgabe den Patienten vollständig aufzuklären, ihn ständig motivieren mitzumachen.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Hatami: Ich würde als Erstes für ein Konzept sorgen, in dem Ärzte mehr Zeit für Patienten finden. Die Medizin hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht, es stehen moderne Geräte für Diagnostik zur Verfügung, aber auch sehr gute Arzneimittel. Die Zeit für Arzt/Patienten-Kontakt sowie Gespräche wird jedoch immer weniger, sodass es in den wenigen Minuten, die der Arzt für den Patienten hat, kaum möglich ist, ganzheitlich und individuell auf den Patienten einzugehen und die eigentliche Ursache für die Erkrankung zu erkennen. In der richtigen Medizin soll die Ursache bekämpft werden und nicht nur die Symptome.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Hatami: Bei einigen Ärzten sehe ich Verbesserungspotential in puncto „soziale Kompetenz“. Denn das, was einen guten Arzt ausmacht, ist nicht nur die gute fachliche Qualifikation, sondern auch die Fähigkeit Menschen zuzuhören, sich in Lage der Menschen versetzen zu können, für Vertrauen zu sorgen sowie Menschen zu motivieren sich für ihre Gesundheit einzusetzen. Leider werden solche Fähigkeiten an den Universitäten nicht vermittelt. Dennoch sind sie für den Therapieerfolg aus meiner Sicht unverzichtbar.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden? 
Herr Dr. Hatami: Ja, neben Magnet- und Andulationtherapie, die ich gerne für die Behandlung von Rücken- und Gelenkbeschwerden einsetze, verfüge ich seit Kurzem übe die Möglichkeit, Stoßwellentherapie anzubieten. Diese Therapieform setzte ich bevorzugt ein, um

  • Kalkschulter
  • Tennisellenbogen
  • Golferellenbogen
  • Fersensporn
  • Fasziitis Plantaris
  • Achillessehnenbeschwerden
  • Chronische Entzündungen der Sehnenansätze am Schultergelenk
  • Schleimbeutelentzündung/ Sehnenansatzentzündung am Hüftknochen (Trochanter-Schmerzsyndrom)
  • Belastungsschmerz an der Schienbeinkante (mediales Tibia-Stress-Syndrom)
  • Schleimbeutelentzündung an der Kniescheibenspitze
  • Patella Spitzensyndrom
  • Triggerpunkt-Therapie
  • Oberflächennahe Pseudoarthrosen (Falschgelenke)

zu behandeln.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Herr Dr. Hatami: Positive Erlebnisse habe ich zum Glück viele. Diese motivieren mich ständig und helfen mir, mich immer mehr für meinen Patienten einzusetzen. Dennoch möchte ich gerne über 2 Erlebnisse berichten, an die ich mich gewiss sehr lange erinnern werde. Vor ca. 5 Jahren behandelte ich eine Professorin, die Arthrose im fortgeschrittenen Stadium im rechten Knie hatte. Sie war sehr von ihren Schmerzen geplagt und seit einigen Monaten arbeitsunfähig, da sie kaum stehen und vor ihren Studenten Vorlesung halten konnte. Meine Therapie mit Hyaluronsäure hat bei ihr sehr gute Erfolge gezeigt, sodass sie nach 5 Therapiesitzungen gut gehen und stehen konnte, ohne große Schmerzen zu verspüren. Ein anderer Fall war eine Patientin, die ich vor ca. 7 Jahren behandelt hatte. Nach einem operativen Eingriff war sie gelähmt, da ihre Nerven durch die Operation schwere Schäden genommen hatten. Nach 20 Sitzungen Elektroakupunktur war sie soweit, dass sie wieder mit ihrem Mann spazieren gehen konnte. Sie war sehr dankbar und ihr Lächeln und die Zufriedenheit, die sie nach erfolgter Therapie zum Ausdruck brachte, werde ich bestimmt lange in Erinnerung behalten.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 
Herr Dr. Hatami: Gefolgt dem Leitsatz „Vorsorge ist die beste Medizin“ und „wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird eines Tages Zeit haben müssen, krank zu sein“ möchte ich allen Menschen dazu raten, für die Erhaltung Ihrer Gesundheit zu sorgen. Das gelingt am besten durch einen balancierten Lebensstil, zu dem neben ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung, Zeit für Freizeitaktivitäten und ein erfülltes soziales Leben gehören.

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