Artikel 13/10/2021

Long Covid mit Mitochondrien-Therapie behandeln?

Annette Lartey Heilpraktiker
Annette Lartey
Heilpraktiker
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Was ist ein Long Covid Syndrom?

„Unter Post Covid oder Long Covid verstehen wir Symptome, die nach Abklingen der Akut-Erkrankung bestehen bleiben oder sich neu entwickeln. Dabei ist die Symptomatik durch keine andere Diagnose erklärbar.“ So die Definition des National Institute for Health and Care Excellence (NICE).

Der weitreichende Symptomkomplex umfasst Erkrankungen der Atemwege, kardiovaskuläre und gastrointestinale Beschwerden, aber auch Schmerzen an Muskulatur und Gelenken. Oftmals geht das Ganze mit einer undefinierbaren körperlichen und geistigen Schwäche einher. Viele Betroffene klagen auch über „Brain Fog“, ein vernebeltes Gehirn, mit gleichzeitigen Konzentrationsstörungen. Zu den häufig nach einer Covid19-Infektion auftretenden Symptomen zählen:

  • Fatigue, Erschöpfung
  • Dyspnoe - Atembeschwerden
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Muskel- und Gelenkbeschwerden
  • Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • „Brain Fog“ - Gehirnnebel

Schulmedizinisch wird entsprechend den Symptomen behandelt. Patienten absolvieren eine Atemtherapie, bekommen Beta-Blocker, werden verhaltenstherapeutisch betreut, um mit den Symptomen klarzukommen. Auch Singen, leichter Sport und eine Darmaufbau-Therapie werden eingesetzt. Um eine vorhandene systemische Entzündung zu hemmen, verwendet man unter anderem monoklonale Antikörper.

Bietet die Mitochondriale Medizin eine wirkliche Behandlungsoption bei Long Covid?

Was ist Mitochondriale Medizin überhaupt? In der Mitochondrialen Medizin arbeiten wir auf Zellebene an den Zellstrukturen, die unserem Körper Energie zur Verfügung stellen - den Mitochondrien. Im Biologie-Unterricht haben wir alle mal gelernt, dass die Mitochondrien die „Kraftwerke“ unsere Zellen sind. Dort wird zum großen Teil unsere Körperenergie ATP hergestellt. Nur um mal eine Hausnummer zu nennen: Wenn alles glatt läuft, produziert ein gesunder Körper von 70 kg Gewicht ungefähr diese Menge an ATP- 70 kg - und das Tag für Tag.

Aus unterschiedlichen Gründen kann es zu Beeinträchtigungen an den Mitochondrien kommen. Es wird nicht mehr ausreichend Energie produziert. Das ist wirklich fatal, denn genau im Moment einer Erkrankung, Infektion oder auch im Heilungsverlauf braucht unser Körper nicht weniger, sondern viel mehr Energie. Hier klafft die Lücke; und genau hier setzt die Mitochondriale Medizin an.

Die Mitochondriale Medizin ist ursachenorientiert

Die Akut-Erkrankung ist überstanden. Jetzt gilt es herauszufinden, was den Patienten/die Patientin davon abhält, wieder gesund zu werden. Gab es eine Vorgeschichte zur Covid 19 Erkrankung?
Ein wichtiger Bestandteil der Mitochondrialen Medizin ist die Anamnese. Im Erstgespräch gilt es herauszufinden, welche Prädispositionen/Vorerkrankungen/Schwachstellen vorhanden sind. Wo kann eine Therapie ansetzen?

Um das Ganze genauer abzustecken, werden Laboruntersuchungen (Blut, Stuhl, Urin, Speichel, Haarproben, u.a.) veranlasst. Diese Untersuchungen sind auf den Patienten zugeschnitten und enthalten weiterführende diagnostische Informationen zur Mitochondrienfunktion, dem Energieniveau des Patienten, einer chronischen Entzündungsneigung, vorhandenen Allergien, Umweltbelastungen und der Regenerationsfähigkeit.

