Diese 6 Impfungen sollten ältere Menschen haben

Ältere Menschen ab 60 brauchen einen besonderen Impfschutz (© @ Kurhan iStock)

Sie sind über 60 und denken, Impfungen sind nur etwas für kleine Kinder? Sie haben sich in der Vergangenheit impfen lassen und meinen, der Schutz reicht für immer? Lesen Sie, welche sechs Impfungen Sie unbedingt auffrischen sollten.

Warum Impfungen im Alter besonders wichtig sind

Menschen über 60 sollten einen ausreichenden Impfschutz haben, weil die natürliche Körperabwehr im Alter schwächer ist. Gerade in fortgeschrittenem Alter sind grundimmunisierte Menschen nicht mehr geschützt, weil sie die Auffrischungsimpfungen häufig vernachlässigen.

Lassen Sie sich impfen, schützen Sie sich selbst und die Menschen in Ihrer Umgebung, wie zum Beispiel Partner, Kinder und Enkel, die sich sonst bei Ihnen anstecken könnten

Empfohlene Impfungen ab 60

Folgende Impfungen sollte jeder über 60-Jährige unbedingt auffrischen:

  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Diphtherie
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Influenza (Virusgrippe)
  • Pneumokokken (Lungenentzündung)

Tetanus und Diphterie führen zu Lähmungen oder Tod

Das Tetanus-Bakterium versteckt sich im Erdboden und kann durch Wunden, Kratzer oder Stiche, die zum Beispiel bei der Gartenarbeit entstehen, Wundstarrkrampf auslösen. Die Erkrankung kann zu schweren Lähmungen führen. Nach der Grundimmunisierung, die aus drei Impfungen besteht, muss die Tetanus-Impfung alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

Das Diphtherie-Bakterium überträgt sich beim Niesen, Husten oder Sprechen. Es ist toxisch und verursacht Schäden der inneren Organe, wie zum Beispiel Herzentzündungen und Nervenlähmungen. Die Erkrankung an Diphtherie schützt nicht lebenslänglich vor einer erneuten Ansteckung. Deswegen muss die Impfung alle zehn Jahre aufgefrischt werden.  

Keuchhustenimpfung schützt auch die Enkel (© auremar - fotolia)
Keuchhusten-Impfung vor allem für Großeltern wichtig

Die Impfung gegen Keuchhusten ist besonders wichtig, wenn Kleinkinder in der Nähe sind. 50 bis 70 Prozent der Säuglinge werden von ihren Eltern oder Großeltern angesteckt. Die Erkrankung äußert sich mit Hustenanfällen und Atemstillständen und führt zum Tod.

Wer bereits an Keuchhusten erkrankt ist, muss die Impfung trotzdem alle zehn Jahre auffrischen, um in Zukunft geschützt zu sein.

Nebenwirkungen des Kombinationsimpfstoffs

Die Tetanus-, Diphtherie-, Keuchhusten- und wenn nötig auch die Poliomyelitis- Impfung sind in einem Kombinationsimpfstoff enthalten. Er kann harmlose Reaktionen an der Injektionsstelle auslösen, wie zum Beispiel Rötungen, Schwellungen und Schmerzen.

Die 3-fach Impfung enthält einen Totimpfstoff, der das Immunsystem aktiviert. Die Aktivierung kann vorübergehend zu Muskelschwäche, Gelenk- und Gliederschmerzen, Fieber, Erbrechen und Durchfall führen. Selten kommen allergische Reaktionen vor. 

Ablauf der Polio-Impfung  

Poliomyelitis verursacht bleibende Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur oder der Sprech-, Schluck- und Atemmuskulatur. Die Polioimpfung muss nicht mehr aufgefrischt werden, wenn Sie viermal im Leben dagegen geimpft wurden, außer Sie reisen nach Afrika oder Asien.

Der inaktivierte Polioimpfstoff, der in den Muskel gespritzt wird, kann Schmerzen an der Infektionsstelle verursachen. Er darf nicht verabreicht werden, wenn eine Allergie gegen den Impfstoff bekannt ist oder wenn Sie einer aktuellen fieberhaften Erkrankung leiden.

