Lipödem und G-BA: Betroffene müssen weiter warten - Was ist die Liposuktion?

Trotz vielen Studienergebnissen ist die Liposuktion auch jetzt noch keine Kassenleistung (© Zerbor - Fotolia)

Am 20. Juli 2017 entschied der Gemeinsame Bundesausschuß (G-BA), dass die Liposuktion das Potential als erforderliche Behandlungsalternative hat. Viele Betroffene haben bereits seit langer Zeit auf eine Entscheidung gewartet und müssen nun leider weiter warten. Eine völlig unverständliche Verzögerung des Leidens.

Was ist eine Liposuktion und wieso ist sie keine Kassenleistung?

Mit der Liposuktion beim Lipödem existiert ganz offensichtlich ein Verfahren, welches Betroffenen eine erhebliche Veränderung direkt nach dem Eingriff verschafft und welches mehrheitlich eine anhaltende Befundbesserung über viele Jahre ermöglicht.

Trotz starker Evidenz möchte der G-BA weitere und neue Studien, bevor er die Liposuktion als Kassenleistung anerkennt. Ärzte und Patienten sind sprachlos und enttäuscht, da der G-BA mit einer Erprobungsstudie und nachfolgenden Untersuchungen neue und ausreichend sichere Erkenntnisse sammeln möchte.

Dies kann Jahre in Anspruch nehmen und Betroffene fühlen sich mit ihrer Diagnose Lipödem allein gelassen. Eine Erkrankung, die oft als „Lokalisierte Adipositas“ beschrieben wird, obwohl das Lipödem keine Folge von Übergewicht ist, da es sich um eine krankhafte Fettverteilungsstörung handelt.

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem, in der Umgangssprache auch als „Reithosenfettsucht“, „Reiterhosensyndrom“ oder „Säulenbein“ bezeichnet, ist eine voranschreitende Erkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch die atypische, symmetrische Häufung von Fettgewebe seitlich an den Hüften und Oberschenkeln. Weiterhin können die Oberarme und im späteren Verlauf auch die Unterschenkel, Unterarme und der Nacken betroffen sein. Die mit der Krankheit einhergehenden Schwellungen aufgrund der Einlagerung von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem, einem sogenannten Ödem, können mit Schmerzen und Druckempfindlichkeit, sowie der Neigung zu blauen Flecken einhergehen.

Um Lipödemen vorzubeugen, können Kompressionsstrümpfe getragen werden (©fotolia-tibanna79)
Meist treten Lipödeme erstmals während der Pubertät oder in der Schwangerschaft auf. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen, so dass hormonelle Ursachen vermutet werden. Verglichen mit Lymphödemen treten Lipödeme immer symmetrisch auf. Dabei kommt es zu „säulenartigen“ Veränderungen und Deformierungen der Beine - sogenannte „Reiterhosen“ an Po und Hüften.

Lipödeme sind bei Druck und Berührung schmerzempfindlich. Häufig zeigen sich „Besenreisernester“ im seitlichen Bereich der Oberschenkel. Neigung zu Blutergüssen, eine familiäre Vorbelastung und knotige oder eine dellige Hautstruktur sind weitere Anzeichen.

Wie kann man Lipödemen entgegenwirken?

Lipödeme können nicht durch Abmagerungskuren gelindert werden, denn die Fettpolster sind keine Folge von Übergewicht. Die Behandlung mit Medikamenten oder Salben ist bei Lipödemen nicht sinnvoll. Das Übergewicht zu reduzieren ist hilfreich, führt jedoch zu keinen wesentlichen Veränderungen an den betroffenen Stellen. Eine Kompressionstherapie mit Strumpfhosen, die bis zu drei Mal pro Woche für 45 Minuten - nur beim Sport - getragen werden, wird empfohlen.

Beim Lipödem kann in fortgeschrittenen Stadien die Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) notwendig werden. Sport ist sinnvoll, aber nur in Verbindung mit Kompression.

Im letzten Schritt der Therapie ist eine operative Fettabsaugung notwendig (© fotolia-GordonGrand)
Wie wird ein Lipödem behandelt?

Folgender therapeutischer Algorithmus wird für die Behandlung des Lipödems gesehen:

  • Kompressionstherapie durch konsequentes Tragen von Kompressionsstrumpfhosen bis Kompressionsklasse IV beim Sport
  • Gewichtsnormalisierung sofern möglich
  • funktionelle, lymphologische Rehabilitation
  • Manuelle Lymphdrainage
  • Operative Therapie mittels Fettabsaugung, die sogenannte Liposuktion

Während die Entstauungsstherapie dazu dient die Ödeme zu beseitigen, kann das krankhaft vermehrte Fettgewebe selbst nur mit einer Fettabsaugung entfernt werden. Die Fettabsaugung wird als etablierte Therapiemaßnahme beschrieben, um folgende Therapieziele zu erreichen: Ödemreduktion, Schmerzlinderung, Reduktion der Hämatomneigung, Reduktion des pathologisch vermehrten Unterhautfettgewebes, Verhinderung/Beseitigung mechanisch bedingter Komplikationen.

Die Liposiktion wird zur dauerhaften Reduktion des krankhaften Unterhautfettgewebes an Beinen und Armen eingesetzt. Die Datenlage ist eindeutig. Schaut man sonst gerne nach existierenden Leitlinien, lässt man sie hier unberücksichtigt.

Betroffenen kann nur geraten werden, sich weiter hartnäckig für eine Kostenübernahme mit den Kassen auseinanderzusetzen, bevor aus einem Anfangsstadium ein chronisches Leiden wird.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

A. S., 02.08.2017 - 16:41 Uhr

Die darüber entscheiden, haben nicht die geringste Ahnung, wie wir Patientinnen darunter physisch und psychisch, gerade als Frau, leiden. Wir haben uns diese Krankheit weder ausgesucht noch angefressen. Es ist nur traurig, dass soviel Geld für herkömmliche Therapien und Rehamaßnahmen ausgegeben wird, obwohl es schon bewiesen ist, dass diese Maßnahmen nicht viel bringen.

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 03.08.2017

Als ich diesen Kommentar gelesen haben, sprachen Sie mir aus dem Herzen. Betroffene müssen sich zusammenschließen und sich für ihr Recht stark machen. Gemeinsam ist es schaffbar und wird ja auch bereits realisiert. In der Regel als Einzelfallentscheidung. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Gerne helfe ich weiter. Beste Grüße, Dr.Fuchs

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