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Unter dem Patellaspitzensyndrom (Synonym: Jumper’s Knee) versteht man eine Sehnenansatzreizung (Tendinose) der Patellasehne an ihrem Ursprung im Bereich der unteren Kniescheibenspitze.
Hierbei handelt es sich um ein häufiges Symptom bei Sprungsportlern, insbesondere nach langen Sport- und Laufpausen kann ein Patellaspitzensyndrom erstmalig auftreten und den betroffenen Sportler zur Aufgabe der Belastung zwingen.
Die Kniescheibe ist das größte Sesambein des menschlichen Körpers und verbindet den Oberschenkelquadricepsmuskel mit dem vorderen proximalen Unterschenkel. Hierbei wird sowohl bei Alltagsbelastung als auch im Sport kontinuierlich Druck auf die sehnigen Strukturen unterhalb der Patellasehne und die Kniescheibe verteilt.
Ursachen für ein Patellaspitzensyndrom können sein: fehlerhafte Druckverteilung des Kniegelenkes, z. B. durch Achsfehlstellung, Verkürzung der Muskulatur und sportliche Fehlbelastungen. Es ist darauf zu achten, dass außerdem Fehlstellungen des Beckens und Fußfehlstellungen (z. B. Plattfuß oder Senkfuß) bei der ganzheitlichen Behandlung mit einfließen.
Das Symptombild ist mannigfaltig; beginnend bei plötzlich einschießenden Schmerzen und kurzzeitiger vollständiger Beschwerderegredienz bis hin zum chronischen Verlauf mit persistenten Beschwerden auch in Ruhe und lokaler Schwellneigung.
Sowohl bei Breiten- als auch bei Leistungssportlern kann es aufgrund von fehlerhafter Belastung oder Überbelastung und repetitiver mikroskopischer Sehnenverletzung im Bereich des distalen Patellapols zu minimalen Einrissen der selbigen kommen. Hier kann es zu insuffizienten körpereigenen Reparaturmechanismen kommen, bis hin zu schmerzhaften Weichteilreizungen mit Teileinrissen im Querschnitt.
Nach Roels 1978 lässt sich das Patellaspitzensyndrom in 4 Grade klassifizieren:
Der konservative Therapieansatz beim Patellaspitzensyndrom hat nicht selten einen langwierigen Verlauf. Erstens sollte die Sportintensität qualitativ und quantitativ reduziert werden, die schmerzauslösenden Bewegungen und Momente sollten vermieden und durch knieschonende Sportarten zunächst ersetzt werden (z. B. Radfahren oder Schwimmen). Stop-and-Go-Sportarten sollten in dieser Zeit nicht ausgeführt werden.
Dynamische und statische Fehlhaltungen des Bewegungsapparates und des Skelettsystems sollten sowohl krankengymnastisch als auch durch Eigenbeübung ausgeglichen werden. Regelmäßige Dehnungsübungen der Ober- und Unterschenkelmuskulatur streck- und beugeseitig sind die Grundlage für den Erfolg der konservativen Therapie.
Des Weiteren können Sehnenansatzprobleme bei Bedarf durch Elektrotherapie, Ultraschalltherapie, Stoßwellentherapie, Weichteiltechniken (Querfriktion) unterstützend behandelt werden. Nur in den seltensten Fällen und bei frustraner konservativer langwieriger Therapie ist eine mögliche Operation in Betracht zu ziehen. Lässt sich kernspintomographisch ein bestimmtes Beschwerdekorrelat im Bereich der distalen Patellasehne im Sinne einer Auftreibung, Flüssigkeitsansammlung und möglicher im Verbund verwachsener Ossikel darstellen, ist hier zumindest die minimal-invasive arthroskopische Chirurgie die erste Wahl.
Sinn dieser Operation sind eine Denervierung des gelenkseitigen Sehnenansatzes, die Anfrischung möglich degenerativer Partialeinrisse und ggfs. Bergung möglicher freier Gelenkkörper und Abtragung von Patellaspitzenosteophyten.
Alles in allem ist das Patellaspitzensyndrom primär zu verhindern durch regelmäßige Dehnung der Muskulatur, Aufwärmübungen vor sportlicher Belastung und moderate, langsame Steigerung der sportlichen Intensität in der Trainingsphase. Des Weiteren sollte die Regeneration regelmäßiger Inhalt des Trainingsplanes sein.
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