Grippe-Impfung jährlich auffrischen

Grippe ist eine schwere Viruskrankheit, die sich mit hohem Fieber und wochenlangem Krankheitsgefühl äußert und die Körperabwehr so schwächt, dass eine bakterielle Lungenentzündung auf dem zerstörten Lungengewebe entstehen kann.

Oft muss Influenza stationär behandelt werden und kann zum Tod führen. Kinder stecken sich mit Influenza in der Schule oder im Kindergarten an, erkranken selbst meist aber nur leicht. Sie übertragen die Viren auf Eltern und Großeltern, die allerdings schwere Symptome entwickeln

Die Influenza-Impfung muss jährlich zwischen September und November wiederholt werden. Jedes Jahr handelt es sich um eine neue Impfsubstanz, weil sich der Influenzavirus immer wieder verändert.

Alle über 60-Jährigen, besonders diejenigen mit Herz-, Lungen-, Leber-, Stoffwechsel- oder Nierenkrankheiten, sollten sich jedes Jahr gegen Influenza impfen lassen.

 

Ernste Nebenwirkungen treten bei Grippe-Impfungen nur sehr selten auf (©fotolia-75186224-frica Studio)
Nebenwirkungen der Influenza-Impfung

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen der saisonalen Grippe-Impfung sind bei etwa 10 bis 40 Prozent der Geimpften Rötungen oder Schmerzen an der Injektionsstelle.

Einzelne Symptome wie erhöhte Temperatur, Muskelschmerzen oder ein leichtes Unwohlsein werden bei 5 bis 10 Prozent der Geimpften beobachtet. Sie sind harmlos und klingen ohne Therapie spätestens nach einigen Tagen ab.

Sehr selten treten im Fall einer Allergie Ausschläge, Ödeme oder Atembeschwerden sowie ganz selten eine allergische Sofortreaktion auf. Bei einem von einer Millionen Geimpfter wird das autoimmun bedingte Guillain-Barré-Syndrom (GBS) kurz nach der Grippeimpfung beobachtet.

Viel häufiger tritt ein GBS jedoch bei einer Grippe-Erkrankung auf. GBS ist eine neurologische Erkrankung, die zu entzündlichen Veränderungen des peripheren Nervensystems führt und sich mit Lähmungen äußert.

Pneumokokken-Impfung schützt vor Lungenentzündung

Pneumokokken sind Bakterien, die bei Senioren schwere Lungenentzündungen verursachen. Jedes Jahr sterben in Deutschland ungefähr 8.000 bis 10.000 Menschen an den Folgen einer Pneumokokken-Erkrankung, insbesondere Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranke.

Bei der Pneumokokken-Impfung wird der Impfstoff in den Oberarm injiziert. Rund um die Einstichstelle können nach der Impfung leichte Schmerzen sowie Hautrötungen auftreten. Im Normalfall verschwinden die Symptome jedoch nach ein bis zwei Tagen wieder. Ebenso kann es zu Abgeschlagenheit, Magen-Darm-Beschwerden oder einer leichten Temperaturerhöhung kommen.

Weitere Impfungen sind empfohlen, wenn eine Reise ansteht. Je nach Reiseziel sind Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus, Tollwut oder die Frühsommer- Meningoenzephalitis, eine durch Zecken übertragene Hirnhautentzündung, nötig.

Fazit

Übersicht der sechs Impfungen, die Menschen über 60 haben sollten:

Impfung

Grundimmunisierung

Auffrischungsimpfungen

Bemerkungen

Tetanus

3 Impfungen

1 Impfung alle 10 Jahre

Kombinationsimpfstoff

Diphtherie

3 Impfungen

1 Impfung alle 10 Jahre

Kombinationsimpfstoff

Kinderlähmung

3 Impfungen

1 zusätzliche Impfung im Leben

Zusätzliche Impfung vor Reisen nach Afrika oder Asien

Keuchhusten

1 Impfung

1 Impfung alle 10 Jahre

Kombinationsimpfstoff

Influenza

1 Impfung

1 Impfung jedes Jahr

Neuer Impfstoff jedes Jahr

Pneumokokken

1 Impfung

Keine

Erneute Impfung nur bei bestimmten Risikopatienten

 

