Geheimratsecken: Ablauf & Risiken der Haartransplantation

Geheimratsecken können das Selbstwertgefühl vieler Betroffener angreifen. (© goodluz - fotolia)

Sobald sich bei Männern Geheimratsecken bilden, weist das auf einen drohenden Verlust der Kopfbehaarung in der Zukunft hin. Diese Entwicklung kann bis zu einer Vollglatze führen. Der Haarverlust ist nicht umkehrbar und Medikamente stoppen im besten Fall einen weiteren Verlauf.

Allgemein wird der Begriff "Geheimratsecken" häufig verwendet für den erblich bedingten Haarausfall an den Schläfen.

So läuft die Voruntersuchung ab

Vor einer Haartransplantation an den Geheimratsecken ist es unbedingt notwendig, die Ursachen medizinisch zu klären. Dazu sind Voruntersuchungen und gegebenenfalls auch Laboranalysen notwendig.

Zudem sollte der bisherige Verlauf des Haarverlusts geprüft werden. Hier ist vor allem eine langjährige Erfahrung hilfreich, um zu erkennen, ob der Haarverlust an den Geheimratsecken weiter fortschreitet.

Es kann zwischen ursächlichen und symptomatischen Behandlungen von Geheimratsecken unterschieden werden.

Ursächliche Behandlung

Eine ursächliche Behandlungsmöglichkeit ist beispielsweise die Anwendung von Medikamenten. Diese können z. B. verhindern, dass Hormone wie das DHT (Dihydrotestosteron) am Haarwurzel-Rezeptor weiter andocken und somit die Induktion des weiteren Haarausfalls hemmen.

Die dauerhafte Einnahme von Medikamenten kann von Patienten als Nachteil empfunden werden. Auch sind Nebenwirkungen durch die Anwendung möglich. Sind erst mal Haarwurzeln abgestorben wachsen sie an den Geheimratsecken nicht mehr nach.

Symptomatische Behandlung

Die heute erfolgreiche chirurgische Therapie ist eine symptomatische Behandlung. Hier wird die Haarfülle an den Geheimratsecken durch eine Eigenhaar-Transplantation rekonstruiert.

Bei dieser Methode vermeidet man eine Medikamenteneinnahme und es werden Ihre eigenen natürlichen Haare verpflanzt. Es wird in kurzer Zeit ein hochzuverlässiges und meist gut planbares Ergebnis erreicht.

Bei der Eigenhaartransplantation werden einzelne Haarfollikel (FUE) oder in einzelne Haarwurzeln zerlegte Haarwurzeln (FUT) vom Hinterkopf oder den Schläfenregion entnommen und an die Geheimratsecken verpflanzt.

Die Rekonstruktion von Geheimratsecken wird in einer 2,5-3,5-stündigen Sitzung in örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt. Verschiedene Spezialisten bieten heute die Möglichkeit an, die Behandlung auch an einem Samstag durchzuführen.

Wie läuft die Behandlung ab?

Am OP-Tag sollten Sie keine Mützen tragen und ein leicht zu öffnendes Oberteil tragen. Sie sitzen auf einem medizinischen Behandlungsstuhl und können sich entspannen; auf Wunsch wird vielerorts auch die Behandlung in Dämmerschlaf angeboten.


Am Tag der OP

Die Haarverpflanzung verläuft wie folgt:

  • Rasieren und örtliche Betäubung am Spender-Areal.
  • Entnahme von natürlichen Haar-Gruppierungen (1-5 Haaren) mit einer Hohlnadel (FUE-Methode).
  • Prüfung auf Gesundheit der Haarfollikel durch den Haarchirurgen.
  • Zwischenlagerung der entnommenen Haare in einer Nährlösung.
  • Örtliche Betäubung der Geheimratsecken.
  • Implantation der Haarfollikel (Grafts) nach Vorbereitung der Kopfhaut mit Mikro-Schlitzen unter Berücksichtigung der Dichte und Wuchsrichtung.

Nach der ambulanten Behandlung können Sie nach Hause fahren und Sie sollten sich etwas Ruhe gönnen. Eine Begleitung wird empfohlen, da Sie für mindestens 12 h nicht als verkehrstüchtig gelten.

Nach der OP

  • 2-3 Tage nach der OP können die Haare gewaschen werden.
  • 14 Tagen später erfolgt eine Kontrolle durch den Haarchirurgen.
  • 4 Monate später weitere Kontrolle beim Haarchirurgen.

Einige Verhaltensregeln sind sehr wichtig für den Erfolg nach der Transplantation.

