
Wann hilft Hypnoanalyse? Zwei fiktive Beispiele:
Martin ist zwei Jahre alt und spielt mit seinen Bauklötzen im Wohnzimmer, als die Eltern ihn für kurze Zeit alleine lassen. Ihm wird langweilig, er sieht sich im Zimmer um und entdeckt die Filzstifte. Begeistert packt er die Stifte aus und beginnt, für seine Eltern ein Bild zu malen. Als diese zurückkommen, stellen sie fest, dass Martin das neue Sofa komplett mit Filzstiften beschmiert hat. Statt sich über sein Bild zu freuen, wie er erwartet hat, schreien sie ihn an. Es fallen Worte wie „Jetzt ist das neue Sofa ruiniert!“ und „Wegen dir müssen wir uns jetzt ein neues Sofa kaufen!“. In diesem Augenblick fühlt sich der kleine Martin schuldig und wertlos.
40 Jahre später:
Martin ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet erfolgreich als Anwalt. Eigentlich könnte es ihm gut gehen, aber er hat ein Problem. Sobald er irgendetwas Neues kauft und dieses nur leicht beschädigt wird, ist er unruhig und seine Gedanken kreisen die ganze Zeit um die Beschädigung. Das Gedankenkreisen hört erst auf, nachdem er den beschädigten Gegenstand verkauft. Als eine Tür seines neuen Autos einen leichten Kratzer abbekommt, lässt er die Tür neu lackieren. Die neu lackierte Tür schaut er von allen Seiten genau an, bis ihm eine winzige Unebenheit auffällt. Sofort beginnt das Gedankenkreisen erneut. Erst als er sich vom Hersteller eine neue Tür einbauen lässt, kommt er wieder zur Ruhe. Martin weiß, dass sein Verhalten seltsam ist. Er würde es gerne ändern, aber er schafft es nicht.
Simone ist ein Jahr alt, als ihre Eltern mit ihr Bekannte besuchen. Die Erwachsenen unterhalten sich und Simone schläft ein. Die Eltern tragen das Kind in das Bett der Bekannten und schließen die Tür. Kurze Zeit später erwacht Simone. Sie weiß nicht, wo sie sich befindet und wo ihre Eltern sind. Sie schreit nach ihnen, aber diese hören sie nicht. Simone fühlt sich verlassen und geräht in Panik.
17 Jahre später:
Simone ist kurz vor dem Abitur und möchte danach studieren. Aber sie hat ein Problem: Sie kann außerhalb des elterlichen Hauses nicht schlafen. Egal, ob sie bei einer Freundin oder in einem Hotel übernachten will, jedes Mal hat sie ein beklemmendes Gefühl und findet keinen Schlaf.
Bei beiden Geschichten hat die Problemsituation mit der Situation aus der Kindheit etwas gemeinsam - die erlebten Emotionen sind gleich. Das Kindheitserlebnis hat die Problemsituation gebahnt und es entwickelte sich ein Netzwerk im Gehirn. Dieses wird im späteren Verlauf immer wieder aktiviert und taucht auch später bei der Problemsituation auf.
Ursachenorientierte Hypnose
Die ursachenorientierte Hypnose (Hypnoanalyse) geht davon aus, dass jedes psychische Problem eine Ursache hat. Diese liegt meist in der frühen Kindheit. Ziel der Hypnoanalyse ist es, diese ursächlichen Situationen zu suchen und gemeinsam mit dem Patienten Heilung in die entsprechende Situation zu bringen. Dies geschieht indem das Kind in Hypnose die damalige Situation mithilfe des Erwachsenen nochmals durchlebt. Dadurch bewertet der Patient die ehemals belastende Situation emotional neu. Dies führt in der Gegenwart zur Lösung des Problems.
Die Situationen sind für das Kleinkind traumatisch, da dieses in dem Alter noch nicht die Ressourcen hat, die entsprechende Situation erfolgreich zu bewältigen. Für Erwachsene mit ihren Erfahrungen sind die Situationen, welche die jetzigen Probleme gebahnt haben, dagegen nur Kleinigkeiten.
Martin und Simone haben mithilfe der Hypnoanalyse ihre oben geschilderten Kindheitserlebnisse erfolgreich durchlebt, emotional neu bewertet und ihre jetzigen Probleme bewältigt. Martin macht sich keine Gedanken mehr, falls etwas beschädigt wird. Simone kann auch auswärts endlich gut schlafen.