Lassen sich ältere Menschen nicht impfen, besteht die Gefahr, dass sie sich selbst und die Menschen in ihrem Umfeld mit gefährlichen Erregern anstecken und schwer erkranken. Impfen im Alter ist genauso einfach wie in jüngeren Jahren. Deswegen lohnt es sich für Menschen ab 60, alle sechs empfohlenen Impfungen regelmäßig aufzufrischen.

 

Quelle:

  • Deutsches Grünes Kreuz. Impfungen ab 60. dgk.de (Stand 27.11.2016)

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (10)

Manfred V., 12.05.2020 - 12:02 Uhr

Ich bin 70 Jahre. Am 09.12.2016 wurde ich gegen Pneumokokken mit Prevenar 13 geimpft. Lt. Aufkleber war die Verw. bis 07 2016. Ist der Impfschutz vorhanden, oder eine Nachimpfung zu empfehlen?

Wolfgang H., 15.04.2020 - 12:54 Uhr

Ich wurde 2008 gegen Pneumokokken geimpft. Myastehenia gravis (ED 2016, EM 2016, MGFA) Patient. Ist eine Auffrischung der Pneumokokkenimpfung nötig?

W. D., 30.03.2020 - 22:30 Uhr

Hallo zusammen, bin Jahrgang 11/1935 und habe mich jährlich gegen die Influenza impfen lassen.Möchte mich gegen Pneumokocken impfen lassen und hoffe damit einen gewissen Schutz gegen den Corona-Virus zu erhalten,sollte der Virus Corona 19 mich mit meiner KHK erwischen. mfg W.D.

Veronika C., 26.03.2020 - 17:36 Uhr

Mein Mann und ich sind 2016 gegen Lungenentzündung geimpft. Er Jahrgang 1948 ich 1945. Sollte die Impfung aufgefrischt werden?

Helene R., 14.03.2020 - 17:58 Uhr

Bin 80 Jahre alt und habe folgende Impfungen lt.Impfausweis: 11.01.2005 Pneumokokken-Impfung 30.04.2007 1-FSME 23.05.2007 2. FSME 22.04.2008 3. FSME 03.05.2017 Auffrischung FSME-Immun Erwachsene Pfizer (2022) Bin ich ausreichend geschützt oder sollte noch eine Pneumokokken-Impfung wegen Corona-Virus erfolgen?

Julika I., 14.03.2020 - 15:37 Uhr

Wurde eine Pneumokokkenimpfung den Ablauf einer eventuellen Coronavirusinfektion mildern bei einer 70-jährigen Patientin? Wenn ja, sollte die Impfung jetzt gemacht werden?

Jürgen S., 25.03.2019 - 18:59 Uhr

Ich bin jetzt 80 Jahre alt und werde auf die Notwendigkeit der MMR-Impfung hingewiesen. Ist das richtig? Die für Senioren "notwendigen" Impfungen lasse ich regelmäßig durchführen. Mit freundlichem Gruss Jürgen S.

Robert P., 22.10.2018 - 17:58 Uhr

Meine Frau 75, und ich 77 hatten 2011 eine Pneumokokkenimpfung. Müssen wir diese auffrischen? Danke für Ihre Antwort Robert P.

Jacky C., 01.09.2018 - 15:32 Uhr

Ich wurde 2004 gegen Hepatitis A und B geimpft. Ich bin 78 Jahre alt. Wann muss diese Impfung aufgefrischt werden? Besten Dank.

Francesco T., 14.02.2018 - 18:24 Uhr

Guten Tag, meine Frau ist 2005 und 2009 gegen Lungenentzündung geimpft worden. Sie ist 1937 geboren. Ist eine Auffrischungsimpfung notwendig? Danke im voraus und freundlichen Grüßen Francesco T.

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