  • Die ersten Tage nach der OP sollten Sie auf dem Rücken schlafen (in leicht) erhöhter Position.
  • Vermeiden Sie intensive Sonneneinstrahlung direkt auf den Kopf für etwa 3 Monate.
  • Um die Durchblutung der Kopfhaut / Transplantate nicht zu gefährden, sollten Sie 4 Wochen nach der OP auf Nikotin verzichten und den Alkoholkonsum mäßigen.
  • Mechanische Belastung der Haare und Kopfhaut sind unbedingt zu vermeiden. Ferner auch die Anwendung einer zu stark eingestellten Duschbrause. Achten Sie in jedem Fall auf eine sanfte Behandlung des behandelten Gebiets.

Generell gelten Haartransplantationen als risikoarm und gut verträglich. (©goodluz - fotolia)
Welche Schmerzen sind zu erwarten?

Der Eingriff ist nach Vorbereitung durch moderne lokale Betäubung schmerzfrei. Der kurze Schmerz, der durch die Injektion der Lokalanästhesie auftritt, ähnlich wie man das vom Zahnarzt kennt, kann durch Vibrationsmassage reduziert werden. Zudem kann man mit einem Dämmerschlaf und/oder der Gabe von zusätzlichen Medikamenten ängstlichen Patienten entgegenkommen.

Es werden heute diverse Methoden angewendet, um den Patienten ein möglichst angenehmes Verfahren zu bieten. Spezialisierte Haarchirurgen zeigen hier sehr gute Erfahrungen auf.

In der Nacht nach der OP können leichte Schmerzen oder ein Brennen und Ziehen auftreten. Deshalb werden die Patienten mit entsprechenden Bedarfs-Medikamenten versorgt.

Das sind die Risiken der Behandlung

Risiken bei einer Haartransplantation sind vertretbar und gering. Sie liegen im Bereich von kleinen Nachblutungen, Schwellungen und örtlichen Infektionen.

Ferner können lokal begrenzte Infektionen, wie etwa bei Akne, dazu führen, dass verpflanzte Haarfollikel nicht anwachsen und wieder ausfallen.

Insgesamt sind jedoch die Risiken als sehr geringfügig und kontrollierbar einzuschätzen.

Wie setzen sich die Kosten zusammen?

Die Kosten einer Haarverpflanzung an die Geheimratsecken sind abhängig von der Anzahl der zu transplantierenden Grafts und den damit in Zusammenhang stehenden Zeitaufwand. Zudem ist die FUE-Methode aufwendiger.

Dieses und mehr wird mit Ihrem Haarchirurgen geklärt, der die Kosten dann gemäß einem Behandlungsplan aufzeigt.

Allgemeine Tipps

Unabhängig von genetischen Faktoren begünstigen auch Rauchen, AlkoholStress und einseitige Ernährung den Haarausfall. Sie sollten in jedem Fall hier Ihre Umstände prüfen und proaktiv zu der Haartransplantation Ihre Gewohnheiten anpassen.

Das DHT (Dihydrotestosteron), welchem eine besondere Rolle nach heutiger Forschung zugeordnet wird, wirkt besonders intensiv an der Schläfenregion und der Tonsur. Interessanterweise wirkt das in den Blutbahnen zirkulierende DHT nicht oder nur in geringem Maße an den Haarfollikeln am Hinterkopf.

Die Geheimratsecken können mit zunehmendem Alter fortschreiten bis zur Vollglatze. Das Verteilungsmuster ist beim androgenetischen Haarausfall erblich vorgegeben. Eine Kontrolle und Prüfung aus Verläufen innerhalb der Familie sollten Sie dem Arzt mitteilen.

Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten?

Sind Haare einmal ausgefallen und es haben sich Geheimratsecken gebildet, wachsen dort keine Haare mehr nach. Dies stellt nach wie vor den aktuellen Stand der Wissenschaft dar. Einzige Alternative ist der Einsatz von Arzneien, welche das ursächliche DHT an den Rezeptoren blockiert.

Hier wurden inzwischen akzeptable Erfolge durch Einsatz von Medikamenten erzielt. Der Nachteil ist die dauerhafte Anwendung und auch mögliche Nebenwirkungen.

Fazit

Ein sicheres planbares Ergebnis erreicht nur die Haartransplantation bei Geheimratsecken. Der Ansatz mit Medikamenten kann tiefere Geheimratsecken eine Zeit lang verhindern. Bekannte Verläufe von Haarausfall-Mustern in der Familie sind hilfreich in der Beurteilung Ihres Risikos.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (4)

Uta S., 05.05.2021 - 14:20 Uhr

Sehr guter Artikel, Aufschlussreich und gut erklärt.

Antwort von Dr. med. Gerhard Strasser, verfasst am 05.05.2021

Danke für Ihre Bewertung. Wenn Sie Fragen haben freuen wir uns über Ihren Kontakt.

Ischwang, 05.05.2021 - 09:51 Uhr

sehr aufschlussreich und informativ

Antwort von Dr. med. Gerhard Strasser, verfasst am 05.05.2021

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie können uns gerne immer Fragen.

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