Liegen alle Laborergebnisse vor, wird ein individuelles Therapiekonzept erstellt.

Eine Mitochondrientherapie ist eine BASIS-Therapie

Was genau ist damit gemeint? Mit einer Behandlung der Mitochondrien wird am Energielevel des Körpers gearbeitet. Vorrangig geht es erst mal darum, das Energieniveau des geschwächten/erkrankten Körpers anzuheben. Der Patient/die Patientin muss stabilisiert werden. In dieser Behandlungsphase werden die Grundlagen für alle weiteren Therapien gelegt. Daraus ergibt sich ein erster, grundlegender Behandlungsansatz, der bei allen den oben genannten Erkrankungen (und auch bei allen anderen chronischen Erkrankungen übrigens) gleich ist.

A) Vitalstoffmängel werden gezielt ausgeglichen. Entsprechend dem Blutbild werden Aufbau-/Regenerations-Infusionen verabreicht. Auch können verschiedene Nahrungsergänzungsmittel zum Einsatz kommen.

B) Die Sauerstoffversorgung der Zellen wird angeregt. Patienten bekommen ein leichtes, regelmäßiges Bewegungsprogramm an der frischen Luft. In der Mitochondrientherapie wird auch oft das intermittierende Hypoxie-Hyperoxie-Training IHHT angewandt. Hier nutzt man unterschiedliche Sauerstoffkonzentrationen, um den Körper gezielt anzuregen. Der gesamte Trainingsprozess wird per Computer überwacht und an das individuelle Leistungsniveau des Patienten angepasst.

Oftmals verändert diese Basisbehandlung mit Vitalstoffen und Sauerstofftraining schon mal die Ausgangssituation des/der Betroffenen.

Mitochondriale Medizin wirkt aufbauend und regulativ

Im Schritt 2 gilt es, genau hinzuschauen und an den Ursachen zu arbeiten. Ein „Runterdrücken“ der Symptome bringt zwar kurzfristig Erleichterung, ist aber, auf lange Sicht gesehen, eher kontraproduktiv.

Das Ziel ist es, den Patienten langfristig zu stabilisieren und seine Erkrankungsneigung herabzusetzen.

Dafür nutzt die Mitochondriale Medizin verschiedene Ansätze:

Mitochondrientherapie - Regeneration der Mitochondrien

Um die Mitochondrien wieder aufzubauen und zu regenerieren, braucht es eine gezielte Vitalstoffversorgung. Mehr und konzentrierter, als das über eine Ernährung machbar ist. Auch hier kommen wieder gezielte Infusionskonzepte zum Einsatz.

Ähnlich wie bei einem Feuer, dass es zu entfachen gilt, braucht es Holz (wie schon erwähnt, die Vitalstoffe aus der Infusion) und den Sauerstoff. Auch die Mitochondrien sind auf eine ausreichende Sauerstoffzufuhr angewiesen, um wieder ihre zu Leistung hochzufahren. Doch wie kommt jetzt eine ausreichende Menge an Sauerstoff in die Zellen zu den Mitochondrien?
In der Mitochondrialen Medizin nutzen viele Therapeuten das schon oben erwähnte IHHT-Sauerstoff-Training. Die Anwendung dieser Methode ist seit Jahrzehnten im klinischen Alltag erprobt und wird auch von Sportlern im Rahmen des Höhentrainings zur Leistungssteigerung genutzt. 2019 gab es für die Erforschung der in diesem Zusammenhang angeregten molekularen Prozesse (betrifft den Hypoxie-Induzierenden-Faktor: HIF 1α) den Medizin-Nobelpreis. Anders als in Phase 1, wo es lediglich darum ging, mehr Energie bereitzustellen, geht es hier um ein gezieltes Stimulieren der Mitochondrien. Dies wird nicht durch eine bloße Sauerstoffzufuhr erreicht. Wir brauchen einen Trainingsimpuls. Der während des Trainings stattfindende gesteuerte Wechsel von sauerstoffarm und sauerstoffreich soll den Mechanismus der Energiegewinnung anregen. Der Körper muss sich wechselnd anpassen, er kommt wieder in Bewegung.

