Artikel 17/07/2025

Rückenschmerzen, Hexenschuss und Bandscheibenvorfall – was hilft wirklich?

Niclas Johannson B.Sc. Physiotherapeut, Lymphtherapeut, Heilpraktiker für Physiotherapie
Niclas Johannson B.Sc.
Physiotherapeut, Lymphtherapeut, Heilpraktiker für Physiotherapie

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in Deutschland und betreffen nahezu jeden Menschen mindestens einmal im Leben. Doch was tun, wenn es plötzlich „einschießt“ oder die Schmerzen ins Bein ausstrahlen? Moderne Physiotherapie bietet viele Ansätze, um gezielt und nachhaltig zu helfen.

Foto eines Mannes, der auf dem Bett sitzt und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht, die Hand an die rot leuchtende Lendenwirbelsäule hält

Von Verspannung bis Bandscheibenvorfall – wie entstehen Rückenschmerzen?

Die Ursachen für Rückenschmerzen sind vielseitig. Neben akuten Verspannungen durch Fehlhaltungen oder Bewegungsmangel sind auch Überlastungen, schweres Heben oder langes Sitzen im Büro typische Auslöser. Kommt es plötzlich zu starken, stechenden Schmerzen im unteren Rücken – im Volksmund „Hexenschuss“ genannt –, liegt meist eine muskuläre Verkrampfung oder Blockierung zugrunde. Bandscheibenvorfälle entstehen oft nicht „von jetzt auf gleich“, sondern kündigen sich über längere Zeit durch Warnsignale wie wiederkehrende Rückenblockaden, ziehende Schmerzen oder Kribbeln im Bein an (AWMF-Leitlinie 2023).

Wann ist medizinische Abklärung wichtig?

In den meisten Fällen sind Rückenschmerzen harmlos und klingen nach wenigen Tagen bis Wochen wieder ab. Alarmzeichen, bei denen Sie sofort ärztlichen Rat einholen sollten, sind jedoch Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle im Bereich von Gesäß oder Beinen oder Probleme beim Wasserlassen (Red Flags; vgl. DEGAM 2022).

Wie sieht die moderne Therapie aus?

Die Behandlung richtet sich immer nach Ursache und Ausprägung der Beschwerden:

  • Physiotherapie und aktives Training: Zentrale Bausteine sind gezielte Übungen zur Stabilisierung und Mobilisierung der Wirbelsäule. Studien zeigen, dass aktives Training langfristig effektiver ist als reine Schonung oder passive Maßnahmen (Oesch et al. 2016; van Middelkoop et al. 2011).
  • Manuelle Therapie: Blockaden und Bewegungseinschränkungen werden durch sanfte Mobilisation gelöst, um die Rückenmuskulatur zu entlasten.
  • Ergonomieberatung: Oft sind es Kleinigkeiten im Alltag – etwa die richtige Sitzhöhe oder Bewegungspausen im Büro –, die Beschwerden verstärken oder lindern können.
  • Aufklärung und Selbstmanagement: Wer die Ursachen seiner Beschwerden versteht und eigenverantwortlich handelt, ist meist schneller wieder fit.

Warum ist Bewegung so wichtig?

Zu wenig Bewegung, fehlende Rumpfstabilität und untrainierte Muskulatur sind die häufigsten Risikofaktoren für chronische Rückenschmerzen. Auch wenn es anfangs schwerfällt: Mit individuell angepassten Übungen und etwas Geduld lässt sich die Belastbarkeit des Rückens nachhaltig verbessern. Ein kurzfristiges Ansteigen der Symptome nach Belastung ist häufig und kein Grund zur Sorge – der Körper braucht Zeit, um sich umzustellen (NICE Guideline 2020).

Wie lange dauert die Behandlung?

Akute Rückenschmerzen bessern sich meist innerhalb weniger Tage bis Wochen. Bei Bandscheibenvorfällen kann die Genesung mehrere Monate in Anspruch nehmen, wobei eine konsequente Therapie und aktive Mitarbeit den Heilungsprozess deutlich beschleunigen.

Fazit

Rückenschmerzen sind weit verbreitet, aber kein Schicksal. Mit moderner Physiotherapie, gezieltem Training und einem guten Verständnis für die eigenen Bedürfnisse können Sie aktiv dazu beitragen, Beschwerden vorzubeugen und die Lebensqualität zu steigern. Wir unterstützen Sie dabei – mit Fachwissen, Erfahrung und individuell abgestimmten Therapieplänen.


Quellen (Auswahl)

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