Artikel 20/07/2012

Rückenschmerzen - das Kreuz mit dem Kreuz

Team jameda
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Schmerzen am Bewegungsapparat, insbesondere Schmerzen im Bereich der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule sind ganz besonders häufige Beschwerden beim Hausarzt. Die übliche Behandlung mit sogenannten Rheumamitteln und muskelentspannenden Medikamenten möchte ich in diesem Artikel nicht weiter beleuchten. Die wenigsten Patienten mit solchen Symptomen haben einen Bandscheibenvorfall mit Druck auf den Nerven, welche die Schmerzen erklären. Was steckt also wirklich hinter den so häufigen Rückenschmerzen?

Diese Frage begleitet mich seit Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit. Früher zog man das Röntgenbild zur Diagnose heran und stellte meist irgendwelche Abnützungserscheinungen (degenerative Veränderungen oder Arthrose) fest. Das war eine einfache Erklärung, aber leider wohl zu einfach. Denn es gibt Menschen mit schlimmen Veränderungen im Röntgenbild, die aber überhaupt keine Beschwerden haben, oder Patienten mit starken Schmerzen, aber nur leichten Veränderungen beim Röntgen. Das Kernspin bringt uns heute auch nicht viel weiter, außer beim Bandscheibenvorfall, und das sind im Verhältnis nur wenige Fälle.

Eine wesentliche Bereicherung stellte für mich eine Ausbildung in Manueller Medizin / Chirotherapie dar. Hier werden sogenannte ‘Blockierungen’, von denen meines Wissens auch keiner sagen kann, was das genau ist, für die Schmerzen verantwortlich gemacht. Diese Blockierungen können dann von speziell ausgebildeten Ärzten beziehungsweise Physiotherapeuten chirotherapeutisch gelöst werden. Damit kann man tatsächlich einer Vielzahl von Patienten sehr gut helfen.

Trotzdem bleibt noch eine erhebliche Zahl von Menschen, für die diese Methode nicht taugt. Ich habe den Eindruck, je älter der Patient ist und je länger die Schmerzen bestehen, desto weniger kann ich mit Chirotherapie bewirken. Hier ist die Akupunktur und, was mich immer wieder wundert, die homöopathische Behandlung mit Globuli in einem erheblichen Teil der Fälle erfolgreich.

Vor einigen Jahren ist eine neue Methode am Horizont erschienen: Die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht. Der Erfinder dieser Therapie sieht, vereinfacht ausgedrückt, vor allem eine Fehlbelastung im Bereich der Muskeln, Sehnen und Faszien als Ursache für die Schmerzen an. Man behandelt mit einer Schmerzpunktpressur und anschließend mit Dehn- und Kräftigungsübungen für die erkrankten Teile. Da Herr Liebscher selbst kein Arzt ist, tun sich viele Ärzte etwas schwer in der Akzeptanz, was sehr schade ist, weil die Methode wirklich eine große Bereicherung darstellt. Allerdings ist die Ausbildung extrem teuer und die Methode ist so zeitaufwendig, dass sie in einer Kassenpraxis fast nicht zu betreiben ist. So wird sie leider wohl Privatpatienten und Selbstzahlern vorbehalten bleiben.

Letzlich bleibt die Erkenntnis, daß ich nach fast 30 Jahren ärztlicher Tätigkeit und vielen Versuchen über den schulmedizinischen Tellerrand zu schauen, immer noch nicht wirklich sagen kann, was eigentlich die Ursache der Rückenschmerzen ist. Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz.

Wichtig erscheint mir jedoch die Einsicht, dass eine gut funktionierende Muskulatur ein wichtiger Faktor ist. Also stellt für mich, wenn die Beschwerden nicht in wenigen Tagen mit Medikamenten verschwinden und wenn Chirotherapie, Liebscher & Bracht oder ähnliches nicht zur Verfügung stehen, die Krankengymnastik eine wertvolle Hilfe dar, auch wenn das die Krankenkassen nicht gerne hören. Wenn der Rücken dann nicht mehr weh tut, ab ins Fitnesstudio, damit es möglichst lange so bleibt.

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