Kleiner Exkurs

Forscher des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin in Erlangen konnten im Juni diesen Jahres erstmals zeigen, dass Long Covid eine Auswirkung auf die Größe und Steifigkeit der roten und weißen Blutkörperchen hat. Diese bleibt, nach deren Ansicht, über Monate bestehen und könnte auch eine Erklärung für einige Post-Covid-Symptome wie Atemnot, Müdigkeit und Kopfschmerz sein. Klar ist, dass auch die Blutzirkulation und der Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigt ist.

Es wird sich zeigen, ob das Sauerstofftraining in diesem Zusammenhang in den Fokus der Forscher gelangt, und ob dieses Verfahren weiter untersucht wird.

Mitochondrientherapie - Darm & Ernährung

Um sicherzustellen, dass eine ausreichende Vitalstoffversorgung langfristig sichergestellt ist, braucht es einen intakten, funktionsfähigen Darm.

  • Ist der Darm chronisch entzündet?
  • Bestehen Nahrungsmittelunverträglichkeiten? Allergien?
  • Ist die Darmschleimhaut intakt oder geschädigt? (Leaky Gut)
  • Liegt eine Resorbtionsstörung vor? Kann der Körper Darm Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate verstoffwechseln, der Darm sie entsprechend aufnehmen?
  • Wie geht es Galle und Bauchspeicheldrüse?

Dann schauen wir uns das Ernährungsverhalten unseres Patienten an.

  • Isst der Patient vollwertig?
  • Verfolgt er eine bestimmte Ernährungsform? Fleischlastig? Vegan/vegetarisch?
  • Wird selbst gekocht oder gibt es Fertigprodukte?
  • Ernährt sich der Patient seinen Bedürfnissen entsprechend?
  • Wird regelmäßig Alkohol konsumiert?
  • Bekommt der Patient über seine Ernährung ausreichend und die wichtigen Vitalstoffe? Oder gilt es, diese über Nahrungsergänzungsmittel zu supplementieren? (Beispiel: Omega 3 Versorgung, wenn kein Fisch gegessen wird?)

Um langfristig gesund zu bleiben, braucht es eine ausgewogene, den Bedürfnissen und Umständen entsprechende Ernährungsweise und einen gesunden Darm. Die Mitochondrientherapie beinhaltet oft auch eine Darm-Sanierung.

Mitochondrientherapie bedeutet auch Lebenstil-Änderung!

Im Rahmen der Mitochondrialen Therapie gilt es, schädigende Lebensgewohnheiten zum Wohle der eigenen Gesundheit zu verändern. Die Patienten setzen sich gezielt mit diesen Themen auseinander:

  • Treibe ich regelmäßig Sport? Bewege ich mich ausreichend an der frischen Luft?
  • Rauche ich?
  • Habe ich gelernt, bewusst abzuschalten, mich zu entspannen? Schaffe ich das im täglichen Leben auch?
  • Schlafe ich gut und ausreichend?
  • Kümmere ich mich um meine seelische Gesundheit? Habe ich jemanden zum Reden?

Weitere Therapieansätze der Mitochondrientherapie

Je nachdem, welche Vorerkrankungen oder zusätzlichen Belastungen ein Patient/eine Patientin hat, kommen noch weitere Maßnahmen zum Einsatz:

  • Immunmodulation und Senkung der Entzündungsneigung
  • Beseitigung eventuell vorhandener Umweltbelastungen, Entlastung des Körpers über Ausleistungsbehandlungen (oft auch in der Naturheilkunde angewandt),
  • Blick auf die Zahnversorgung: oftmals sind Zähne chronische Entzündungsherde, die den Körper zusätzlich belasten

Resumee: Für Post Covid-Erkrankte ist die Mitochondriale Medizin auf alle Fälle ein vielversprechender ergänzender Therapieansatz zur Schulmedizinischen Behandlung.

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