Artikel 20/12/2018

Das jameda-Interview: 7 Fragen an Herrn Dr. Jansen von der Schmerzklinik Berlin

Team jameda
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Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Jan-Peter Jansen, Chefarzt und Geschäftsführer der Schmerzklinik Berlin, interessante Fragen zu Grundsätzen der Klinik und Behandlungsmethoden.

jameda: Herr Dr. Jansen, Sie sind Chefarzt und Geschäftsführer in der Schmerzklinik Berlin. Was lieben Sie an Ihrer Arbeit und was sind die größten Herausforderungen im Klinikalltag?

Herr Dr. Jansen: Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit der Behandlung chronischer Schmerzpatienten. Dabei konnte ich viel Erfahrungen sammeln. Ich freue mich nun besonders, diese Erfahrungen in unserem jungen, hochinteressierten Team weitergeben zu können. Oft sind es manchmal kleine Ideen, die uns in der Therapie chronischer Schmerzzustände weiterbringen. Manchmal ist es aber auch eine langfristige Lösung, die wir für den Einzelnen finden. Die Arbeit in unserem interdisziplinären Team bei einer ausgeprägten Gleichberechtigung aller Beteiligten ist eine Grundvoraussetzung, damit die Behandlung gelingt.

jameda: Was motiviert Ihr Team bei der täglichen Arbeit?

Herr Dr. Jansen: Die meisten unserer Patienten haben bisher gehört, dass sie austherapiert seien und „mit den Schmerzen müssen Sie leben“. Wir sehen zu, dass es für den einzelnen weiter geht. Dafür ist das Setting im Rahmen einer synchronisierten Gruppenbehandlung sehr sinnvoll – es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich die therapeutischen Effekte in einer solchen Gruppe vervielfachen. Die Behandlungsergebnisse sind anhaltender und deutlich intensiver, als wenn man vereinzelter Schmerzpatient in einem großen Krankenhaus ist.

jameda:  Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Klinik, dass Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Jansen: Unvergessen bleibt mir der 70-jährige Patient, der sich vor vielen Jahrzehnten einen Plexusausriss im Schulterbereich bei einem Verkehrsunfall mit einem Motorrad zugezogen hat. Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) begleitete ihn in schwerster Ausprägung seit vielen Jahren. Nun erhielt er vom Neurochirurgen eine Elektrode implantiert, die er von außen mit einer Plattenelektrode aus Gummi und einem entsprechenden Gerät stimulieren kann. Er ist bei der Behandlung nahezu schmerzfrei. Die Opiate konnte er auch ein Minimum reduzieren und damit auch die starken Nebenwirkungen, unter denen er Jahrzehnte gelitten hatte.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Wie geht die Schmerzklinik Berlin mit Patienten in solchen Situationen um?

Herr Dr. Jansen: Wir kennen die Situation unserer Patienten genügend, um hier mit realistischen Erwartungen heranzugehen. Manchmal ist es auch so, dass man eine Krankheit nicht heilen kann. Dann kann man aber mit verschiedenen Methoden dafür sorgen, dass das Gehirn den Schmerz nicht mehr so stark wahrnimmt, dass es abgelenkt ist. Dies kann man mit vielen nicht-medikamentösen Methoden erzielen. Medikamentös hat sich unser Spektrum inzwischen um das Medizinal-Cannabis erweitert. Alles in Kombination kann die Lebensqualität der Schmerzpatienten anhaltend bessern. Dazu erheben wir entsprechende Forschungsdaten

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Dr. Jansen: Ich würde in der Schule bereits mit Gesundheitswissen beginnen. Mit der „Aktion Rückenwirbel“ wollen wir der Epidemie der Rückenschmerzen bereits bei den Heranwachsenden vorbeugen.

Ansonsten bietet das Gesundheitssystem in Deutschland auf seiner hohen Entwicklungsstufe für alle Beteiligten sichere und zuverlässige Komponenten, seine Gesundheit zu erhalten oder zurückzuerlangen. Weniger wäre hier mehr: Ich glaube, dass noch viel zu viel z. B. am Rücken operiert wird. Hier haben sich Zweitmeinungverfahren etabliert, das ist sehr gut.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Dr. Jansen: Die einzelnen Fachrichtungen drohen sich unterschiedlich zu entwickeln. Daher sind Treffen auf Fortbildungsveranstaltungen über die Fachgruppen hinaus die Lösung: Diese organisieren wir mit der Schmerzakademie. Hier finden sich interessierte Ärztinnen und Ärzte, wie auch in dem 80-Stunden-Kurs, den wir für die „Spezielle Schmerztherapie“ jährlich wenigstens einmal durchführen.

jameda: Was war die letzte große Veränderung in Ihrer Klinik?

Herr Dr. Jansen: Unsere Klinik ist erst eineinhalb Jahre geöffnet, da birgt jeder Tag Neuigkeiten und besondere Herausforderungen. Sehr glücklich sind wir über das durchgehend positive Feedback unserer Patienten und auch ihrer Krankenkassen.

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